Tränen und Glück finden sich in der Stille…

„Mein allesentscheidender Montag“ Teil2… (KtgB)

 

 

 

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Mein allesentscheidender Montag Teil2…(KtgB)

Als ich mich etwas beruhigt hatte und zur Cafeteria gehen wollte, weil ich noch ziemlich viel Zeit hatte bis zur Mammo, kam die nette Laborassistentin auf mich zu und sagte freundlich; ‚Gott sei Dank erwische ich sie noch, ich habe bei der Mammographie angerufen und sie angemeldet. Sie werden vorgezogen und möchten sofort vorbeikommen‘. Also ging es weiter mit meinem Glück, ich brauchte die 1 ½ Stunden nicht warten, konnte sofort in meinem Untersuchungstrott weitermachen. Einerseits war es schön, andererseits beschlich mich das Gefühl, dass da doch noch etwas nachkommen musste, es war zu viel Glück auf einmal.

Angekommen in der Abteilung setzte ich mich brav wie ein Schulmädchen auf einen der vielen Stühle und holte mein Buch heraus um mich durch lesen wiedermal ein wenig abzulenken, was aber vollkommen umsonst war, weil schon eine Sprechstundenhilfe vor mir stand, mich fragte ob ich Frau …. sei und mir einen Bogen den ich ausfüllen sollte in die Hand gab und freundlich meinte; ‚Ich hoffe sie können schnell schreiben, denn sie sind gleich nach der Dame dort drüben dran. Wir konnten sie noch schnell dazwischen nehmen‘. Ja, ich konnte schnell schreiben, allerdings wie die Ärzte – nicht im Entferntesten leserlich. Die Kreuze die ich machen musste, trafen nicht die Kästchen, aber waren doch in der Nähe, so dass man wohl sehen konnte wo sie hinsollten. Es war mir sowas von egal, wie was wo aussah. Meine Hände zitterten, ja sie fingen sogar wieder an zu zucken, dabei fällt mir auf, dass ich das schon einige Zeit nicht mehr hatte. Vor mir hatte ich 5 Türen auf denen jeweils eine Zahl stand (natürlich von links nach rechts aufwärts gehend). Ich versuchte zu erraten, in welche ich wohl hinein sollte. Ja, es war eine davon, aber ich weiß nicht mehr welche. Aber was spielte das schon für eine Rolle? – Keine! Bevor ich mit meinem Ratespiel weitermachen konnte öffnete sich eine und ich ging wie ein Schwerstarbeiter mit nach vorne gebeugten Schultern in diese klitzekleine Kabine. Nun bekam ich noch gesagt, was ich nun tun solle, aber mein Gott, das wusste ich doch alles, habe ich in den letzten 2 ½ Jahren doch zur Genüge machen dürfen. Ich weiß nicht ob ich zu langsam war oder die – wie nennt man sie noch? – MTA zu schnell, auf jeden Fall rief sie mich herein ehe ich soweit war, weil ich mein Maskottchen erst noch mal an meine Lippen drückte und die Kette mit den Eheringen meiner Eltern noch nicht abgestreift hatte. Aber dann ging es doch schnell, weil ich es endlich hinter mich bringen wollte.

Ein hin und her gedrehe, noch ein wenig näher dran, den Kopf höher, noch höher und ich in dem Moment der perfekte Roboter, der allen Anweisungen wie mechanisch folgte. Zwei Aufnahmen von oben, zwei von der Seite, also jeweils zwei je Brust. Die operierte hatte tierisch wehgetan, nun ist eine Mammo sowieso nicht gerade angenehm aber die rechte hat mir bei den Aufnahmen so weh getan als hätte die Röntgenplatte einen Nagel der sich in meine Brust hinein bohrte. Ich gebe zu, ich habe ein wenig aufgestöhnt, aber es ging ja ziemlich schnell und so war es auszuhalten.

Danach sollte ich mit meinen Sachen, ohne mich anzuziehen in das Arztzimmer, weil der Arzt mich noch untersuchen wollte. Ich legte mir eine Jacke um weil ich fror. Ich kann nicht mehr sagen ob es dort so kalt war, oder ob es meine Angst war, aber ich fror. Der Arzt kam schon bald und rief mich ins Untersuchungszimmer. Ich sollte mich auf die Liege neben dem Ultraschallgerät setzen während er die Aufnahmen begutachtete. Auch in seinem Gesicht konnte ich nichts lesen, genauso wenig wie vorher bei dem Radiologen. Dann schüttelte er den Kopf und rief nach seiner MTA. Irgendetwas gefiel ihm wohl nicht an den Aufnahmen. Er sprach leise ich konnte nur einige Wortfetzen auffangen. ‚Nicht normal, dürfte nicht sein, irgendetwas dazwischen  usw.‘ und als mich die MTA dann bat nochmal mit ihr zu kommen war mir klar, dass etwas gefunden worden war. Nochmal Aufnahmen der rechten Brust, nochmal dieser zusätzliche stechende Schmerz, den ich nicht kannte und schon konnte ich wieder zu dem Arzt ins Sprechzimmer gehen. Es dauerte einige Minuten und die neuen Aufnahmen kamen. Kein Kommentar des Arztes, keine Frage von mir. Einfach nur eine sehr mich belastende Ruhe. Der Arzt begann meine Brust abzutasten, schien zufrieden. Anschließend die Bitte mich auf die Liege zu legen und er machte die Ultraschalluntersuchung. Außer der Kälte des Gels spürte ich nur die gleitende Bewegung des Ultraschallkopfes oder wie sich das nennt. War mir egal! Dann durfte ich mich wieder ankleiden und es kam das für mich mit Angst erwartete Gespräch. Ja, liebe Frau….., ich kann keinen neuen Krebsherd, keine Wucherungen oder sonstiges erkennen. Die Lymphknoten sind in Ordnung und auch der Ultraschall zeigt nichts Verdächtiges.  Nein im Gegenteil er war sehr zufrieden mit allem. Aber warum musste ich denn die Aufnahme wiederholen? Und dann kam der Part, an dem ich in ein fast hysterisches befreites Lachen ausbrach. Der Arzt fragte mich, wer mich operiert habe. Ich sagte es ihm und auch gleich dazu, dass dies einer der fähigsten Ärzte auf dieser Welt sei und ich nichts über ihn kommen lassen würde. Er lachte und meinte, das sei eine liebe – in Anführungszeichen – Aussage und er wolle auch nicht dagegen sprechen, aber die Assistenzärzte hätten eine kleine metallene Klammer in meiner Brust zurückgelassen. (Aha, deshalb auch der stechende Schmerz während der Aufnahme). ‚Gut‘ sagte ich ihm und fragte, ob ich sie sofort herausoperieren lassen müsse, worauf er mich beruhigend und Mut machend ansah, den Kopf schüttelte und sagte, das dies nicht nötig sei, es würde nichts passieren können. Anders wäre es wenn ich Beschwerden hätte, einen Druck oder zwischendurch mal einen stechenden Schmerz hätte – aber das hatte ich nicht. Nun setzte mein fast hysterisches Lachen ein und ich fragte ihn, ob ich denn damit durch die Kontrollen am Flughafen käme ohne Ärger zu bekommen (dabei fliege ich sowieso nicht mehr, einmal und nie wieder). Er lachte auch und verneinte dies fast ernsthaft. Zum zweiten Mal an diesem Tag nahm ich einen mir wildfremden Mann spontan in den Arm und verabschiedete mich dann, um wie auf Wolke 7 die Praxis zu verlassen.

Nun aber war es Zeit, ich musste in die Cafeteria, einen Ort an dem ich in Ruhe und mit ruhigem Gewissen eine Zigarette genießen durfte. Erst mal, zapfte ich mir einen Kaffee – hört sich blöde an, ich weiß, aber es ist dort so. Man betätigt einen von 4 Hebeln und schon läuft der Kaffee und wenn man dann noch eine Tasse drunter stehen hat, ist alles OK. Nein, nein falsch gedacht, ich hatte eine Tasse drunter stehen. Hunger hatte ich keinen so ging ich an dem kalten Buffet vorbei, stracks auf die Kasse zu. Doch bevor ich dort ankam wurde mein Blick von einem Regal  in einem Kühlschrank angezogen, dort standen unter anderen Piccolöchen und ich nahm mir wild entschlossen ohne auf die frühe Nachmittagszeit zu achten ein (oder heißt es einen) Piccolo heraus, dem Anlass gebührend mit einem Sektglas. An der Kasse angekommen kam ich mir so richtig verrucht vor und sagte mehr oder weniger belustigt zu dem Kassierer; ‚Ist das nicht verrückt zum Kaffee einen Piccolo anstatt ein Stück Kuchen?‘ Er zuckte nur mit den Schultern und ich versuchte noch erklärend hinzuzufügen ich hätte ein wiedergeschenktes Leben  zu feiern. Ehrlich gesagt, ich machte mir richtiggehend Vorwürfe – nicht wegen dem Piccolo, sondern weil ich versucht hatte mich dafür so quasi zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Nein ich wollte irgendwie feiern – ich war allein in der Klinik, war Krebsfrei in den Bereichen die untersucht worden waren und hatte einfach das Recht darauf anzustoßen. Die Raucherecke ist dort ziemlich klein vielleicht acht oder zehn kleine Tische. Ich zog mich in die hinterste Ecke zurück, vielleicht fand ich es tief im Innersten doch nicht so prickelnd am frühen Nachmittag einen Piccolo zu trinken, oder weil ich, falls ich nochmal einen Weinkrampf vor Erleichterung bekam nicht so im Mittelpunkt sitzen wollte. Mir lief die ein oder andere Freudenträne die Wangen runter, aber es war kein Weinen wie vorher auf der Toilette, nein ich glaube ich lächelte dabei. Irgendwann, ich hatte noch nicht einmal einen Schluck getrunken, weder Kaffee noch Sekt, kam ich in die Wirklichkeit zurück und sah doch tatsächlich an den Tischen in der Raucherecke bis auf mich und einem älteren Herrn nur Ärzte, Schwestern und Pfleger sitzen. Sie qualmten noch schneller und mehr als ich – denke mal sie haben nachgeholt oder vorgeraucht (lächel, wie auch immer, ich war in guter Gesellschaft). Dann rief ich zu Hause an und hatte Glück, mein Mann war bei keinem Kunden und konnte mich abholen. Ich fühlte mich wie im 7. Himmel. Krebsfrei zumindest was die Untersuchungen betraf. Natürlich hat mich das ganze sehr angestrengt und endlich zu hause fiel die ganze Anspannung von mir ab und ich habe mich auch bald hinlegen müssen, denn erst hier fiel mir auf wie anstrengend der Tag für mich war…

Morgen schreibe ich über den Nierentest, aber da gibt es nur wenig zu schreiben und dann habe ich erst mal bis Anfang Juni Ruhe. Was ich noch schreiben muss, ist das Dilemma wegen meiner Reha, aber das kommt auch erst morgen. Ich bin jetzt so richtig müde und möchte eigentlich nur noch schlafen. Na ja, erst werde ich mal wieder ein kurzes Spielchen zur Entspannung machen, weil – 1 Uhr 10 morgens ist ja nicht die Zeit für mich, wo ich mich hinlege und wegschlafe…

 

Herzliche Grüße Elke  

 

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(dort befindet sich auch die Blogliste des laufenden Monats)

 

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3 Antworten

  1. Brigittas

    Liebe Elke….
    …ich freue mich für dich…das dieser Montag für dich zu einem positiven Erlebnis wurde…das Glaserl Sekt,
    hast du dir wahrlich verdient.Selbst kann ich nur erahnen,welche Hölle man in solchen Zeiten durchlebt.
    Meine Schwägerin durchlebt zurzeit die gleiche Hölle…man fühlt sich so hilflos…
    Wünsch dir noch einen schönen Sonntag und grüße dich ganz lieb…Brigitta
     
     

    25. Mai 2008 um 10:39

  2. Mon

    Liebe Elke,
    den Sekt hast du verdient, – und es ist nie zu früh auf die Gesundheit anzustoßen. Prost und mögen noch viele Glückstage für dich kommen.
    Monré.
    Wie du siehst, habe ich meinen Space neu gestaltet. Ich würde mich freuen, wenn du wieder mit an Bord kommst.
    Monré

    24. Mai 2008 um 18:59

  3. Mon

    Liebe Elke,
    den Sekt hast du verdient, – und es ist nie zu früh auf die Gesundheit anzustoßen. Prost und mögen noch viele Glückstage für dich kommen.
    Monré.
    Wie du siehst, habe ich meinen Space neu gestaltet. Ich würde mich freuen, wenn du wieder mit an Bord kommst.
    Monré

    24. Mai 2008 um 18:58

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