Tränen und Glück finden sich in der Stille…

„So lange ich atme, lebe ich“…

 
 
 
 
 
 

"Solange ich atme, lebe ich". Das ging mir vor einigen Tagen so durch den Kopf, Gedanken hinter denen ich stand, die mich aber seit gestern irgendwie beschäftigen. Heute bin ich eher geneigt zu sagen; ‚Solange ich atmen muss, solange darf ich nicht sterben‘.  Es mag sich dem Ein oder Anderen als Haarspalterei darbieten, aber nein, je länger ich darüber nachdenke umso größer wird der Unterschied sichtbar, nein spürbar. Denn heute in der Zeit wo ich ganz offen über Euthanasie nachdenke und mich auch im Gegensatz zu früher traue darüber zu reden wird mir klar, dass wenn es irgendjemand möchte (ein Verwandter, ein Freund oder ein Arzt) mir das Atmen über die Zeit des Lebens hinaus erhalten wird. Ich in mir selbst bin gestorben, habe mit dem irdischen Leben abgeschlossen mich vorbereitet auf die Ewigkeit will gehen, wünsche, dass man mich gehen lässt, aber Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern und Freunde wollen mich nicht gehen lassen, lassen mich weiter atmen ohne das ich wirklich lebe. Es gibt ihnen ein „Gutes Gefühl“ wenn sie sehen wie mein Brustkorb sich ausweitet und wieder in sich zusammenfällt. Sie sehen diese Bewegung und klammern sich an die Vorstellung ich lebe noch. Doch diese Bewegung kommt nicht von mir, sie kommt einer Vergewaltigung gleich, geschaffen durch eine Maschine und zögert mein vollkommenes Sterben hinaus, lässt es zur Qual werden. Ich selber habe mich lange mit dem Tod auseinander gesetzt, mich mit ihm angefreundet und ihn angenommen als etwas, dass mich begleitet auf dem Weg zur Ewigkeit, etwas dass dazugehört wie meine Geburt – ich bin bereit loszulassen, ja erleichtert endlich die Ruhe in mir gefunden zu haben, doch sie können mich nicht loslassen und nehmen mir den Frieden meines Sterbens. Sie wollen nicht begreifen, was sie begreifen werden wenn ihre Zeit gekommen ist. Auch ich habe mich sehr schwer getan mit dem Gedanken, als man bei meiner Mutter die Lungenmaschine abstellte, ich bettelte die Ärzte an ihr noch eine Chance zu geben wieder ins Leben zurückzukommen. Heute weiß ich, dass sie es richtig gemacht haben – dass sie meiner Mutter geholfen haben endlich ihren Weg in Würde und Frieden fortzusetzen.

© by Elke/E/L.2008

 

Herzliche Grüße Elke

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4 Antworten

  1. Elke

    Liebe Monré,
    genau so habe ich es gemeint. Dadurch, das mein Vater in einem Seniorenwohnheim gewohnt hat, dass unmittelbar neben dem Pflegeheim lag und ich, wenn ich täglich zu ihm ging durch dieses Pflegeheim ging, weil es erstens der kürzeste Weg war, und ich zweitens immer erst dort in der Cafeteria nach meinem Vater sah, der öfters dort einen Kaffee trank, habe ich so viele alte und kranke Menschen gesehen und gesprochen. Keiner dieser Menschen schien mir so richtig glücklich. Einige sprachen mich an, in fast kindlicher Art und fragten mich, ob ich sie nicht auch mal besuchen könnte, sie bekämen nie Besuch, wären alleine. In den Zimmern, die meistens offen standen hörte man immer wieder dass Rufen der alten Menschen nach der Schwester, oder hörte sie weinen vor Einsamkeit und Schmerzen. Es hat mich sehr traurig gemacht und ich habe mir geschworen, meinen Vater nie in ein Pflegeheim zu geben. Die Krönung war, als ich mit meinem Vater zusammen in der Cafeteria dort saß ein lautes Gespräch am Nebentisch. Ein Mann so um die 50 Jahre schrie förmlich seine Mutter, eine alte Frau mit anfangender Demensis an; wie undankbar sie sei, ob sie denn nicht wisse wie teuer dieses Pflegeheim war und das nicht jeder Sohn soviel Geld bezahlen würde und schließlich käme er doch jeden Monat um sie zu besuchen. Ich fand es erschreckend in dem Moment von Geld zu reden und 1 Mal im Monat, was ist das für einen alten einsamen Menschen? Nichts! Es ist mir auch aufgefallen, das gerade die, die nie oder nur selten besucht wurden auch weniger Zuwendung von dem Plegepersonal bekamen. Wahrscheinlich deshalb, weil das Pflegepersonal sich dachte, dass die vereinsamten Menschen sich eh bei Niemanden beschweren konnten. Es war traurig, wenn mich die Leute an den Händen festhielten und mich baten, sie doch mal in ihrem Rollstuhl hochzuziehen, weil sie so unbequem saßen. 2 mal die Woche habe ich mir die Zeit genommen und mich zu den Menschen gesetzt und ihnen zugehört. Es war sehr interessant, was sie aus ihrem Leben erzählten und es war schön zu sehen wie ihre Augen vor Freude glänzten, wenn ich ihnen ein wenig meiner Zeit schenkte. Andere von ihnen hatten große Schmerzen bekamen aber anstelle von richtiger Hilfe nur starke Medikamente, sie wurde "Ruhig gestellt", konnten sich nicht mehr unterhalten, sprachen unverständliche Worte vor sich hin. Aus manchen Zimern hörte man Schmerzensschreie, auf die das Personal aber nicht reagierte. Sicher, sie haben nicht die Zeit dafür, aber es war für mich einfach unmenschlich ja unwürdig. Das hätte ich meinem Vater nie zugemutet. Bevor ich ihn in das Altenheim gegeben hätte, hätte ich ihn zu mir nach hause geholt. Es gibt so viel unmenschliches und es wird immer mehr, weil Fachkräfte reduziert werden und die Anzahl der Plegebedürftigen drastisch zugenommen hat und zukünftig noch viel mehr zunehmen wird. Es ist für die meisten Menschen sehr traurig alt zu werden.Leider…
    Herzliche Grüße Elke

    28. Mai 2008 um 01:36

  2. Mon

    Liebe Elke,
    jeder Mensch sollte sich mit diesem Thema aueinandersetzen, – der Tod gehört zum Leben. Nicht verdrängen um jeden Preis. Früh schon schriftlich festlegen, wie weit die Ärzte gehen DÜRFEN um mein Leben zu erhalten. Medizinisch ist vieles machbar, – aber ob es immer sinnvoll ist…
    Ich hasse es, wenn man alte und kranke Menschen nicht in Ruhe und Würde sterben lässt. Sie werden an Maschinen angeschlossen, ob sie wollen oder nicht. Sie haben Angst vor der fremden Krankenhausumgebung. Für liebevolle Zuwendung, ist dort wenig Zeit, weil Pfleger und Schwestern für Schreibkram heute mehr Zeit brauchen, und diese fehlt dann bei der Pflege.
    Früher in den Großfamilien konnte man sich um Vater, Mutter und die Großeltern kümmern. In unserer Gesellschaft ist das heute fast nicht mehr möglich.
    Die Menschen werden immer älter, – und damit wird auch die Anzahl an demenzkranke Menschen höher.
    Zur Zeit bin ich fast täglich in einem Seniorenpflegeheim, – und manches ist doch sehr bedrückend.
    Gut, es gibt auch dort ganz schön fidele und mobile Senioren, und ich freu mich immer mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Aber viele alte Menschen sitzen nur noch apathisch im Rollstuhl, ihre Augen sind so müde, – es macht dich traurig diese Gesichter zu sehen. Selten kommt ein Angehöriger vorbei, – oder sie sind nur noch allein übriggeblieben…
    Aber schlimmer ist noch, wenn alte Menschen vor Schmerz weinen….nein alt werden ist nicht immer erstrebenswert.
    Aber aktive Sterbehilfe lehne ich ab. Ich bin der Meinung, die Ärzte und Angehörige, sollten loslassen und nicht einen Menschen zwingen zu leben, nur weil die heutige Medizin so großartige Möglichkeiten bietet.
    Liebe Grüße von Monré

    27. Mai 2008 um 15:25

  3. Elke

    Danke für Deine lieben Worte…
    sei lieb geknuddelt… HG RKR :-)

    26. Mai 2008 um 11:27

  4. raphaela

    Liebe Elke,
     
    was mich im Moment sehr freut ist das, dass du dir jetzt die Zeit nimmst über die Vergangenheit nach zu denken.
     
    Wenn man so krank war wie du , das Leben immer nur an einem seidenen Faden hing, sieht man zwar alles rund um sich aber man kann es nicht verarbeiten……du hast den richtigen Weg eingeschlagen……..mach weiter so
     
    du bist eine Frau vor der ich solch grossen Respekt und Achtunge habe…….bleib so wie du bist
     
    "kleine RKR"
     
    lg und einen schönen Tag noch
    raphaela

    26. Mai 2008 um 10:34

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