Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Wie viel Druck kann ein Mensch… (KtgB)

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Wie viel Druck kann ein Mensch aushalten? Endlich waren meine chronischen Schmerzen, die ich seit Wochen über den ganzen Bauch- und Unterleibsbereich hatte, ohne irgendwelche Medikamente und von heute auf morgen so gut wie weg und ich war wieder ein Stückchen mehr glücklich. Wenn ich zum Ausgleich dafür auch immer müde bin und sich mein Tagesablauf erheblich verändert hat in der Form, dass ich kaum länger als 2 Stunden am Stück wach bin und sich die Wach zeit meistens in der Nacht beziehungsweise in den frühen Morgenstunden abspielt, doch damit kann ich einigermaßen gut leben, zumal ich überzeugt bin, dass sich das auch noch normalisieren  wird. Seit heute Mittag haben sie sich jedoch wieder eingestellt mit einem enormen Übelkeitsgefühl, so wie ich es normalerweise nicht kenne und einer Verdauung die leicht zum Durchfall tendiert. Nun habe ich noch den Fehler gemacht trotz dieser negativen Veränderung am frühen Nachmittag eine riesige Portion meines Lieblingsessen zu mir zu nehmen, was der Sache nicht wirklich dienlich war, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Schmerzen ja schon, so das dies nicht der Grund sein kann. Vielleicht liegt es diesmal wirklich im psychischen Bereich, denn ich habe mich am Sonntag sehr über eine ehemalige Freundin geärgert, mit der ich seit einer guten Weile keinen Kontakt mehr hatte. Über den Grund habe ich bereits schon mal geschrieben, deshalb hier nur kurz angedeutet. Sie war es die mir als ich erfuhr das ich Krebs habe kurz sagte, sie habe im Moment keine Zeit um mit mir zu reden, da das Wetter so schön sei wolle sie mit anderen zum Rheinpark um dort zu grillen, meine Nachricht würde ja nicht weglaufen. Sie hätte mir jeden anderen Grund nennen können aber nicht dass sie wegen dem schönen Wetter keine Zeit hat mit ihrer angeblich besten Freundin über solch ein Thema zu reden beziehungsweise mir zuhören zu können. Darauf hin habe ich die Beziehung sofort abgebrochen, die sowieso im Nachhinein betrachtet nur daraus bestand, dass sie mich Nächtelang anrief, damit ich ihr half mit dem Mann den sie liebte zusammen zu kommen. Das habe ich dann auch geschafft und ab da meldete sie sich kaum noch. Egal! Vor ein paar Tagen meldete sie sich dann wieder bei mir fragte beiläufig wie es mir ging – und als ich zu einer Antwort ansetzte gleich das Thema änderte, in dem sie mir sagte sie sei nicht mehr mit ihrer Liebe zusammen, es hätte nicht gepasst (nach 3 Jahren) und er habe die Beziehung beendet. Ich war mal wieder diejenige die zuhörte, wie immer. Ich weiß ja, dass sie durch und durch ich! bezogen ist und somit regte es mich nur bedingt auf bis am Sonntag. Sie textete mich mit einem allgemeinem Blabla an und kam aber bald auf das ihr wichtige Thema zu sprechen. Sie wollte wieder mit ihrem Exfreund zusammenkommen und da dieser zurzeit mehr auf mich hören würde, solle ich ihn anrufen und mit ihm sprechen. Sie verlangte sogar, dass ich ihn bei seiner Mutter anrufen solle falls er nicht zu hause sei. Ich habe ihr klar gesagt, ich werde keinen Dritten da mit hineinziehen, und wenn ich es überhaupt tun würde, dann mit Sicherheit nicht sofort, weil ich mich auf das Gespräch vorbereiten müsse. Daraufhin kam folgender Satz (den muss man sich auf der Zunge zergehen lassen;

‚Danke Elke, ich sehe schon, dass du nicht willst sonst wäre es schon erledigt, aber trotzdem danke‘ und sie stieg ohne ein weiteres Wort aus unserer Unterhaltung aus. Erst mal war ich sprachlos, aber dann schrieb ich ihr doch einige Zeilen in der Form sie sei ein verwöhntes Gör das handelte wie ein kleines Kind ‚will haben und sofort, sonst spreche ich mit Dir nicht mehr‘ und ‚dass ich nicht ihr Lakai sei und sie ruhig schmollen könne, aber doch bitte auch erwachsen werden solle‘! (Rein von den Jahren her ist sie mehr als Erwachsen)

Nun ist sie erst mal seit vergangenem Montag für 2 Wochen in Urlaub. Natürlich habe ich den Freund versucht anzurufen, aber bis jetzt nicht erreicht. Ich weiß auch nicht ob ich, wenn ich ihn erreiche, ihm von ihrem Anliegen berichte. Ich bin mit ihm gut befreundet und er hat auch immer mal bei mir angerufen um sich nach meinem Krankheitsstand zu erkundigen, hat mir angeboten mich mit dem Auto abzuholen und mit mir irgendwo zum Kaffe oder zum Essen zu fahren, wobei er noch betonte, da ich mich ja nicht im voraus festlegen könne, es reiche wenn ich ihn kurz vorher anrufen würde, er könnte das immer einrichten. Morgen, nein ich muss ja sagen heute Abend werde ich ihn nochmal anrufen denn ich unterhalte mich gerne mit ihm. Er ist nicht dumm und auch in keinster Weise oberflächlich – ich genieße unsere Unterhaltungen immer sehr, sie fordern meinen Geist. Wir haben schon manche gute, intelligente und tiefgreifende Gespräche über Gott und die Welt geführt. Er ist ein warmherziger Mensch der allerdings wie jeder andere auch seine Fehler hat. Eigentlich sind wir uns ziemlich ähnlich.

Nun, mittlerweile habe ich auch das Gespräch mit meiner Exfreundin verdaut und kann ein wenig darüber lächeln. Sie wird wohl nie erwachsen werden und mit ihrem Egoismus ist sie schon so lange vereint, den wird sie in diesem Leben nicht mehr ablegen können.

Ein anderes Thema, welches mich mehr beschäftigt und aufwühlt. Meine um 8 Jahre jüngere Schwester hat mich seit dem ich krank bin ja nicht einmal besucht, weder im Krankenhaus noch zu Hause, was mir sehr weh getan hat, zumal sie nur gerade mal 5 Minuten von mir entfernt wohnt. Das erste was ich nach meinem längeren Klinikaufenthalt am Telefon von ihr zu hören bekam waren Vorwürfe, das ich in der Klinik nie ans Telefon gegangen bin und auch auf Handyanrufe nicht reagiert hätte. Hallo, soll ich wegen ihren Anrufen auf dem Zimmer bleiben oder mein Handy auf laut stellen. Sie hat von zu Hause aus auch nur 5 Minuten bis zu dieser Klinik und es nicht für nötig befunden ihre einzige Schwester mal in dieser für mich schweren Zeit zu besuchen. Weder bei der ersten, zweiten und erst recht nicht bei der 3. Operation. Nun ich dachte ich wäre darüber weg, weil ich sie auch immer irgendwie vor meinem Mann in Schutz nehmen wollte, der absolut den Kontakt abbrechen wollte und bei mir nur über sie schimpft – auch heute noch. Irgendwo muss ich ihm recht geben, denn als sie einmal im Krankenhaus lag, war ich fast jeden Tag bei ihr und als sie ihren 2. Schicksalsschlag hatte nämlich einen gebrochenen Fuß, habe ich für ihren Freund mitgekocht, ihr die Haare gemacht, sie herumgefahren und was noch so anfiel und ich hatte kleine Kinder, die sie nicht hatte und hat. Und ihr Lebenspartner hat nach dem Tod meines Vaters dafür gesorgt, dass wir uns auch nicht mehr gegenseitig besuchen. Früher kamen sie Weihnachten zu uns und wir gingen Karneval zu ihnen den Dienstagszug ansehen, den man von ihrem Balkon aus hautnah miterleben konnte. Bei schönem Wetter haben wir bei uns gegrillt und zu den Geburtstagen haben wir uns gegenseitig besucht. Gut mit all dem hatte ich in den letzten 3-4 Jahren abgeschlossen und übrig geblieben ist ein Anruf pro Woche, immer Sonntagsabend. Doch heute kam ein Anruf außer der Reihe. Peter, ihr Lebenspartner hatte am Sonntag einen Schlaganfall, wie sich heute bei einem Arztbesuch herausstellte. Das bösartige an einem Schlaganfall ist, wie es auch bei meinem Vater schon war, erst mal für den Betroffenen nicht unbedingt erkennbar. Bei meinem Vater hat es sich bemerkbar gemacht indem er mit seiner rechten Hand nichts mehr hochheben konnte, er etwas Schwierigkeiten beim Essen hatte und sein rechtes Bein ein wenig nachzog weil es ihm nicht mehr gehorchen wollte. Erst am nächsten Tag wurde ich von einem Zivi angerufen und fragte sofort bei der Hausärztin meines Vaters nach und sie stellte gleich die Diagnose Schlaganfall und ich sollte sofort mit ihm in die nächstgelegene Klinik fahren. Diese Verzögerung hatte dafür gesorgt, dass er letztendlich rechtsseitig gelähmt war. Gott sei Dank hat es sich später wieder einigermaßen gegeben, aber bis zu seinem Lebensende hatte er Schwierigkeiten beim Sprechen, Schreiben und gehen. Er hat alles neu erlernen müssen, aber er war ein sehr starker Mann, der kein Selbstmitleid kannte und hart an sich arbeitete.

Doch zurück zu meinem „Schwager“, er bemerkte wohl am Sonntag, dass er sein Bein etwas nachzog, maß dem aber keine großartige Bedeutung zu. Erst als es heute immer noch nicht besser wurde ging er zu einem Arzt, der die Diagnose stellte. Als meine Schwester mich anrief, war er wieder zu Hause und sie wollte ihn abends in die Klinik fahren. Ein Leichtsinn ohne gleichen – einen Schlaganfall muss man sofort behandeln lassen sonst werden die Schäden größer bis hin zum Tod. Das sagte ich ihr denn auch und bat sie doch mal an Papas Schlaganfall zu denken und sie solle Peter gleich anrufen und zur Klinik schicken. Ich weiß nicht ob sie es getan hat oder nicht. Sie wollte mir Bescheid geben, was nun geschieht und wie schwer der Schlaganfall sei, aber ich habe bis jetzt nichts mehr von ihr gehört. Es ist schon seltsam wie unterschiedlich Geschwister sein können, ich hätte mir sofort frei genommen und wäre mit ihm in die Klinik gefahren. Nun ja, jeder Mensch reagiert anders und mein „Schwager“ ist ja auch alt genug. Heute werde ich sie anrufen und mal fragen wie es ihm geht und was man alles für Beeinträchtigungen festgestellt hat.

Innerlich fühle ich mich total zerrissen. Er hat damals als ich meine Diagnose bekam mit den Worten reagiert; na ja, dann hat sie ja nicht mehr lange zu leben und wenn sie sich operieren lässt stirbt sie noch schneller. Das wüsste doch jeder – wenn mal an einem Krebsherd herum operiert würde, bekäme man Metastasen und damit sei Ende. Er führte nur Negativbeispiele an, die mir in diesem Moment sehr gut getan haben. Natürlich hat er mein Mitgefühl, aber irgendwie nicht mehr, als ich es für jeden anderen Menschen empfinden würde und das macht mir Angst. Schließlich kannte ich ihn schon vor meiner Schwester, wir waren zusammen im Schäferhundeverein – das muss jetzt ungefähr 26/27 Jahre her sein und wir hatten auch schöne Zeiten. Betroffen bin ich auch darüber, dass ich meiner Schwester jetzt nicht beistehen kann und auch nicht wirklich weiß ob ich es wollte – nein das stimmt so nicht, natürlich würde ich ihr gerne beistehen. Es kommt halt alles wieder von meiner schwersten Zeit in mir hoch, in der niemand von den Beiden wirklich an meinem Schicksal teilgenommen hat. Andererseits möchte ich für meine Schwester da sein, aber ich wüsste nicht wie? Das einzige was ich tun kann ist ihr zuhören und mir Zeit für sie zu nehmen. Natürlich wünsche ich meinem „Schwager“ dass es nur ein leichter Schlaganfall war und er in der Reha, wenn er so schlau ist und sie macht, wieder voll hergestellt wird und dass meine Schwester einigermaßen damit zurecht kommt, mehr kann ich im Moment auch nicht tun – selbst wenn ich wollte…

(C) by Elke/E.L.2008 

 

Herzliche Grüße Elke

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(dort befindet sich auch die Blogliste des laufenden Monats)

 

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6 Antworten

  1. Peter

    LIEBE ELKE AB HEUTE NENN ICH DICH MUTTER THRESA!!ANSONSTEN GEBE ICH STERNCHEN VOLLKOMMEN RECHT!!Peter

    12. Juli 2008 um 13:47

  2. Haya

    Ach liebe Elke, dass nimmt mich alles sehr mit. Wenn ich deine Schwester wäre, würde ich dich so oft es geht besuchen. Tut mir Leid. Aber ich kann dich gut verstehen, trotz allem liebt man seine Geschwister und tut alles für sie. Sag mal, wie ist das eigentlich bei dir? Liegst du nur ab und zu in der Klinik oder dauerhaft? Sorry für die evtl. dumme Frage, habe keine AHnung wie es abläuft bei deiner Erkrankung.
    Liebe Grüße und mit meinen Gedanken bin ich immer bei dir. Haya

    12. Juli 2008 um 01:51

  3. Elke

    Ja liebe Andrea,
    nachdem ich nachgedacht und nachgedacht habe, hat sich mein "ich" wieder durchgesetzt. Heute am frühen Nachmittag habe ich meine Schwester angerufen und nach Peter gefragt. Er liegt seit vergangener Nacht auf der Intensivstation, weil er bei dem Schlaganfall eine Gehirnblutung hatte. Vorraussichtlich für 2 Tage, danach kommt er auf die Station, wenn alles gut ist. Er soll auch gleich im Anschluß in Reha haben die Ärzte gesagt. Als er hörte dass er auf die Intensiv Station muss, hat er wohl bitterlich geweint (das erste Mal seit ich ihn kenne) und ich konnte mir nicht verkneifen zu sagen, jetzt muss er es am eigenen Leib erfahren, wie verloren und hilflos man in dieser Situation ist. Hat mir direkt wieder Leid getan, aber es ist nun mal so. Ja, ich werde für meinne Schwester da sein, ich kann nicht anders. Danke für Deine lieben Worte…
    ganz liebe Grüße Deine Elke

    12. Juli 2008 um 01:11

  4. Andrea

    die beste Familie taugt nix….
    kann aber verstehen wie hin und her gerissen du bist, in ähnlicher Weise geht es mir so mal wieder mit meinem Vater, immer bin ich diejenige die anruft wenn auch in etwas größeren Abständen und wenn es doch mal acht Wochen dazwischen sind, dann ruft er plötzlich an und macht mich runter das ich mich monatelang nicht melde :(, sehr witzig, er kann doch auch mal zwischendurch anrufen, ich hab ihm doch gesagt das ich trotz dem ganzen Schei….. der gewesen ist da bin für ihn wenn er reden möchte, ich kann nicht einfach den ganzen Schmerz den er mir zugefügt hat wegwischen und mich jeden Tag melden, ich muss dann gut drauf sein wenn ich anrufe damit ich nicht wieder in irgendwelche Löcher falle falls er wieder mit seiner, für mich verletzenden, Art anfängt mich dicht zu labern und versucht mich zu manipulieren. Ich denke ich habe zu viel Angst mich wieder hilflos zu fühlen und nicht gegen ihn anzukommen. Aber, ich bin ja brave Tochter und melde mich mal, aber er ist nicht liebevoller Vater der sich mal bei seiner Tochter meldet.
    Grrrrr, f**k wie ich das Hasse!
    So genug jetzt, ich hoffe das du einen Weg für dich findest der die Situation für dich erträglich macht.
    Ich umarme dich ganz doll *drück*
    Andrea 

    11. Juli 2008 um 16:43

  5. Elke

    Danke liebe Camina,
    aber es tut sehr, sehr weh. Sie ist meine kleine Schwester und wird
    es immer bleiben. Ich liebe sie, sie ist alles was von meiner Familie
    übrig geblieben ist und hätte ich meine eigene kleine Familie nicht,
    wäre ich gefühlsmäßig wohl der einsamste Mensch auf dieser Erde…
    Danke Dir für Deine Freundschaft…

    11. Juli 2008 um 09:59

  6. Sternchen

    Liebe Elke, Du bist ein sehr mitfühlender, einfühlsamer und Hilfsbereiter Mensch, aber das sollte nicht bis hin zur selbstaufgabe gehen, diese Menschen, auch wenn sie Dir nahe stehen, haben Dich mehr als gleichgültig und kühl behandelt in Deiner schweren Zeit! Du solltest jetzt an Dich denken, und nur an Dich und alles weitere in Gottes Hand legen, denn seine Mühlen malen langsam, aber gründlich und wenn die Zeit gekommen ist das diese Menschen,
    selbst erleben , wie es ist Leid ertragen zu müssen, kannst Du es bei aller liebe nicht ändern! Sei lieb gedrückt Camina

    11. Juli 2008 um 08:38

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