Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Das Übel, das an die Stelle von Denken trat…

 

 

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Das Übel, das an die Stelle von Denken trat
 
 
Wenn ich meine Augen schließe, insistiert seine Stimme, wir seien kurz davor,
ein für alle mal und mit Schwung
die Geheimnisse aufzuklären, denen wir uns
 
dieser Tage so intensiv gewidmet haben, nahezu unter Ausschluss
von allem, was ich für zutreffend gehalten hatte, im Tatsachensinn.
Es hatte so ausgesehen, als gäbe es nur eine Welt, an die man sich halten konnte,
 
aber jetzt kann ich sehen, dass es tatsächlich gar keine gibt, nur Straßen
mit Schildern, die weiter verweisen, hin zu und weg
von demselben erniedrigenden Unort, an dem Du schon bist.
 
Diese Geheimnisse werden nicht eines nach dem anderen aufgeklärt werden,
sondern in einem langsamen, allgemeinen Entfalten entlang der Linien
der Magnolie, und der Versuch eine Lösung voranzutreiben, indem man sie aufstemmt,
 
wird nicht nur diese Lösung beeinträchtigen, sondern auch viele,
wenn nicht alle, anderen. Ich bin nicht mehr diese Person,
die mit ihren Händen sofort die Magnolie überall befingert.
 
Ich bin auch nicht der andere, der davon stampft, betrübt,
dass er nicht versteht. Falls es aussieht, als dächte ich, ich tus nicht,
ich warte, und ich kann für immer warten um herauszufinden, warum.
 
Wenn es aussah, als sei ich betrübt bei der Betrachtung des Fotos
von Frauen und Kindern, die von einem amerikanischen Bataillon
an einem sonnigen klaren Märztag niedergeschossen wurden, schau noch mal:
 
ohne eine Welt, an die man sich halten kann, kann es kein Foto geben,
keine Frauen, keine Kinder, und sicher kein Bataillon,
das schießt, wenn von vorneherein nichts da war.

Timothy Donnelly (*1969)

 

Herzliche Grüße Elke
 
 
 
Mehr von Timothy Donnelly:
Die Gedichte des Poetry Editors der Boston Review sind der Sound des Anderen Amerikas, der USA der großen Städte, der Ostküste, der kritischen Liberalen. Nicht aber trockene politische Lyrik, keinerlei platte Agitation ist vernehmbar, es ist der traurige doch energetische Blick eines an allen Trögen der Postmoderne getränkten Ästheten. Ohne mit der Wimper zu zucken vergleicht Richard Howard Donnellys Lyrik mit John Ashberys Frühwerk und weist darauf hin, dass Donnelly bei aller Geistesverwandtschaft verspielter, überschwänglicher, kurzum einladender ist.

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Eine Antwort

  1. raphaela

    hallo liebe rkr
     
     
    das bringt einen wirklich mal zum nachdenken………lg und drück dich ganz feste
    deine raphi

    6. Mai 2008 um 19:24

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