Tränen und Glück finden sich in der Stille…

KUNST oder KRANK?

 

 

Unbenannt

 

KUNST oder KRANK?

Gregor Schneider,

Das neue Vorhaben des deutschen Künstlers Gregor Schneider erregt Aufsehen: Der 39-Jährige will einen todkranken Menschen im Rahmen eines Kunst-Projekts sterben lassen. Im Gespräch mit WELT ONLINE äußert sich Schneider erstmals dazu – und erzählt, wie er selber gerne sterben würde.

 

Bevor ich das Gespräch von WELT ONLINE und Gregor Schneider hier übernehme möchte ich gerne MEINE MEINUNG dazu äußern. Im vergangenem Jahr habe ich bereits einen Eintrag über einen „Künstler“ ( wer ihn denn so nennen möchte) gemacht, der einen Hund in einer Ecke eines Museums während er verhungern sollte ausstellte. Die Bilder gingen wie es der „Künstler“ wohl beabsichtigt hatte um die ganze Welt. Was mich betraf, war ich entsetzt. Auf Premas Seite könnt Ihr nochmal, detailierter als bei mir darüber lesen. Doch was jetzt Gregor Schneider vor hat, empfinde ich persönlich als krank. Natürlich sollen und können wir uns dem TOD und der Thematik STERBEN nicht entziehen, aber so…. Nein ich finde es der Menschenwürde abtrünnig, auch wenn der Sterbende einwilligt. Natürlich gibt es Menschen die sich noch im Tode profilieren möchten, die sich gewiss zur Verfügung stellen, aber sollen wir das unterstützen? Haben wir die Äußerungen von jugendlichen in einer Vollzugsanstalt schon vergessen, die einen Mithäftling zu Tode quälten;

 

‚Wir wollten einen Menschen mal sterben sehen‘!

 

Die Menschen waren entsetzt über diese Worte, sahen die Täter als krank an – was aber bitteschön ist das was Gregor Schneider vor hat? Gut er tötet seine Ausstellungsopfer nicht, aber er will die intimsten Momente eines Menschen öffentlich machen. Dieser Mensch mag jetzt vielleicht zustimmen, aber wie wird er wenn es soweit ist darüber denken?

 

Im Mittelalter war es Gang und Gäbe die Hinrichtung eines Verurteilten auf dem Marktplatz für die Belustigung des Volkes abzuhalten, aber sind wir nicht alle froh nicht mehr im Mittelalter zu leben? Wollen wir uns wirklich zurückentwickeln? Ich für meinen Teil ganz gewiss nicht!

***

Gespräch WELT ONLINE mit Gregor Schneider:

Gregor Schneider wurde 2001 bekannt, als er auf der Biennale in Venedig sein "Totes Haus ur" zeigte: ein immer wieder umgebautes Haus voller Zimmer und Durchgänge, das er komplett aus seinem Wohnort Rheydt nach Venedig transportiert hatte. 2005 wurde seine Arbeit für die Biennale verboten: Der schwarze Kubus in den Abmessungen der Kaaba in Mekka durfte nicht aufgestellt werden. Realisiert wurde das Projekt 2007 in Hamburg.

 WELT ONLINE: Ihr Vorhaben, einen Sterbenden oder gerade Gestorbenen in einer Ausstellung zu zeigen, erregt nicht nur die Kommentatoren in Internetforen. Aber die Idee ist doch nicht neu?

 Gregor Schneider: Diese Idee verfolgt mich schon seit 1996. Das ist wiederholt in Büchern beschrieben worden, wo man sich informieren kann. Aber momentan beschäftigt mich viel mehr der neue Erweiterungsbau am Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Ein innen und außen schwarzer Baukörper: 14 Meter hoch und 80 Meter lang. Das Museum als ein schwarzes Loch, das den Besucher durch ein schwarzes Loch in den Abgrund führt. Diese totale Schwärze entzieht jegliches Ortsgefühl, bewirkt eine Erfahrung totaler Verlorenheit.

 WELT ONLINE: Diskutiert wird momentan aber über ihr Sterbe-Projekt.

Schneider: Die Realität des Sterbens in deutschen Kliniken, Intensivstationen und Operationssälen ist grausam, das ist der Skandal. Der Leichnam wird von Bestattungsunternehmen übernommen. Der Tod und der Weg dahin ist heute Leiden. Leider. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, wie ich sie plane, kann uns den Schrecken vor dem Tod nehmen. Ideal erscheint mir ein Raum aus dem Museum Haus Lange in Krefeld, den ich nachgebaut habe.

 WELT ONLINE: Was ist das für ein Raum?

Schneider: Ein von Mies van der Rohe entworfener, ursprünglich als privater Wohnraum gebauter Raum. Dieser Raum ist hell und Licht durchflutet. Er steht jetzt nachgebaut hier bei mir im Atelier, ist transportabel und damit jederzeit verfügbar.

WELT ONLINE: Aber was ist hier die Aufgabe des Künstlers?

Schneider: Ein Künstler kann etwas zu diesem Thema beitragen, indem er humane Orte für den Tod baut, wo Menschen in Würde sterben können. Der Raum schafft die Würde und den Schutz.

WELT ONLINE: Wie würde so ein Sterben ablaufen?

Schneider: Der Sterbende würde alles vorher bestimmen. Er stünde im Mittelpunkt. Alles passiert in Absprache mit den Verwandten. Es wäre eine private Atmosphäre mit einer Besucherregelung.

WELT ONLINE: Was stellen Sie sich für einen Menschen vor, der öffentlich sterben will?

Schneider: Es müsste eine Person sein, mit der ich viele Gemeinsamkeiten habe, die meine Intentionen versteht. Sie müsste einen Zugang zu meinen Räumen finden. Ich stehe in Kontakt mit einem Kunstsammler, der auch Teil meines Hauses in Rheydt geworden ist. Mit ihm könnte ich mir es vorstellen.

WELT ONLINE: Ist er denn krank?

Schneider: Den Zeitpunkt des Todes können wir nicht bestimmen.

WELT ONLINE: Deshalb suchen Sie aktiv nach Todkranken?

Schneider: Einen Menschen, der auf natürliche Weise stirbt. Weil der Sterbende alles festlegt, könnte es auch ein frisch Verstorbener sein.

WELT ONLINE: Glauben Sie wirklich, es findet sich ein Mensch, der öffentlich und ausgestellt sterben will?

Schlagworte

Kunst Tod Sterben Gregor Schneider Rheydt Mies van der Rohe Biennale

Schneider: Der Tod ist ein sehr privater und intimer Vorgang, der in den meisten Fällen nicht "schön" ist. Ich würde gerne in einem von mir ausgewählten Raum, in einem privaten Bereich des Museums, sterben können – umgeben mit Kunst.

 

Weiterführende links

Tod als Kunst darf nicht bloß Provokation sein

Deutscher Künstler will Menschen sterben lassen

Der Mann, der uns die Augen öffnet

Die Kaaba von Hamburg

Keine Angst vorm schwarzen Würfel

Wolfgang Tillmans erfindet sich in Berlin neu

Müde Kunst mit Marx – die Biennale in Berlin

Hamburg ist jetzt das Mekka der Kunst

In weißen Räumen lauert das Grauen

Bilderstrecke: Bizarre Kunst auf der Art Cologne

Auferstanden aus Intrigen – Art Cologne

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Bilderstrecke: Wolfgang Tillmans in Berlin

Bilderstrecke: Der Künstler Gregor Schneider

 

Herzlich Grüße von einer sehr nachdenklichen Elke

Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren! 

  

 

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3 Antworten

  1. Mon

    Ich finde derartige "Kunst" einfach nur geschmacklos.
    Und den Künstler KRANK, … und ARM,….an GEFÜHL.
    Viele Grüße Monré

    22. April 2008 um 18:15

  2. Elke

    Ich gehe vollkommen konform mit Deiner Meinung.

    22. April 2008 um 11:20

  3. Goa

     
    Nein, Sterben hat nichts mit Kunst zu tun. Ich fand "Körperwelten" schon irgendwie seltsam. Lernfaktor hin oder her- Ich denke nicht, daß es irgendeinen Menschen dazu ermuntert, gerne zu sterben.Selbst wenn das "Kunstobjekt- Der Sterbende" sich nichts schöneres wünscht, als in einer Kunsthalle zu sterben, glaube ich nicht das es etwas an der "Sterbequalität" ändert.
    Ich kann mir vorstellen, das der Künstler alles tun wird, dem "Kunstobjekt" ein würdiges Sterben zu gewährleisten. Bestimmt gibt`s da ganz tolle Schwestern (natürlich im Wunschoutfit des Sterbenden), erfahrene Ärzte, gute Medizin…., und wahrscheinlich sparen sich einige Angehörige die Beerdigungskosten… Ein Privileg, was sich sicherlich jeder Sterbende wünscht… Und das alles NUR FÜR DIE KAMERA… ES wird sich vom Pflegestandart durch solche Aktionen nichts ändern.
    Dafür ist eher die Familie oder die Gesundheitspolitik zuständig.
    Entschuldige bitte meine ab und zu ironische Formulierung bezüglich dieses ernsten Themas.
    Ich habe mit dem Thema "Tod" keine Probleme- Ich bekomme Probleme, wenn der Tot vermarktet wird.
     
    Alles Liebe und Licht! :)
     

    22. April 2008 um 11:11

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