Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Der Tag danach… (KtgB)

 

 

Der Tag danach war der gestrige Tag. In der Nacht habe ich natürlich nicht gebadet, warum? Ich weiß es eigentlich nicht. Irgendwie ist mir die Zeit durch die Finger geglitten und ehe ich mich versah waren es schon 6 Uhr morgens – na ja 5 Uhr 30. Ich war mal wieder wie immer in den Nächten bevor ich einen Arzttermin habe nicht fähig einzuschlafen. Es ist nicht so, dass ich nicht müde gewesen wäre, nein im Gegenteil. Nur gut das mich niemand gesehen hat wie ich gähnend vor meinem Lappy saß und ihn wie eine Irre anstarrte, vielleicht habe ich mir gedacht, das auf dem Monitor ein großes Schild erschien und mir wie in Hypnose suggerierte; ’schlaf ein Elke, schlaf ein‘. Aber nichts dergleichen passierte und ich glaube auch nicht wirklich dass ich gedacht habe. Lange Rede kurzer Sinn ich schlief dann irgendwann nach 5 Uhr 30 ein um durch den elendigen Wecker um 6 Uhr 45 wieder geweckt zu werden, natürlich noch viel müder als vorher! Da ich nicht die schnellste Schnecke bin, war mein Mann vor mir im Bad. Gut dachte ich, er braucht ja nicht so lange und drehte mich nochmal auf die Seite, in dem Glauben ich würde schon hören, wenn der Duschvorhang geöffnet würde. Weit gefehlt, denn als ich ihn in der Küche mit der Zeitung hantieren hörte, hörte ich doch schon wieder den Duschvorhang. Jetzt zweifelte ich aber doch an meinem Verstand. Meine Tochter war nicht zu hause, mein Sohn längst auf der Arbeit und mein Mann lesend in der Küche und zugleich unter der Dusche – wie sollte das funktionieren? Am liebsten hätte ich mich in die zur Zeit wichtigsten Körperteile nämlich die Pobacken gekniffen, aber dafür hätte ich mich bewegen müssen und das wollte ich mir nun doch nicht antun. Gibt immer so dumme blaue Flecken und tut auch nicht sonderlich gut, weil ja kein Fett unter der Haut, außerdem hörte ich ja nun deutlich, dass Jemand im Bad hantierte. Des Rätsels Lösung mein Sohn hatte Berufsschule und die fing ausgerechnet an meinem Arzttag später an. Um 7 Uhr 16 und 23 Sekunden konnte ich dann endlich ins Bad. Ganzkörperwäsche plus Haarewaschen und um 8 Uhr Termin bei meinem Internisten und das ganze nüchtern. Na ja – Alkohol trinke ich ja nie vor einem Arztbesuch, aber ich glaube es war etwas anders gemeint als der Arzt mir das einen Tag vorher sagte. Leider, leider, leider kann ich das aber nicht, denn ich muß ja meine Medizin nehmen und nach dem überhasteten Badbesuch mußte ich mich auch ein wenig erholen. Also einen meiner so bekannten Kaffespezialitäten, 1 Drittel Kaffee und zwei Drittel Wasser geholt, eine Zigarette angezündet und für 8 Uhr einen Mietwagen bestellt. Schnell noch ein wenig Farbe ins Gesicht (eigentlich Blödsinn – erst das Gesicht schrubben und dann wieder mit Farbe zuschmieren) und schon war der Wagen da und meine Haare noch schön nass. Herrlich, weiter so, konnte ich nur noch denken ehe ich dann zum Mietwagen ging. Wetter war ja gut, also keine Erkältungsgefahr und durch die Dauerwelle vergangene Woche Frisurenmäßig auch kein Problem. Luftgetrocknet bekam man doch auch beim Friseur angeboten – also!

Pünktlich 8 Uhr 15 betrat ich die Arztpraxis – pünktlich deshalb, weil alle meine Ärzte wissen, dass ich immer etwas später kam und wahrscheinlich entsetzt reagieren würden wenn ich mal um die Uhrzeit da wäre die ausgemacht wurde. Ich brauchte auch gar nicht lange warten (he…he…) konnte gleich ins Labor gehen und nun wurde ich angezapft. Dabei wurde ich dann von meinem Arzt aufgeklärt, dass die Blutentnahme schon der ganze Nierentest war. Upppps… wie dass? Also durch die Laboruntersuchung des Blutes wurde getestet wie meine Nebennieren funktionieren. Pfffee… es ging gar nicht um meine Nieren sondern nur um die Nebennieren. Auf meine Frage wieso wurde ich dann sehr umfangreich aufgeklärt, dass die Nebennieren Cortison produzieren. Im Normalfall genau soviel wie der Körper brauchte, sollten sie jetzt genug produzieren oder eventuell etwas mehr, kam eine Cortisonkur für mich nicht in Frage. Das war schon alles. Dienstag habe ich dann dort den nächsten Termin um das Ergebnis der Nebennierenwerte zu besprechen. Auf der Rückfahrt ließ ich mich noch zu meiner Frauenärztin fahren um dort ebenfalls Laborwerte abzuholen, die ich für die CT am Montag brauche. Die Sprechstundenhilfe bat mich doch im Warezimmer zu warten bis die Ärztin Zeit habe, was ich aber dankend ablehnte weil ich ja den Mietwagen vor der Tür stehen hatte. Ich nahm die 2 Bögen, warf meinen üblichen Obulus in die Kaffeekasse und wünschte allen einen schönen Tag. Ob es Irgendjemand gehört hat mag ich bezweifeln, denn ich befand mich scho zu 2 Drittel meines Körperanteils auf dem Flur zum Ausgang hin. Egal, die Hauptsache ich bin höflich gewesen. Zu hause angekommen, noch ehe ich die Schuhe ausgezogen hatte nahm ich mir einen Kaffee, meine dazugehörende Zigarette und ließ langsam die Hektik von mir abgleiten. Das tat gut – ungefähr so, als würde man einen viel zu warmen Mantel ausziehen. Erst als ich ganz ruhig war und wieder ein wenig Luft bekam, trotz Zigarette, nahm ich die zwei Laborberichte aus meiner Tasche. Der erste zeigte mir, dass mein Kreatininwert und mein TSH Basalwert wohl in Ordnung waren, zumindest für einen Laien wie mich, aber der andere Labortest war so komisch, so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Auf einem Din A4 Blatt die Adresse des Labors, die Adresse des Arztes, den Namen der Bearbeiterin und sonst stand so gut wie nichts drauf!!! Nun ja, zur Mitte ausgerichtet stand etwas von 8,7  und weiter unten noch ein anderer Wert. Rechts ausgerichtet dann 5 Zeilen bestehend aus jeweils einem Wort oder Zahl (Kein Wunder dass unser Wald stirbt, das ganze hätte bequem auf einem Rezeptgroßen Zettel gepasst).

1. Zeile = <5

2. Zeile = Raucher

3. Zeile = verdächtig

4. Zeile = < 10 s.o.

5. Zeile = pathologisch

Wrumms, das einzige was ich gelesen oder aufgenommen habe war "verdächtig" und "pathologisch"! Sofort bereute ich, nicht auf die Ärztin gewartet zu haben um mir das erklären zu lassen. Langsam, gaaanz, gaaanz langsam griff ich nach meinem Telefon, nahm es in die Hand als wäre es glühende Kohle und wählte die Nummer meiner Ärztin. Besetzt, meine Güte besetzt!!! Nicht nur beim ersten Versuch, nein bei drei weiteren ebenso. Irgendwie schien die Welt für mich still zu stehen, das Gefühl kann ich nicht beschreiben, es gibt keine Worte dafür. Ich fühlte die Angst, die mir langsam die Luft nahm, meine Hände zitterten, ich fror -hatte Gänsehaut. Endlich Freizeichen. Ich mußte mich erst mal Räuspern ehe ich meine Frage stellen konnte, was es bedeutete verdächtig und pathologisch. Natürlich konnte mir die Sprechstundenhilfe keine Antwort geben und bat mich in der Leitung zu bleiben bis die Ärztin aus dem Behandlungszimmer herauskommen würde. Ob ich das wolle? Natürlich wollte ich, und wartete geduldig 7 Minuten und 18 Sekunden. Hatte mir in der Zeit eine Zigarette angezündet, obwohl ich noch eine brennende auf dem Aschenbecher liegen hatte. Mein Verstand setzte vollkommen aus. Manch einer wird darüber lachen und sagen wie kann man nur so überreagieren, aber nach insgesamt mehr als 2 Jahren warten auf Untersuchungsergebnisse, sind meine Nerven sehr angespannt. Zu oft hatte ich schon gehört positiv, was natürlich das Gegenteil bedeutet oder verdächtig, worauf ich wieder unters Messer mußte. Es war schlicht und ergreifend so, dass ich aus "Angst pur" bestand. Als sich dann die Ärztin endlich meldete zuckte ich erst mal heftig zusammen, häte beinahe meine Zigarette fallenn lassen, konnte den Hörer nicht ruhig am Ohr halten. Meine Ohrringe machten einen Ohrenbetäubenden Krach, als sie so über den Telefonhörer kratzten. Vorsichtshalber nahm ich meine 2. Hand zu Hilfe – vielleicht war es aber auch nur eine Rektion des sich Festhalten wollens, ich weiss es nicht so genau. Jedenfalls sagte mir die Ärztin, dass sich die Werte nur gering gegenüber des vergangenen Jahres erhöht hätten und sie nicht ausschließen könne, dass irgendwo in meinem Körper erneut Krebszellen seien oder nicht, das könne jetzt nur noch durch die CT bestimmt werden, aber ich solle mir mal erst keine Sorgen machen. Sie hatte gut reden, sie war gesund und um einiges jünger. Obwohl sie mir deutlich gesat hatte was sie dazu sagen konnte, hinterfragte ich sie immer wieder ob es denn eher ja bedeute oder eher nein. Dumme Frage, sie hatte mir doch schon dreimal gesagt, dass sie es zu diesem Zeitpunkt nicht sagen könne. Nun setzte sich langsam mein Verstand wieder durch und ich sagte abschließend, dass ich kommenden Montag den Termin für die CT hätte, ob ich dann nach einer Woche wohl mal wegen dem Ergebnis anrufen könne, erntete aber nur ein mitfühlendes Lachen und die Antwort, dass das Ergebnis 2- 3 Wochen nach der CT bei ihr eingehen würde. Ich bedankte mich bei ihr, weil ich merkte, dass sie langsam ungeduldig wurde. Das war auch nur zu Verständlich, schließlich hatte sie Patienten, die auf sie warteten, und wünschte ihr noch einen schönen Tag. Nun bin ich genauso schlau wie vor der Laboruntersuchung und muss weitere 3-4 Wochen abwarten bis ich weiß, wie es mit mir weitergeht, welches Ergebnis die CT bringen wird. Die Ärztin hatte schon längst aufgelegt, doch ich hielt den Hörer immer noch am Ohr. Ich wartete nicht darauf, dass sie sich doch nochmal melden würde, sie hatte schließlich bereits aufgelegt, nein ich horschte in mich hinein. Meine Gefühle bewegten sich zwischen Angst und Hoffen. Nachdem ich endlich den Hörer zur Seite legte, wurde ich immer ruhiger. Es war doch ein gutes Zeichen, wenn sich meine Werte seit der letzten Laboruntersuchung nicht drastisch erhöht hatten. Gut, es hieß nicht, dass ich unbedingt Krebsfrei bin, aber ich denke schon das es mehr zum Guten tendiert.

Als ich dann endlich aus meinen Schuhen sprang (die Betonung liegt auf "sprang")  und ein wenig Hausfrau spielte, na ja, bischen aufräumen, Betten machen die Türen zu den Zimmern der Kinder schließen, weil ich das Chaos nicht sehen wollte und mich ziemlich erschöpft an meinen Lappy setzte um an meiner neuen Seite zu arbeiten hatte mich der Optimismus wieder eingeholt und ich sah jetzt ein halbvolles und nicht mehr ein halbleeres Glas. Mittlerweile habe ich die Gedanken in der drittletzten Schulade meiner rechten Gehirnhälfte weggeschlossen und mache sie erst in 3 Wochen wieder auf. In diesem Sinne noch einen schönen Donnerstag…

© Elke 2008 L/E.
 

Herzliche Grüße Elke

Ps: Achtet heute mal nicht so auf meine Rechtschreibung, bin langsam total übermüdet.

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