Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Alsooooo, Arzttermin 2.6… (KtgB)

 

silence

 

 

…natürlich habe ich den Arzttermin wahrgenommen, mit gemischten Gefühlen zwar, aber nichts desto Trotz, ich habe ihn wahrgenommen. Pünktlich, also gut 20 Minuten nach der vereinbarten Zeit, (höflich wie ich bin habe ich vorher angerufen, dass ich mich verspäten würde) traf ich bei meinem Kardiologen ein. Mein Gefühl war Zuversicht pur, ich glaubte aus der Praxis zu gehen mit dem Bescheid, dass ich die Tabletten nicht mehr nehmen brauchte, ja sogar felsenfest überzeugt, dass sich mein Herz regeneriert hatte. Aber ganz so sollte es denn doch nicht sein.

 Seltsam, sonst musste ich dort immer eine Weile warten, nur heute, ich denke mal weil ich zu spät kam durfte ich gleich in das EKG Zimmer. Die MTA kam auch gleich mit. Ich machte schon gewohnheitsgemäß meinen Oberkörper frei und legte mich auf die Liege, fertig zum „verdrahten“. Ich sollte laut der MTA erst ein normales EKG und danach ein Belastungs-EKG bekommen, was mich nun doch ein wenig stutzig machte. Ich mit meiner Luftnot auf das Fahrrad? Wie stellte sie sich das denn vor. Gerade wollte ich sie dahin gehend aufklären, dass dies wohl keine so gute Idee sei, da öffnete sich die Tür einen Spalt und der Arzt sagte zur MTA; ‚Bei Frau …… machen wir nur ein Ruhe-EKG‘. Es ging wie immer sehr schnell. Anschließend sollte ich mich anziehen und im Wartezimmer Platz nehmen bis man mich zum Arzt zitieren würde.

Da ich nun mal ein ziemlich bequemer Mensch bin, zog ich nur den Pullover über und faltete meine Unterwäsche zu einem kleinen Bündelchen zusammen und trottete zum Wartezimmer. Meine Tochter, die mich gefahren hat, sah mich erstaunt an. ‚Wie schon fertig‘? Ich musste lachen, wollte ihr auf meine umständliche Art, als so schön blümeriert erklären, das dies nur der Anfang gewesen sei, als sich schon die Tür öffnete und ich zum Arzt abgeholt wurde.

Nach einem freundlichen Hallo mit kurzem beiläufigen Händedruck legte ich meinen Pullover erneut ab und wieder ging es auf eine Liege gleich neben dem Ultraschallgerät. Nun allerdings staunte ich. Der Arzt wollte, dass ich mich auf die linke Seite drehte, das war neu für mich. Bisher lag ich immer auf dem Rücken und so wurde die Untersuchung durchgeführt, aber diesmal halt während ich auf der linken Seite lag. Nun gut anderer Arzt (sein Kollege hatte wohl Urlaub) andere Sitten. Was allerdings für mich als Mensch, der alles immer unter Kontrolle haben will, nicht besonders prickelnd, weil ich so den Monitor nicht sehen konnte. Egal, er verteilte das Gel auf den (ich weiß doch immer noch nicht wie das Ding heißt) Kopf des Gerätes, womit er mir dann die ganze Herzgegend untersuchte. Es ärgerte mich schon ein wenig, dass er gar nichts sagte, so konnte ich keine Schlüsse während der Untersuchung ziehen und das machte mich nervös oder besser gesagt, es machte mich regelrecht wütend. Wortlos reichte er mir dann einige Papiertücher um das Gel wegzuwischen und setzte sich an den Computer und tipselte darauf herum. Nachdenklich zog ich mich an, wusste nicht ob ich beunruhigt sein musste, weil er so beharrlich schwieg oder ob ich erleichtert sein sollte, konnte. Dann rollte er mit seinem Stuhl zu mir herüber – ich saß inzwischen auf dem kleinen Stühlchen der in diesem Raum stand – und fing an zu reden. (Ja, der Arzt konnte doch tatsächlich sprechen). Meine Anspannung war größer als sie während des Anschauens eines Krimis hätte sein können. ‚Tjjaa. Liebe Frau…… (es folgte eine kleine Kunstpause die mich fast in den Wahnsinn trieb) es sieht gut aus‘! (Weitere Pause). ‚Ihre linke Herzkammer hat sich seit dem letzten Jahr wieder ein wenig erholt, ich bin sehr zufrieden mit Ihnen‘ (klar ist ja auch ausschließlich mein Verdienst, lächel, weiß zwar nicht wieso, aber wenn er das sagt…) Um der Unterhaltung nun ein wenig Pep zu geben, sagte ich mehr fragend als bestimmend, also kann ich die Tabletten absetzen?! Er schüttelte bedächtig seinen Kopf, so in seiner ganz ruhigen Art, dreimal nach links und dreimal nach rechts bis seine Augen mich wieder anblickten und meinte ‚Nein‘!

Uppps, da hätte ich aber jetzt doch mit gerechnet. Und nun kam er ins Marathonreden. ‚Sehen sie Frau…… , Ihre linke Herzkammer schlägt immer noch um einiges zu schnell und das ist natürlich nicht gut, denn sie muss dadurch mehr arbeiten als ihre rechte Herzkammer. Dadurch ist der Verschleiß natürlich größer. Um diesen Verschleiß so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig die Tabletten weiter zu nehmen, weil sonst wegen der Mehrbelastung das Risiko eines Herzinfarktes erhöht ist, und das wollen Sie doch vermeiden oder‘?  Eine ausgesprochen überflüssige Frage, die mich doch ein wenig ärgerte. Nun meinte ich dann zu ihm, in den fast 2 Jahren in denen ich in ihre Praxis komme, habe ich heute zum 2. Mal gehört, das die Arbeit der linken Herzkammer besser geworden ist, aber ich muss immer noch die anfängliche Dosis der Tabletten nehmen! Kann man denn nicht vielleicht die Medikamentation um die Hälfte reduzieren?

Und nun folgte ein Satz von ihm den ich mir zu Hause sofort in großen Buchstaben aufschrieb und einrahmte!

***Ja natürlich können sie die Dosis reduzieren, nur ist es nicht ratsam im Augenblick***

Wenn das mal kein großes Wort ist von einem Facharzt. Als wenn ich nicht selber wüsste, dass ich die Dosis reduzieren könnte, und ich weiß bei Gott auch wie, nämlich in dem ich einfach eine halbe oder gar die ganze Tablette weglasse, ich bin doch ein kluges Kind. Ich musste richtig hart mit mir kämpfen um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen oder ihm ins Gesicht lachend meine Meinung zu diesem Satz zu sagen. Als ich dann im Rahmen des Gespräches meinte, das ich ab und an mal so einen Druck um den Brustkorb verspüren würde und auch mein linker Arm sich dann wie in einen Schraubstock gedreht anfühle, wurde er sofort hellhörig, obwohl ich ihm sagte, dass es nicht wirklich weh tun würde, halt unangenehm wäre und ich das eigentlich schon als Kind hin und wieder hatte. Ihn schien es irgendwie zu beunruhigen und er forderte mich auf, dass ich, wenn sich das Gefühl nochmal einstellte ich sofort ohne Anmeldung in die Praxis kommen sollte, er würde den Sprechstundenhilfen entsprechende Anweisung geben, mich sofort zu ihm zu lassen. Das wiederum beunruhigte mich, denn normalerweise musste man einen Termin hier mindestens zweieinhalb bis drei Monate im Voraus machen. Nickend verließ ich den Untersuchungsraum hörte noch wie er sagte ‚sie haben alles in allem einen guten Fortschritt gemacht‘. Diesen Satz wollte ich mir für meine Psyche einprägen. Den Arztbericht bekam ich auch gleich mit als ich den neuen Termin für Anfang Oktober bekam. Ich entrichtete wie immer meinen kleinen Obolus für die Kaffeekasse der Sprechstundenhilfen und verließ mit meiner Tochter die Praxis. Ich war sehr erleichtert, wenn mein Herz auch nie wieder wie neu werden würde, aber es wurde von mal zu mal besser.

Nun war Frühstück angesagt. Ich wollte meiner Tochter einen Gefallen tun, schon aus Dankbarkeit dass sie mich immer wenn sie Zeit hatte zu den Terminen fuhr und meistens auch dabei blieb und fragte ob wir uns in einem Cafe ein Frühstück leisten wollten. Die Antwort hätte ich mir denken können. Sie wollte lieber zu Mc Donald. Na gut, wenn ich dort zwar auch kein Frühstück mehr bekam, aber wenigstens einen, wenn auch nicht schmeckenden Kaffee. Ich staunte nicht schlecht, als ich bei oben genannter Gastronomiekette eine Cafeecke sah. Das gab es bei unserem Macces nicht. Also bestellte ich mir einen Milchkaffee und siehe da außer Kuchen bekam ich sogar noch ein Croissant. Meine Tochter holte sich natürlich ein Maxi-Menü. Anschließend fuhren wir auf dem Heimweg noch zu einem Supermarkt, weil meine Tochter für ihre Geburtstagsparty im Garten, oder besser gesagt Hof, noch einige Kleinigkeiten besorgen wollte. Ich liebe Herausforderungen und so beschloss ich mit hineinzugehen. Obwohl es nur einige Kleinigkeiten waren, die sie noch brauchte nahm ich einen Einkaufswagen mit, damit ich mich notfalls darauf stützen konnte, wenn meine Kräfte nach ließen. An der Kasse hatte ich dann mein höchsteigenes Highlight als ich mit meiner 1.FC Köln Scheckkarte bezahlte. Den Blick der Kassiererin werde ich im Leben nicht mehr vergessen. Sie dachte wohl, das sei keine echte Karte, hatte wohl noch nie davon gehört. Nachdem sie mich erst mal von oben bis unten musterte zog sie die Karte vorsichtig durch den Kartenleser, bat mich meine Pinnummer einzugeben und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als es wieder erwarten klappte. Es war zu schön.

Zu Hause angekommen, war ich zwar mächtig stolz auf mich, aber auch total erschöpft. Ich schaffte es gerade noch meine Schuhe auszuziehen, mir einen Kaffee zu holen und meinen Lappy anzuschmeißen. Eigentlich hatte ich vor mein KtgB noch um diesen Vormittag zu bereichern, aber das ging einfach nicht mehr. Ich nahm meine Medikamente, was ich morgens nicht getan hatte und legte mich hin. Aber es war ein schöner Tag gewesen, auch wenn ich den Rest verschlief. Heute bin ich immer noch im Erholungsstatus, aber es geht mir doch um einiges besser.

 

Herzliche Grüße Elke

 

PS: Habe noch etwas wichtiges vergessen zu erwähnen.Die Tabletten die ich für mein Herz nehmen muss, sind keine Betablocker wie ich bis jetzt angenommen hatte, deshalb fällt es mir auch leichter sie weiter zu nehmen.    

 

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(dort befindet sich auch die Blogliste des laufenden Monats)

 

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