Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Das Märchen vom Schmetterling…

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Das Märchen vom Schmetterling

nach Hans Christian Andersen
frei nacherzählt von Inga Schnekenburger

Heute bin ich beim Durchstöbern einer Lyrikseite auf dieses Märchen von Hans Christian Andersen gestoßen und weil ich Märchen sehr liebe und bekennen muss, dass ich dieses noch nicht kannte, wollte ich es Euch hier vorstellen, in der Hoffnung gegen kein Urheberrecht zu verstoßen. Sollte dies doch der Fall sein, dann bitte um Bescheid. Ich werde es in dem Fall selbstverständlich sofort entfernen.

Es war einmal ein wunderschöner gelber Schmetterling, der wollte heiraten. Es war Juni und die Blumen im Garten waren alle von besonderem Reiz. Er flatterte durch den Garten und sah sich um. Zuerst besuchte er eine kleine strahlend blaue Blume. Der Schmetterling war von der Farbe fasziniert – das war kein gewöhnliches Blau! Es war das herrlichste Blau, das er je gesehen hatte, spielte ganz leicht ins Violette.
Aber der Schmetterling zögerte mit dem Heiratsantrag. Die Verwandtschaft war ihm zu groß – Hunderte von Schwestern, Tanten und Brüdern – nein , er wollte sich erst noch im Garten weiter umschauen. "Aber eine so schöne blaue Farbe sollte meine Braut schon haben" dachte der Schmetterling. Am nächsten Tag wollte er weitersuchen.

Der Schmetterling hatte keine Augen für die roten, gelben und rosafarbenen Blumen, er suchte eine blaue Blume. Allein sollte sie sein, nicht diese große Verwandtschaft haben wie das Männertreu-Blümchen! Da sah er am Rande des Gartens, umgeben vom Gräsern und Kräutern, eine blaue Blume.

Der Schmetterling umgaukelte sie und fragte: "Wie heißt Du?" – "Mein Name ist Iris" – "Du hast aber einen schönen Namen, Iris, aber Du bist wohl noch SEHR jung? Weißt Du, ich suche eine Blume zum Heiraten, ich finde dich wunderschön, aber Du bist zu jung für mich!" – Und der Schmetterling flatterte davon.

"Naja, dachte er, es muss ja nicht unbedingt eine blaue Blume sein. Aber sie müsste ein Alter haben, das zu mir passt." Und er flatterte im Garten herum auf der Suche nach einer gereiften Blumen-Dame.

Im Gemüsebeet des Gartens sah er sie: Sie war weiß und voll erblüht. Eine sehr schöne Erbsenblüte. Sie war bestimmt die richtige, nicht so ein junges Ding wie die Iris. Gerade wollte er sie fragen, ob sie ihn heiraten wolle, da sah er ihre Schwester. Die Schwester war ganz vertrocknet und hing an einer kleinen Erbsenschote wie ein Anhängsel.

"Guten Tag, schöne Frau. Ich finde Sie bewundernswert. Aber sagen Sie, Ihre Schwester sieht etwas merkwürdig aus." – "Ach, sagte die Erbsenblüte," Das ist bei uns Erbsen so, morgen sehe auch ich so aus, meine Schwester ist nur einen Tag älter als ich." O, das gefiel dem Schmetterling gar nicht! Er verabschiedete sich höflich und erzählte nichts vom Heiraten.

Traurig flatterte er durch den Garten. Eine gelbe Blume nickte ihm freundlich zu und lächelte ihn an, aber er hatte keine Augen für sie. Der Schmetterling war in Gedanken. "Also meine Braut darf keine zu große Verwandtschaft haben, soll nicht zu jung und nicht zu alt sein – ach, ich werde schon eine finden! Morgen suche ich weiter!"

Am nächsten Morgen, es war der achte Juni inzwischen, suchte er weiter nach einer Braut.

Die Farbe war ihm nicht mehr so wichtig, das Alter war ihm auch nicht mehr so wichtig, aber allein für sich haben wollte er sie schon. Auf dem Weg durch den Garten lächelte ihm wieder eine schöne gelbe Blume zu, aber er sah sie nicht, sie war klein und unscheinbar.

Der Schmetterling steuerte auf eine ganz besonders reizende rosafarbene Blume zu, umgaukelte sie und war sehr entzückt. Alles an der Blume gefiel ihm sehr. Er kam näher und sagte: "Du bist sehr schön. Ich möchte Dich fragen, ob Du mich heiraten willst!" Aber als er so ganz nah bei der Blume war, sah er eine kleine Tochter, die in der Blume war.

Die Blume sagte: "Das ist meine Tochter. Wenn Du mich heiratest, musst Du sie adoptieren und ihr ein guter Vater sein!" – "Aber das traue ich mir nicht zu!" sagte der Schmetterling – sei mir nicht böse, aber das ist mir zu viel Verantwortung!"

Und schnell flatterte er fort. "Morgen ist auch noch ein Tag" sagte er sich, morgen werde ich weitersuchen!"

Am nächsten Morgen, es war der neunte Juni inzwischen, suchte er weiter nach einer Braut. Die Farbe war ihm nicht mehr so wichtig, das Alter war ihm auch nicht mehr so wichtig, aber allein für sich haben wollte er sie schon.
Auf dem Weg durch den Garten lächelte ihm zum vierten Mal eine schöne gelbe Blume zu, aber er sah sie nicht, sie war klein und unscheinbar. Der Schmetterling steuerte auf eine ganz besonders reizende hellviolettfarbene Malvenblüte zu, umgaukelte sie und war sehr verliebt. Alles an der Blume gefiel ihm sehr.

Er kam näher und sagte: "Du bist sehr schön. Ich möchte Dich fragen, ob Du mich heiraten willst!" Die Blume sagte: "Das ist nicht möglich. Ich habe schon einen Bräutigam". Und als sie das gesagt hatte, brummte es in der Luft und es kam eine wunderschöne dunkle Biene herangeflogen. Die Malvenblüte freute sich sehr über den Besuch und die Biene wurde über und über mit Blütenstaub eingepudert und wurde fast so hellviolett wie die Blume.

Der Schmetterling sah das und wurde fast neidisch – "Ach, so eine Braut möchte ich auch haben, die auf mich wartet und mich freudig begrüßt, wie schön muss das sein." Und er fühlte sich einsam und flatterte fort. "Morgen ist auch noch ein Tag, da werde ich einen Ausflug machen und mir einen anderen Garten ansehen. Hier gibt es wohl keine Braut für mich."

Am nächsten Morgen, es war inzwischen der zehnte Juni, wollte er den Garten verlassen, um in die Stadt zu flattern. In der Nähe des Gartentores wuchs die kleine gelbe Blume. Sie war jetzt etwas größer geworden und viel schöner, sie war nämlich in den gelben Schmetterling verliebt.

Sie fasste allen Mut zusammen und fragte: "Willst du uns verlassen?" Dabei strömte sie einen zarten Duft aus und strahlte und lächelte ihn an. Aber der Schmetterling war in Reise-Stimmung und hatte keine Zeit. Er antwortete: "Ich fliege in die Stadt, hier gibt es wohl keine Braut für mich." Da wurde die kleine gelbe Blume ganz traurig.

Der Schmetterling machte in der Stadt beim ersten Haus Station. Einen Garten gab es nicht, aber so braune Kästen aus glattem Material, sie sollten wohl Erde vortäuschen. In dem Kasten wuchs eine Petunie. Sie war nicht zu alt und nicht zu jung, sie hatte keine Tochter und es war kein Bräutigam zu sehen, die Verwandtschaft war überschaubar. Und sie sah reizend aus. "Hat sich der Ausflug in die Stadt wohl doch gelohnt" frohlockte der Schmetterling.

Er fragte die Petunie: "Möchtest du mich heiraten?" – "Aber siehst du denn gar nicht, dass ich schon verheiratet bin?" fragte ihn die Petunie. "Hier, mein eiserner Gefährte, das ist mein Mann." – "Oh, diese Blumen sind wohl zu viel mit den Menschen zusammen, leben in kleinen Kästen statt in Erde und haben von Menschen gemachte Partner.

Und überhaupt – hier duftet es ja gar nicht!" Und da erinnerte er sich an die kleine gelbe Blume und plötzlich wurde ihm klar, dass sie ihn so freundlich angelächelt hatte und dass sie auf ihn warten würde. Ganz schnell verließ er die Stadt wieder und kam in den Garten zurück.

Und als er zum Garten kam, sah er die kleine gelbe Blume in der Nähe des Gartentores. Sie sah sehr traurig aus und ließ ihr kleines Köpfchen hängen. Der Schmetterling sah sie und fasste eine große Zuneigung zu der kleinen Blume. "Hallo, da bin ich wieder!" Und als die Blume ihn sah, blühte sie auf der Stelle auf, da wusste der Schmetterling, wie gern sie ihn hatte.

"Liebe kleine Blume, ich bin schon lange unterwegs, um eine Braut zu suchen, aber jetzt weiß ich, dass ich eigentlich nur dich heiraten möchte!" – "Ja", sagte die Blume, "ich habe schon lange auf dich gewartet, ich will dich auch gern heiraten!"

Und sie feierten Hochzeit, und die Gärtnerin, die gerade vorbeiging, fragte sich: "Ist das eine Blume, die aussieht wie ein Schmetterling oder ist das ein Schmetterling, der sich vervielfacht hat und aussieht wie eine Blume? Aber wir wissen es – es war die Hochzeit von dem gelben Schmetterling und der gelben Blume. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute!

 

Herzliche Grüße Elke

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Eine Antwort

  1. Svenja

    Oh, was für ein schönes Märchen. Das kannte ich auch noch nicht. Steckt viel Wahrheit drin!

    7. August 2008 um 23:28

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