Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Der Anruf… (KtgB)

 

 

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Eben habe ich den Anruf bekommen, den Anruf den ich eigentlich nie bekommen wollte und nun muss ich damit umgehen lernen, denn jetzt sind die 50% überschritten. Die 6. Frau unserer anfänglichen 11er Chemogruppe ist heute morgen um 4 Uhr 25 in einer Fachklinik für Onkologie gestorben. An Metastasen, die in der Klinik (in die ich Gott sei Dank nicht mehr muss) nicht erkannt worden sind. Es ist schrecklich, es tut weh, alles noch junge Frauen teilweise mit kleinen Kindern, die alle fröhlich lächelnd die Klinik als geheilt verlassen hatten.

Sowas darf doch nicht sein! Mittlerweile habe ich mich mit meiner Krankenkasse in Verbindung gesetzt und gefragt, ob es nicht eine Stelle gibt, wo man anregen kann, die bewusste Klinik einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und mir wurde gesagt, dass es für Kliniken genauso wie für Ärzte eine Ärztekammer, auch eine Kammer gäbe wo Kliniken gemeldet werden könnten, beziehungsweise man sich über Kliniken schlau machen könne. Bis zum heutigen Tag habe ich es immer verschoben, aber diese Woche werde ich etwas unternehmen. Ich weiß doch von anderen Brustzentren, dass die Sterberate um ein Vielfaches niedriger ist, wo ein Todesfall oder ernste Nachbehandlungskrankheiten einen Prozentsatz ausmachen der unter 10% liegt. Diese nicht ganz 10% setzen sich bei den verschieden Brustzentren aus Frauen und Männern bei denen eine Erkennung der Krankheit erst sehr spät statt fand oder Menschen deren Immunsystem nicht in Ordnung waren wozu vor allen Dingen ältere Patienten gehören zusammen. Auch habe ich noch nie gehört dass man einen Patienten gleich nach den Behandlungen als geheilt entlassen hatte. Wozu bitte muss man denn 5 Jahre behandelt werden, wenn die Klinik nach ein bis 1 ½ Jahren ihre Patienten als geheilt entlassen – da kann doch irgendetwas nicht stimmen?!

Im Laufe dieser Woche werde ich mich mal intensiver damit befassen. Das sollte eigentlich kein Problem sein. Worin ich ein Problem sehe sind die Ängste die uns Übriggebliebenen wieder eingeholt haben, mit denen wir uns das wievielte Mal auseinander setzen, und die wir wiederholt verarbeiten müssen. So etwas darf es einfach nicht geben. Eine etwas labilere Frau von unserer Chemogruppe, die mich auch heute morgen angerufen hat brach während des Gespräches in ein heftiges Weinen aus und fragte mich; ‚warum Elke, warum ich, ich bin doch noch jung, was soll mein Sohn ohne mich machen – was habe ich denn schlimmes getan, das ich so gestraft werde‘.

Ja das ist auch so ein Problem, viele Erkrankte versuchen eine Schuld bei sich, in ihrem bisherigen Leben zu suchen um sich erklären zu können warum gerade sie es getroffen hat. Es trifft Niemand schuld wenn man erkrankt, es gehört zum Leben dazu!  Es mag zutreffen, dass bei manchen die Erziehung schuld ist, andere wiederum sehen sich immer als Unglücksrabe und so gibt es noch viele Auslöser, die es einem schwer machen sich auf die Heilung zu konzentrieren.

Was mich persönlich betrifft bin ich jetzt an einen Punkt geraten, wo ich handeln muss. Es darf nicht sein, dass es eine Klinik gibt die den Ruf hat, dass man dort gut geholfen bekommt, weil über 90% der Patienten als geheilt entlassen werden, die aber, wo dann nicht mehr drüber gesprochen wird eine so hohe Rate an Sterbefällen hat. Nein – und wenn ich sonst nichts mehr in meinem Leben tun werde, aber hier hake ich nach!

 

Herzliche Grüße Elke

 

 

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3 Antworten

  1. Svenja

    Man sollte viel öfter für solche und ähnliche Sachen kämpfen, es müsste viel mehr alles public gemacht werden, aber es scheitert wohl daran, dass sich viele nicht trauen, Angst vor Konsequenzen haben oder nicht alleine den Weg bestreiten wollen, weil sich kein Helfer findet. Aber aus Angst sollte Mut werden. Dieser Satz, den ich von einer Organisation her kenne, ist seit einigen Wochen auch mehr denn je in meinem Kopf eingebrannt und erst kürzlich habe ich mir diesem Worte und Taten folgen lassen. Sie haben zwar nicht wirklich was bewirkt, aber für mich persönlich ein Portion mehr Selbstvertrauen und Mut gegeben. Ich wünsche Dir viel Kraft und hoffe, dass du was bewirken kannst. Werde dir die Daumen drücken!

    2. Juli 2008 um 17:07

  2. Sternchen

    Oh, liebe Elke, ich kann Dich sehr gut verstehen, doch das wird nicht leicht!
    Aber ich denke ,Du weist was da auf Dich zukommen kann, ich wünsche Dir Glück!!
    Liebe grüße Camina
     

    30. Juni 2008 um 15:48

  3. Andrea

    Liebe Elke,
    es tut weh das zu lesen, aber ich wünsche dir viel Kraft bei dem was du vor hast.
    Liebe Grüße und eine liebe Umarmung
    Andrea

    30. Juni 2008 um 09:28

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