Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Noch eine schlaflose Nacht… (KtgB)

 

 

Bank mit Rose schww

 

Noch eine schlaflose Nacht,

dann endlich ist die lange Zeit des Wartens vorbei – zumindest kam sie mir sehr lange vor. Um 8 Uhr 30 habe ich im Nachbarstädtchen den Termin zur CT und anschließend in der gleichen Praxis, die riesig groß ist, den Termin zur Mammographie. Was soll ich einen Tag davor sagen? Seit Freitagmorgen geht es mir jetzt an einem Stück elend, darüber habe ich bereits geschrieben. Übelkeit und starke Schmerzen. Wollte glauben, dass das mit der Psyche zu tun hat, weil ich Angst vor den Terminen und Ergebnissen habe, was auch teilweise zutreffend ist. Seit heute morgen bin ich aber die Ruhe selber, wie es mir immer geht, wenn ich mich einmal mit einer Situation abgefunden habe, aber besser geht es mir trotzdem nicht. Die Angst vor den Terminen ist jetzt der Angst gewichen, die Termine nicht einhalten zu können. Vor zwei Stunden hat mein Mann mir gesagt, dass er mich doch hinfahren könne, weil der Kunde ihn gebeten hat eine Stunde später zu kommen und das passt dann genau. Es ist beruhigend für mich, weil ich nicht wüsste ob ich, wenn es mir morgen noch so schlecht gehen sollte, wirklich einen Mietwagen rufen würde. Irgendwie mache ich mir auch etwas vor wenn ich sage, dass es mir abends besser ginge, wenn ich die Untersuchungen hinter mir habe, denn dann fängt das Warten auf die Ergebnisse an und laut meiner Ärztin dauert das um die 3 Wochen. Nun habe ich aber noch einen Joker den ich vielleicht einsetzen kann. Vor einem Jahr war ich schon mal in der Praxis, bekam eine CT um festzustellen was mit meiner Lunge und den Bronchien los ist und da war der Arzt so nett und hat mich in sein Arztzimmer geholt und mir die hundert oder wie viel Aufnahmen das waren gezeigt, und mir auch alles bis ins Detail erklärt. Es waren keine schönen Ergebnisse, aber ich habe sie gleich erfahren und das hat mir sehr geholfen die Nachricht zu verarbeiten. Morgen werde ich auch um ein Gespräch bitten und hoffentlich auch so eine detailierte Auskunft bekommen. Die Mammographie macht mir keine Kopfschmerzen, denn da glaube ich schon ein gutes Gefühl zu haben. Außerdem bekommt man dort sowieso den Bescheid. Um 19 Uhr habe ich eine Beruhigungstablette genommen, die bei mir normal bewirkt, dass ich eine Stunde später müde werde. Bis jetzt hat sich noch nichts in der Richtung getan. Notfalls nehme ich noch eine oder auch zwei, die Hauptsache ich schaffe die Termine. Alles in allem werde ich so gegen 17 Uhr zu Hause sein, es sei denn ich gehe noch in der Klinikcafeteria eine Kleinigkeit essen – ich muss ja nüchtern erscheinen und bleibe es auch bis ca. 16 Uhr, weil das ganze so lange dauert. Mal sehen wie es mir geht.

So nun werde ich mich noch ein wenig mit einem Spielchen ablenken und einen Spezialkaffee trinken (1 Drittel Kaffe 2 Drittel Wasser, leicht bräunlich angehaucht und das eine Kaffebohne durchgeflogen ist merkt man auch an einem Kaffeeähnlichen leichten Geschmack), schaue zwischendurch auf den Fernseher indem Sonntags immer Crimesonntag ist und ich Krimis liebe wie nichts auf der Welt – wenn sie gut sind. Mit zur Praxis nehme ich mein neues Buch „Schmetterling und Taucherglocke“ ein Buch zum Film in den ich übernächste Woche mit einer Freundin gehen möchte. Sie lässt mir einfach keine Ruhe, will mich hier abholen, mich vor dem Kino herauslassen, den Wagen wegbringen und auf dem Rückweg das gleiche nur in anderer Reihenfolge. Ich würde mich freuen wenn es klappen würde, aber bis dahin ist noch lange hin. Apropos lange hin. Vorgestern hat mich ein lieber langjähriger Freund angerufen und sich während unseres knapp 3 stündigen Gespräches damit entschuldigt, dass er sich so lange nicht gemeldet hat, weil er Angst hatte mein Mann oder meine Kinder würden ihm sagen, das ich nicht mehr auf dieser Erde verweile. Im ersten Moment wusste ich nicht ob ich weinen oder lachen sollte – schließlich sind bereits 5 von uns 11 Frauen die wir zusammen in der Chemo waren gestorben und allesamt waren als gesund aus der Klinik entlassen worden und ich nicht, bei mir wurde abgebrochen, aber ich musste dann doch lachen. Habe ihm noch versprochen, dass er es als Erster erführe wenn ich sterben würde und nun war er sprachlos und verstand nicht wie ich darüber Witze reißen könnte. Seltsam, die wenigsten Menschen verstehen nicht, dass ich keine Angst vorm Sterben habe, aber warum sollte ich? Nein da habe ich lange drüber nachgedacht und ich könnte damit leben. Der Tod kann gnädiger sein als das Leben. Wenn ich mir überlege ich müsste Jahre dahinsiechen, vielleicht mit nicht mehr zu behandelnden Schmerzen, dann wird mir mulmig, aber doch nicht vor dem Sterben. Sicher liegt es daran, dass die meisten Menschen alles was mit dem Lebensende also dem Tod zu tun hat verdrängen, habe ich früher auch mit mehr oder weniger Erfolg gemacht, aber seit meiner Erkrankung war ich gezwungen mir Gedanken darüber zu machen. Meine Kinder sind zwar 18 und 19, aber noch lange nicht Erwachsen und mein Mann? So gut und liebevoll er sich jetzt auch um mich kümmert, aber auch er verdrängt die Möglichkeit und will nichts hören wenn ich mit ihm besprechen möchte, was oder wie ich mir meine Beerdigung vorstelle. Er verlässt dann den Raum und sagt ich solle nicht so dumm daher reden. Dabei sollte man in unserem Alter egal ob krank oder nicht, langsam aber sicher wissen wie alles sein soll. Schließlich müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht belastet werden. Was mich betrifft, ich habe alles bei einem Notar festgelegt. Eine Patientenverfügung und ein sogenanntes Testament hinterlegt. Der Tod kommt irgendwann zu jedem, dass ich das einzig wirkliche und unumstößliche Gesetz, das mit unserer Geburt beginnt. Es heißt nicht umsonst die Geburt ist der Anfang des Sterbens. Und das wir alle sterben müssen ist auch das einzig gerechte im Leben. Nun bin ich doch wieder auf Gedankliche Abwege geraten, darüber hatte ich eigentlich nicht vor zu schreiben. Lächel. Es gehört halt alles dazu.

 

Herzliche Grüße Elke   

 

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2 Antworten

  1. Peter

    ICH KANN DEINEN MANN GUT VERSTEHEN!AUCH ICH WOLLTE ES EINFACH NICHT SEHEN.HEUTE BEREUE ICH ES!

    20. Mai 2008 um 15:24

  2. Andrea

    Liebe Elke,
     
    ich spüre Deine Angst sehr genau, und ich würde sie Dir  sehr gerne abnehmen – Du weißt so gut, wie ich, daß
    das nicht möglich ist. Du hast ja meine Nummer, wenn es heut Nacht zu viel wird. Du mußt tapfer sein, das warst Du schon so oft – und vergiß nicht, daß im Moment alles so gut ist für Dich läuft. Und Negatives hattest Du auch genug, vergiß nciht die dummen Mails neulich. Also, hol wieder tief Luft und laß\‘ Dich  nicht unterkriegen.
     
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und alles alles Liebe. Laß Dich zum Abschied noch einmal ganz lieb knuddeln,
    ich denke an Dich.
     
    Andrea
     
     

    19. Mai 2008 um 02:19

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