Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Seit einigen Tagen… (KtgB)

 
 
 
 
 
 
 
 

Seit einigen Tagen geht es mir wieder schlechter. Ich schaffe keine 5 Meter oder den Weg zur Toilette ohne kurzatmig zu werden und an Betten machen ist schon gar nicht zu denken. Wo ist meine Selbstständigkeit, warum schaffe ich es noch nicht einmal ein Essen zuzubereiten ohne dass ich mich immer und immer wieder hinsetzen muss, damit meine Atmung ruhiger wird und die Erstickungsangst vorbei geht. Gestern telefonierte ich mit meiner Schwester und obwohl ich nur auf meinem Stuhl saß und nichts weiter getan habe kam auf einmal wieder so ein Anfall. Meine Schwester war sehr erschreckt und wollte nicht glauben, dass ich einfach nur dasaß und mit ihr redete. Heute rief mich dann eine Freundin an und das gleiche passierte mir wieder. Ich kann mir nicht vorstellen mein restliches Leben so zu verbringen. Letzte Woche wollte meine Familie mit mir aus Essen gehen – ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, endlich mal wieder unter andere Menschen kommen, mal etwas anderes sehen – doch das sollte nicht lange anhalten. Nachdem ich mich umgezogen hatte und mich noch ein wenig schminken wollte ging es wieder los. Keine Luft, zittern am ganzen Körper und dieses unheimliche innere Kribbeln überall. Der Angstzustand durch meine Kurzatmigkeit bescherte mir nach langer Zeit noch mal einen Asthmaanfall, mein Kreislauf versagte und ich schwitzte am ganzen Körper. Nein, das ist kein Leben – natürlich wurde es nichts mit Essen. Ich bat meine Familie ohne mich zu gehen, da ich mich etwas hinlegen wollte, doch sie meinten mich nicht alleine lassen zu können.. Es wäre mir lieber gewesen, denn dann hätte ich nicht noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen gehabt. So oft frage ich mich, warum es mir in der Klinik um so vieles besser ging – da schaffte ich es doch sogar alleine bis zur Cafeteria – trotz Operation. Gut, ich brauchte um einiges länger als andere, aber ich schaffte es und hier? Hier ist alles noch schlimmer geworden. Meine ganze Hoffnung setze ich jetzt auf die Lungenfachärztin, meine letzte Chance, wenn sie mir auch nicht helfen kann, weiß ich nicht mehr weiter. Auf diesen Termin den 16.10. habe ich so lange warten müssen, er muss mir einfach Hilfe bringen. Wenn ich meinem Kardiologen glauben kann und das will ich, hat sich mein Herz ein wenig erholt und es kommt jetzt auf die Diagnose der Lungenfachärztin an, damit beide zusammen entscheiden wie sie mir helfen können. Wenn ich nur daran denke, dass mir gesagt würde es gäbe keine Hilfe, ich wüsste nicht mehr weiter. Die letzten Tage habe ich keine Tränen mehr obwohl ich weine – es ist ein Weinen, dass vielleicht wenige andere Menschen auch kennen – ein leises für andere nicht wahrzunehmendes Weinen, wodurch ich meine ganze Angst vor der Zukunft zu verarbeiten versuche. Oft höre ich, wenn ich mit jemandem telefoniere; ‚du hörst dich aber gut an, dir geht es besser’ – was soll ich antworten? Soll ich herausschreien „nein es geht mir nicht besser, mir geht es beschissen“ was würde das ändern? Nichts und ist es nicht so, dass wir Menschen versuchen uns selber zu schützen und sei es nur dadurch eine solche Bemerkung anderer im Raum stehen zu lassen. Manchmal kostet es mich viel Kraft mit anderen Menschen zu scherzen und zu lachen. In den letzten Tagen habe ich mich intensiver mit dem Tod befasst, nicht weil ich es so wollte, sondern weil ich seit einiger Zeit so ein Gefühl habe, dass ich keine 3 Jahre mehr leben werde. Ich weiß nicht wieso, aber immer wieder bekomme ich die Vision. Es ist nicht schlimm, tut nicht weh, aber macht nachdenklich. Bei meinen Eltern habe ich es gespürt und im vor hinein gewusst, wann sie sterben würden. Nicht Jahre vorher – nein es war immer erst in dem Jahr als sie dann auch gestorben sind. Heute habe ich versucht mit meinem Mann darüber zu sprechen welche Visionen ich habe, aber er schottet ab und stempelt es als Hirngespinst ab. Wie soll er auch anders reagieren. Ich glaube nur die Betroffenen selber können über ihre Krankheit und ihren Tod frei reden ohne Ängste, einfach nur realistisch.

Eine jüngere Bekannte von mir hat mir vor Jahren, sie war gerade mal 36, gesagt, dass sie keine 37 Jahre alt würde, sie spüre es und ich habe so reagiert, wie die meisten reagieren, denn ich sagte ihr: „Bevor Du stirbst bin ich schon längst an Altersschwäche gestorben. Rede nicht so einen Unsinn!“ versuchte sie damit abzulenken. Heute weiß ich was ich ihr damit angetan habe. Ich hätte auf sie eingehen sollen, denn ich denke mir sie wollte sich mitteilen, vielleicht sagen was sie sich noch wünscht, wie ihre Vorstellungen waren.

Heute habe ich einen Wunsch geäußert. Ich möchte gern wenn ich beerdigt werde (egal wann es soweit sein wird) bei der Trauerfeier das „Ave Maria“ gesungen bekomme. Mein Mann hörte natürlich nicht zu beziehungsweise tat so, aber ich hoffe er hat es doch mitbekommen und wird mir diesen Gefallen tun. Außerdem habe ich auch schon ein privates Testament geschrieben, nicht dass ich persönlich viel zu vererben hätte, nein mehr gedacht als kleine Mitteilung an meine Familie. Ein Dankeschön für alles und das sie ihr Leben neu ausrichten müssen und nicht zurückdenken sollen. Ich liebe meine Familie über alles und möchte nicht dass sie mehr leiden als unbedingt nötig ist. Sie sollen sich mir nicht verpflichtet fühlen. Ich möchte nicht, dass sie so leiden wie ich es bei meinen Eltern getan habe.  Heute habe ich mal wieder sehr intime Gedanken von mir preisgegeben, aber ich will ja auch nicht nur einfach irgendetwas schreiben, sondern mich an die Wahrheit, an meine Gefühle halten und diese mitteilen.

 

Heute habe ich aber auch etwas sehr schönes erlebt. Als ich gegen Mittag aufstand (es ging mir nicht so gut und ich schlief etwas länger) stand vor meinem Computer ein wunderschöner. lederner Bürostuhl. Er ist so bequem, dass ich am liebsten darin schlafen würde. Hohe dem Körper angepasste Rückenlehne, seitlich Armlehnen, dick gepolstert, natürlich höhenverstellbar und auf sicheren fünf Rollen – nicht zu vergessen – man kann ihn so einstellen, dass die Rückenlehne festgestellt ist oder man darin auch nach hinten wippen kann. Ihr könnt Euch vorstellen wie ich ihn eingestellt habe. Aber das ist noch nicht alles! Mein Mann hat mir heute auch einen Laptop oder wie es in der Bestellung so nett heißt ein Notebook bestellt. ICH werde den Unterschied nie begreifen, falls es einen geben sollte. Bis zum Wochenende soll er geliefert werden. Jede menge Speicherplatz, so dass ich auch meinen Messenger und Spaces mit sämtlichen Dateien, die nicht gerade wenig sind, sowie Incredi Mail mit meinen 3 Addis darauf installieren kann. Er ist auch sehr schnell, z.B. bei Downloads usw. Ja und natürlich die anderen Sachen die ich auch auf dem PC habe.

Manchmal denke ich doch, dass ich ziemlich undankbar bin! Denn wenn ich andere sehe, die auch krank sind, aber dabei alleine und vielleicht noch Hartz 4 oder 2 Empfänger sind, die niemanden haben, manchmal sogar noch Kinder versorgen müssen und vorne und hinten nicht weiter wissen, weil auch ihre Ex- Männer sie im Stich lassen (ob finanziell oder moralisch) und dann mich sehe, meine Situation, dann geht es mir doch wirklich gut und lasst mich doch mal ehrlich sein – ich habe jetzt schon so viele Asthmaanfälle gehabt und soviel mit meiner Kurzatmigkeit zu tun, dass ich mir doch eigentlich sagen müsste, dass es immer wieder vorbei geht, dass es mich nicht umbringt – aber diese Angstzustände bekommt man während eines Anfalls nicht in den Griff, steigert sich immer weiter hinein und verschlimmert seine Situation dadurch. Es ist wie ein immerwährender Kreislauf. Ja ich habe Angst eines Tages zu ersticken und der Kardiologe konnte mir auch nichts entgegensetzen, denn die Wahrscheinlichkeit ist doch ziemlich hoch, wenn mir nicht geholfen werden kann. Allerdings bin ich wohl weniger in Gefahr einen Herzinfarkt zu bekommen. Alles hat sein für und wieder, aber egal wie auch immer, egal wie oft ich nachts wach liege und nachdenke, ich kann es nicht beeinflussen. Irgendwann wird der Tag kommen wo ich mehr weiß, aber dann kann ich es nicht mehr mitteilen. Langsam kommen wohl meine Gefühle zurück, denn ich weine gerade, weine mit Tränen! Es tut weh und erleichtert mich auf der anderen Seite. Vielleicht sollten Männer auch mal öfters weinen – vielleicht würden sie dann – genau so lange (im Durchschnitt) leben wie wir Frauen. Tränen sind nichts um sich zu schämen, sie gehören zu uns Menschen wie die Liebe, wie Trauer, wie Freude, wie Krankheit – und Tränen reinigen die Seele.

 

© epm/Elke 2007

 

Liebe Grüße Elke

 

 

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7 Antworten

  1. Elisabeth

    Hi Elke,
    das ist wunderschön, so einen lieben Mann zu haben – was meinst Du wie gut das tut – tollen Stuhl und dann noch einen schnellen Laptop. Ich freue mich für Dich.
     
    Über den Tod können nur die wenigsten reden. Mein Mann konnte das auch nicht, er hat nur einmal gesagt, wie sein Grab und Sarg aussehen soll und dass ein Rosenstrauch draufstehen soll, da er mir dann, wenn es so weit ist, mir keine Rosen mehr schenken kann.
     
    Dein Mann tut sich natürlich schwer damit, mit Dir darüber zu reden – er macht sich dennoch viele Gedanken um Dich und wie er Dir das Leben angenehm machen kann – super so einen tollen Mann zu haben.
     
    Sei lieb gedrückt
    Eli

    17. Oktober 2007 um 19:33

  2. Barbara

    Hallo, liebe Elke,
     
    bin mal wieder auf deiner Tagebuchseite und immer wieder sehr betroffen davon, wie sehr sich dein Gesundheitszustand verschlechtert hat. Hoffentlich findest du Hilfe bei deinem Arzttermin nächste Woche am 16.10. Dies wünsche ich dir von ganzem Herzen, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß es keine Hilfe gibt. Ich kann deine Gefühle und Ängste gut nachempfinden. Finde es gut, daß du den Mut hast, dich mit dem Tod auseinander zu setzen. Viele Menschen wollen da nicht hin schauen, weil sie Angst haben, aber der Tod gehört genauso zu unserem Leben wie die Geburt! Wir können die Augen davor nicht verschließen, denn immer wieder werden wir unmittelbar oder indirekt damit konfrontiert. Auch wir befinden uns gerade in einer solchen Situation durch die schwere Krankheit meiner Schwägerin. Es ist ein täglicher Kampf, aber es lohnt sich zu kämpfen, nicht auf zu geben, auch wenn es manchesmal sehr schwer fällt. Es ist immer die Hoffnung auf Besserung, die uns den Mut gibt, zu helfen, da zu sein, ihr Nahe zu sein und sie zu unterstützen, wo wir nur können. Und das mit ganzem Herzen und viel Liebe….
     
    Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute, liebe Elke, ich schicke dir ein schönes Gedicht…sei ganz herzlich gegrüßt von
    Barbara 

    11. Oktober 2007 um 12:25

  3. Monika

    Ich denke an dich liebe Elke
     
    Das Ave MAria kenne ich … ich kenne beide .. Ein Lied, das mir selbst immer unwahrscheinlich gut getan hat und mir immernoch hilft in vielen Situationen. Manchmal das eine manchmal das andere.
     
    Es tut mir leid wenn ich mich oft nicht so recht in Worte fassen kann zu dem was du schreibst. Es bewegt mich einfach und ich habe Angst hier irgendeinen Müll zu schreiben.
     
    Grüße vom Herzen
    Moonica

    10. Oktober 2007 um 22:17

  4. Svenja

    Liebe Elke! Heute habe ich mir die Zeit genommen, in deinem wunderbar geschriebenen Blog wieder mal zu lesen. War ja lange nicht hier. Irgendwas ist immer… Seufz… Deine letzten Einträge haben mich doch sehr bewegt und ich möchte Dir sagen, wie sehr ich deinen Mut, deine Kraft und deine Zuversicht bewundere! Und wie ehrlich und offen Du hier immer am schreiben bist! Gehe nicht, ohne Dir ein paar liebe Grüsse zu hinterlassen… Bis bald… Svenja

    10. Oktober 2007 um 11:29

  5. Andreas

    Wenn der Himmel einen Menschen liebt,
    dann lässt er ihm einen Freund begegnen.
    Manche Menschen machen die Welt besonders,
    in dem Sie einfach da sind.

    10. Oktober 2007 um 00:19

  6. Andrea

    Liebe Elke,
    die Angst zu ersticken kann ich gut nachempfinden. Die wird man nicht los. Vor einigen Jahren wurde mir gesagt es
    wäre ein beginnendes Asthma, im Letzten Jahr fragte mein Hausarzt ob ich viel Stress hätte. Habe ich. Er ist der Meinung
    die Atemnot würde Stressbedingt sein. Keine Ahnung ob nun Asthma oder Stress bedigte Atemnot, sie ist da zwar nicht oft, aber
    wenn dann habe ich die absolute Pannik obwohl ich weiß das es wieder vorbei geht. Vielleicht sollte ich auch mit dem
    Rauchen aufhören aber fragt sich wie. Schon der Gedanke an die letzte Zigarette ruft eine solche Unruhe hervor als wenn man
    auf Entzug wäre.
    Ich wünsche dir zum Wochenende dann viel Spass mit dem neuen Lappi (Laptop, Notebook).
    Ganz lieb dich "umarm und knuddel"
    bis bald Andrea
     

    9. Oktober 2007 um 14:50

  7. Schlingeliene

    Für den Moment lasse ich dir "nur" ganz liebe Grüße hier….
     

    9. Oktober 2007 um 12:47

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