Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Plauderstündchen… (KtgB)

                                                                   

und dann war da noch...

Bär schreibend

 

 

Heute möchte ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen erzählen, ein wenig über die neuesten Klinikerlebnisse, aber keine Angst nichts medizinisch wertvolles, sondern Randbemerkungen.

Also wie Ihr bereits wisst, gehe ich seit vergangenen Donnerstag jeden Tag – außer Wochenende für ein paar Stündchen in die Klinik (Ihr erinnert Euch… auf Tour „im Auftrag der Gesundheit“) So auch heute wieder. Wild entschlossen mit einem Buch unter dem Arm, eine Dose Cola in meinem „Nimm alles mit Beutelchen“ und der festen Vornahme mich nicht mehr zu langweilen während der Infusionszeit. Zielstrebig  raste ich auf die Anmeldung der Ambulanz zu und rief gutgelaunt schon einige Meter vor dem Anmeldefensterchen einen Guten Morgen durch den Flur.

FEHLER!

Alle dort wartenden Menschen sahen mich an als sei ich eine Außerirdische. Ihre Gesichter wirkten erbost, ängstlich oder unsicher und als ich dann so gut gelaunt meinen Gruß in den Raum schmetterte, sah ich nur Ablehnung. Na ja, ich suchte mir ja auch keinen Lebenspartner oder eine Freundin, also einfach ignorieren und auf zum Fensterchen; Hallo da bin ich, fast auf die Minute pünktlich (heißt bei mir immer eine Abweichung von 5-15 Minuten – natürlich nach hinten) und erntete ein Lächeln der Schwester die mich mit den Worten empfing; ‚wir haben ein Attentat auf sie vor‘. Gut sagte ich aber es muss kurz und schmerzlos sein. Antwort; ‚so schlimm ist es denn nun doch nicht, Dr. Lütz würde sie gerne noch sprechen, warten sie bitte noch einen Moment er hat gerade eine Patientin‘.

Ich setzte mich zu den anderen, die mich jetzt schon etwas freundlicher ansahen, denn ich kam ja nicht sofort dran – das war wohl ihre Befürchtung. Als dann aber die Tür zum Ambulanzraum aufging und ich hinein gebeten wurde änderte sich die Stimmung wieder schlagartig und ich hörte Schimpfereien wie; ich warte schon so lange oder ich bin ein Notfall und sitze schon 2 Stunden hier usw. Man war ich froh dieser Stimmung entfliehen zu können.

Der Arzt bat mich Platz zu nehmen – nun wurde es mir doch ein wenig anders, sofort dachte ich ‚schon wieder eine Komplikation‘. Ich sah den Arzt wie einen Gegner bei einem Duell an, warnend, ihn verunsichern wollend, ihm zeigen dass ich die Gewinnerin sein würde. Am liebsten hätte ich meinen Zeigefinger auf ihn gerichtet um ihn anschließend an den Mund zu führen und zu pusten – so wie ich es aus Westernfilmen kannte. Über die Vorstellung musste ich dann aber auch gleich wieder lachen und Dr. Lütz sah mich fragend und nicht verstehend an, ein selten (sorry) dummer Gesichtsausdruck, denn er konnte unmöglich darauf kommen weshalb ich so grinsen musste. Mein Gott ich hatte es geschafft einen Herrgott in weiß zu verunsichern. Lächel.“Mann von Welt“ aber lässt es nicht lange zu verunsichert zu wirken und so sagte er mir; ‚Frau… wir haben jetzt die Ergebnisse der Blutuntersuchung und festgestellt, dass sie unter einem gewissen Manko der weißen Blutplättchen leiden – wir nehmen an, das dies durch die Medikamente kommt. Wir haben nach reichlicher Überlegung beschlossen ihnen Vitamin B12 Spritzen einmal wöchentlich zu injizieren‘. OK meinte ich nur, soll ich gleich freimachen?! ‚Ja, aber haben sie keine Fragen dazu – sie hinterfragen doch sonst immer alles‘. Nein das war nicht nötig, das kannte ich schon von der Behandlung meines Vaters, hatte mich schon damals schlau gemacht, dass es sein muss in so einem Fall. Also zog er die Spritze auf nahm einen Anlauf mit der Hand und traf zielsicher meine rechte Pohälfte. Wäre auch ein Armutszeugnis gewesen, so eine spitze Nadel daran vorbei zu manövrieren. Lächel. Jesses, das tat denn aber doch ein wenig weh, aber da konnte Doc Lütz nichts für, denn ich habe ja zur Zeit kein Fettgewebe, nur Haut und Knochen. Er forderte mich auf, mich doch noch kurz zu setzen (er ist ein Sadist)! Das Sitzen war gar nicht prickelnd nach dieser Aktion, aber ein Indianer kennt keinen Schmerz, und wenn doch lässt er es sich nicht anmerken.

So sagte ich, und nun setze ich mich brav ins Eckchen um meine Infusion zu bekommen, oder? ‚Nein sagte er, das ist das Zweite was ich mit ihnen besprechen wollte. Wir haben hier so viele ambulante Fälle, dass wir den Raum brauchen. Wir würden sie gerne bitten in den Raum wo unsere Krebspatienten ihre Chemotherapie bekommen ihre Infusionen machen zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht für sie psychisch schwierig ist,  weil sie dann an ihre eigene Chemo erinnert werden‘?!

Doch da konnte ich ihn beruhigen, nein die Erinnerung war nicht als so schlimm in meinem Gehirn abgespeichert. Ja gut, es war eine schwere Zeit, aber absehbar und Lebensnotwendig und außerdem bereits so verblasst, wie die Geburtsschmerzen bei meinen Entbindungen und so trabte ich, nicht ohne vorher eine Tüte Plätzchen am Kiosk zu besorgen in Richtung Brustzentrum. Dort angekommen erfuhr ich, dass ich noch eine Stunde Zeit hätte – na toll!!! Also wieder rumgedreht und ab in die Cafeteria um in Ruhe ganz gemütlich eine Tasse Kaffe zu trinken. Ich versuchte mir vorzustellen, wie hier in der Klinik das Brustzentrum aussah und wie die Räume waren, in denen die Chemotherapien gemacht wurden, aber ich konnte es mir beim besten Willen nicht ausmalen.

Nach einer Weile, in der ich einfach meinen Gedanken nach ging, sah ich auf die Uhr und musste feststellen, dass ich wie gewohnt wieder mal ein paar Minuten überzogen hatte. (J na ja, ist halt mein Markenzeichen)

Im Brustzentrum angekommen wurde ich gleich in den Raum geführt, wo bereits 12 Frauen an ihren Chemoinfusionen angeschlossen waren. Sie sahen mich freundlich, aber auch ein wenig mitleidig an und während ich mich hinsetzte, sprachen sie mir Mut zu. Irgendwie konnte ich mir das nicht erklären – sie waren doch diejenigen, die eine Chemotherapie bekamen – ich kam in meinen Überlegungen einfach nicht so weit, dass sie mich als eine Neue von ihnen sahen. Das wurde mir aber sehr schnell bewusst, als eine Frau mir gegenüber meinte; ‚ich bin heute das 3. Mal hier, es ist gar nicht so schlimm wie man denkt. Und dann kamen von allen Seiten gute Ratschläge auf mich eingeprasselt wie ich mir das ganze erleichtern könne und ob ich schon eine Perücke habe, weil spätestens nach der zweiten Chemo die Haare ausfielen. Ja jetzt hatte ich begriffen. (Spätzünder) sie konnten ja nicht wissen, dass ich das schon hinter mir hatte und wegen einer anderen Infusion hier saß. Vorsichtig um sie nicht vor den Kopf zu stoßen, erklärte ich ihnen weshalb ich hier war und das ich die Chemobehandlung schon eine ganze Weile hinter mir hatte, sowie auch die Bestrahlungen und die Herzeptinbehandlung.

Nach einer Minute absolute Ruhe fragte mich die Frau zu meiner linken etwas über meine Erfahrungen mit der Krebsbehandlung doch ehe ich Antworten konnte prasselten nun von allen Seiten Fragen auf mich ein. Die Schwester erlöste mich dann, weil meine Infusionsflasche leer war, und entfernte mir die Kanüle aus dem Handgelenk. Mit einem frühlichen „Gute Besserung“ verließ ich den Raum und war froh nichts weiter erzählen zu müssen.

Morgen wird es eine andere Gruppe sein, da muss ich mir doch glatt etwas einfallen lassen, damit sie gleich Bescheid wissen, dass ich kein Chemopatient bin. Meine Plätzchen bin ich aber doch losgeworden, die haben die Frauen gerne angenommen. Das habe ich früher auch immer so gemacht, das ich etwas mitgebracht hatte zu meiner Chemotherapie, entweder etwas Süßes, Frikadellen oder mal Cola, aber wir kamen ja auch nicht täglich zusammen und wir waren eine eingefleischte Gruppe. Nun werde ich jeden Tag in eine neue Gruppe kommen, da werde ich das mit den Mitbringsels wohl lassen.

Von dem medizinischen will ich heute nichts schreiben, dass kann ich ja auch erst, wenn ich endlich begreife wofür es gut sein soll und was ich alles in der Infusion drin habe. Darüber will ich mir aber jetzt auch keine Gedanken machen nur soviel, als ich zu Hause ankam war ich geschlaucht. Es war ein anstrengender Tag und meine Luft sowie mein Kreislauf machten nicht immer so toll mit.

Als ich an meinen Lappy ging, hielt ich es gerade mal eine Stunde aus und dann legte ich mich hin, weil ich sonst wahrscheinlich über dem Tipseln eingeschlafen wäre – und wer weiß, vielleicht wäre ich dann mit meinem Gesicht vor Müdigkeit auf die Tastatur aufgeschlagen J. Gegen 20 Uhr bin ich dann aufgewacht, hatte ein kurzes Gespräch im Messi und sitze seitdem an diesem Eintrag, der hier aber auch abrupt aufhört, weil meine Augen immer wieder zufallen und ich doch sehr müde bin. Eigentlich möchte ich schon wissen was alles in der Infusion ist, aber ich zügel meine Neugierde (ach Quatsch ist doch nur Wissensdrang) und frage erst kommende Woche – vielleicht merke ich bis dahin ja eine Veränderung an meinem Gesundheitszustand…

© by Elke/E.L.2008

 

Herzliche Grüße Elke

 

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2 Antworten

  1. Elke

    Liebe Ewa-Janina,
    Vitamin B12 bekomme ich zusätzlich zu den täglichen Infusionen,
    von denen ich nicht weiss wofür sie sind. Hat irgend etwas mit
    meinen Entzündungen im Bauchbereich zu tun. Aber ich bin trotz
    allem zuversichtlich – vor allen Dingen kann ich ja jetzt als Insider
    den "Neuen" meine Tipps weitergeben. Dann komme ich mir s
    unheimlich wichtig vor… ich lach mich weg… :-)
    Danke Dir liebe Ewa für Deine Anteilnahme… wann bist Du denn
    noch mal im Messi?… geht es Dir denn mittlerweile besser?…
    Drück Dich lieb Elke

    2. September 2008 um 07:36

  2. Ewa-Janina

     Liebe Elke ,
     das ist ein Wunder auf die Erden , nur sprizen Vitamine B12 , hab ich doch gesagt , ALLES WIRD GUT !!!,
     so schöne Nachricht ist lieb zu Lesen – Glückwünsche , Liebe Elke du bist Starke – Kluge mit Mut Frau ,
     ich Bewundere Dich , wie klar und mit humor beschreibst du alles ,
     Beste Wunsche an Dich ,
    Ich drücke dich ganz Herzlich .
    Ewa  

    2. September 2008 um 05:34

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