Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Doch die Hoffnung… (KtgB)

 

 

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Deprimiert, Lustlos, ohne inneren Schwung habe ich mich heute auf den Weg zur Klinik gemacht. Trotz der Tatsache dass es heute das vorerst letzte Mal sein sollte, dass ich die Infusion bekommen sollte, wollte sich meine innere Anspannung, meine Depression nicht verflüchtigen. 5 Minuten Fahrt zehrte dieses bange Gefühl, welches wohl durch die depressive Phase der letzten 2 Tage in mir, in meiner Seele eingebrannt war an meinen Kräften. Was würde ich heute zu hören bekommen – wollte ich eigentlich etwas hören, oder wäre es mir lieber, dass die Schwester und der Arzt sich einfach mit freundlichen Worten von mir verabschiedeten. Ich konnte es in den wenigen Minuten nicht mit mir abklären und verfiel in eine Art Willenlosigkeit, ließ alles auf mich zukommen, ohne eine Regung zu verspüren – ich fühlte mich innerlich einfach nur tot und ausgebrannt.

Angst? Ja! Aber nicht vor dem was heute auf mich zukommen würde, sondern die Angst die unbestimmt war, die keinen ersichtlichen Grund hatte, die mich vor 2 Tagen urplötzlich überfallen hatte, die mich dazu trieb, mich zu hassen weil ich in ein Selbstmitleid herein geschliddert war, obwohl das nicht zu mir passte, nein das war ich nicht. Ich war mir fremd geworden, konnte und wollte mich nicht damit identifizieren. Noch nie hatte ich mich jemals in meinem Leben ernsthaft gefragt ‚wieso gerade ich‘?

Als ich durch die Eingangshalle in Richtung der Fahrstühle ging keimte urplötzlich in mir Wiederstand auf und an Stelle den Aufzugsknopf zur 3. Etage zu drücken, drückte ich auf Untergeschoß. Sollten sie doch warten, ich hatte es nicht eilig – eine Tasse Kaffe würde mir jetzt gut tun und überhaupt bestimmte immer noch ich über mich und sonst Niemand. Das Klinikcafe war um diese Uhrzeit eher wenig besucht und ich wählte mir einen kleinen Tisch in der Ecke von dem ich das ganze Cafe überblicken konnte aber auch eine schöne Aussicht auf die Parkanlage hatte. Durch eine Baumkrone strahlte die Sonne zu mir herüber, erwärmte mein Gesicht und ließ mich für ein paar Augenblicke vergessen wofür ich hier war. Es ist Herbst, es ist tatsächlich schon Herbst, denn das ein oder andere Blatt fiel wie in Zeitlupe auf die Erde und blieb dort reglos liegen. Meine Gedanken kreisten um das Blatt, es hatte ausgelebt für es war alles vorbei. Aufgeschreckt durch die Stimme der Kellnerin wurde ich unsanft in die Wirklichkeit zurückgeholt. Nachdem ich mir meinen Kaffee bestellt hatte musste ich plötzlich über mich lachen. Nun saß ich hier wie ein trotziges, kleines Kind und was sollte das ändern – nichts, es war einfach ein Bedürfnis dem ich nachgegeben hatte – es änderte nichts, aber es war trotzdem ein gutes Gefühl, warum auch immer. Auf einmal fühlte ich mich wieder wohl.

Auf der Station wurde ich freundlich empfangen und nachdem ich die Infusionsflasche angeschlossen bekommen hatte fragte mich Schwester Ursula ob ich einen Kaffe oder ein Wasser haben wollte. Wie immer entschied ich mich für einen Kaffee, von Wasser bekam ich ein Völlegefühl und einen unangenehmen Druck in der Magengegend, das brauchte ich nicht unbedingt. Nachdem ich ein paar Worte mit der Schwester und den anderen Patienten ausgetauscht hatte fiel mir ein, dass ich schon seit Ewigkeiten keine Zigarette mehr geraucht hatte und der Drang danach wurde immer größer und so meldete ich mich kurz ab und ging den Flur entlang bis zu dem Raucherraum. Ein kleiner Raum in dem man die Luft schneiden konnte, denn im ganzen Krankenhaus gab es seit dem neuen Nichtrauchergesetz nur 2 solcher Miniräume und entsprechend war der Andrang. Seltsam, obwohl ich eine sehr starke Raucherin bin, stört mich der Geruch von kaltem Rauch und kalter Asche ganz erheblich. Deshalb habe ich auch zu Hause in dem Raum in dem ich mich gerade aufhalte immer das Fenster auf – egal wie kalt es draußen war, denn wenn ich schon den Geruch nicht ausstehen konnte, dann mit Sicherheit auch meine Familie nicht – Gott sei Dank alle Nichtraucher – beziehungsweise mein Mann, seit Jahren ein nichtrauchender Exraucher, was das Rauchen für mich nun wirklich nicht einfacher machte.

Nach 2 Zigaretten mehr gepafft als geraucht, ging ich zurück in den Infusionsraum, nachdem ich den Lauf meiner Infusion wieder auf langsam gestellt hatte. Schwester Ursula lächelte mich an und fragte nur hat es geschmeckt und ich Antwortete ebenfalls lächelnd; ‚ja, allerdings hätte ich eine Tasse Kaffee mitnehmen sollen‘. So war Schwester Ursula, kaum hatte ich den Satz zu Ende gebracht, stand schon ein frischer Kaffe mit zwei Keksen neben mir auf dem kleinen Tischchen, dass neben jedem Sessel stand. Ja, die Patienten sollten sich ja wohl fühlen, also bequeme Ledersessel mit verstellbarer Rücken- und Armlehne, eine Nackenrolle bei Bedarf und das kleine runde Tischchen mit einem Durchmesser von vielleicht 35cm. Leise angenehme Musik im Hintergrund, gerade mal so laut, dass man sich noch gut unterhalten konnte. Eigentlich eine sehr angenehme Atmosphäre, wäre da nicht der Grund des Daseins gewesen – die Chemotherapie – im Normalfall.

Nachdem meine Infusionsflasche leer war bat ich Schwester Ursula doch den Arzt zu verständigen zu dem ich heute zum Abschluss nochmal hingehen sollte und wollte um zu besprechen was denn jetzt im Anschluss mit mir geplant war und was ich denn nun die 14 Tage bekommen hatte und wofür es gut sein sollte und ob sie schon ein Ergebnis vorliegen hätten. Fragen über Fragen, die mir im Kopf herumschwirrten und die ich nun endlich loswerden wollte. Was mich ganz besonders beschäftigte, mein momentaner Zustand, die Depression der letzten 1 ½ Tage, mein plötzliches Selbstmitleid, meine Veränderung zu einer ganz anderen Persönlichkeit, halt alles was mir in den letzten 2 Tagen unangenehm aufgestoßen war – womit ich nicht weiter Leben wollte – ich wollte wieder ich werden, wieder Elke sein, mit ihrer ganzen positiven Einstellung, ohne dieses unvernünftige Selbstmitleid ohne Depressionen.

Es dauerte eine ganze Weile ehe der Arzt dann kam und mich mitnahm in sein Besprechungszimmer. Ein fröhliches Lächeln im Gesicht und seiner sympathischen Art deutete er auf einen Stuhl der seinem gegenüber stand und bat mich Platz zu nehmen.

Das Gespräch das dann folgte war nicht ganz so zufriedenstellend wie ich es mir erhofft hatte. Das ganze lateinische Geschwafel von dem ich nicht ein Wort verstand und bei Nachfragen noch mehr lateinische Worte zu hören bekam. Nachdem ich ihn dann bat, das ganze nochmal in seiner und meiner Muttersprache an mich weiterzugeben, weil ich schon alles im Leben gemacht hätte – aber noch nie ein Medizinstudium, aber ich würde es nachholen, wenn er nur jetzt mit mir wie mit einem Normalsterblichen reden würde. Er lachte und begann nun mit einer für mich noch unverständlicheren Erklärung von wegen Allergietest, Hormonelle ‚noch was‘, Auswertungen, Blutwerte, Blutplättchen, Organe  und, und, und. Nun gut sagte ich, aber was haben die Auswertungen ergeben, welches Ergebnis, dass für mich relevant ist und was man nun mit mir als nächstes machen würde und ob es denn wenigstens einen Teilerfolg zu verzeichnen gäbe. So, und nun kam was ich von Anfang an befürchtet hatte. Nichts konnte er mir sagen, ich müsste mich noch ungefähr eine Woche gedulden, dann wären die Auswertungen abgeschlossen und dann würde mit meinem Internisten abgesprochen was weiter geschehen würde. Allerdings was meine Depression und mein erlebtes Selbstmitleid angehe, so könne er mich beruhigen, das käme von den Medikamenten, die in der Infusion gewesen seien und würden innerhalb der nächsten Tage von selber wieder weggehen, er habe sich gewundert, dass sie nicht früher aufgetreten wären, aber (schmus, schmus, schmus) ich wäre halt eine starke Persönlichkeit und (bla, bla, bla) mit meiner positiven Einstellung kein Problem, das hätte ich bald ganz und gar vergessen. Na danke, da war ich also genau so schlau wie vor dem Gespräch – na ja, außer das ich erleichtert war, dass meine Depression so quasi künstlich hergestellt worden ist. Aber ich habe mich doch gefragt ob da nicht auch Halogene in diesem Medikamentenmix beinhaltet waren, wie konnte sonst mein Bewusstsein so verändert worden sein? Nun ich werde meinen Internisten kommende Woche noch mal darauf ansprechen, denn das macht mir Angst, wenn man mich so mit Medikamenten verändern kann.

Ich kann nicht sagen wie es mir im Moment geht, ich fühle mich im Augenblick wie in einem Luftleeren Raum. Ein wenig Wut, Angst, Verloren sein, beherrschen im Moment meine Gedanken. Ein unwirkliches Gefühl einfach nicht erklärbar.

Depression? Ja, die ist noch da – etwas abgeschwächt wohl, aber sie ist noch da – wohingegen das Selbstmitleid Gott sei Dank ganz aus meinen Gedanken verschwunden ist. Langsam ist meine positive Einstellung wieder auf dem Vormarsch und ich merke schon wie sie in den Endspurt geht immer schneller und immer schneller wird und das ist ein schönes Gefühl.

Wochenende werde ich dann wohl wieder ich selbst sein und darauf freue ich mich wahnsinnig. Um es mal ein wenig flapsig zu sagen – ich freue mich auf mich!

 © by Elke/E.L. 2008

 

Herzliche Grüße Elke        

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5 Antworten

  1. Elisabeth

    Hallo lieb Elke,
    ich hoffe, dass Du Dich bald von den Infusionen erholst. Ich denke oft an Dich und bin traurig, dass es Dir nicht so gut geht. Lass den Kopf nicht hängen – denke daran, dass es Dir besser gehen wird, wenn Dein Körper den Mix aus Medikamenten verarbeitet hat. Ich schenke Dir meine Kraft …………………….
    Vielen Dank für Deine schönen und lieben Gästebucheinträge bei mir!
    Liebe Grüße
    Eli

    22. September 2008 um 20:32

  2. sascha

    Ich Danke Dir hier für Deinen Eintrag in mein Gästebuch. – Mal wieder hast Du einen atemberaubenden Blog geschrieben – auch wenn Deine Einträge fehlen, schaue ich bei Dir vorbei und wünsche Dir viel Kraft.

    13. September 2008 um 00:30

  3. guinevere

    hallo elke,
    ich kann mich ursas worten nur anschließen und mach dir keine gedanken wg gb-einträgen, die sind in so einer zeit nebensächlich….seh ich jedenfalls so…lächel!
    hab ein schönes entspanntes wochenende…liebe grüße, marina
     
     
     

    12. September 2008 um 17:40

  4. W i n d -

    WIR   freuen   UNS   auch auf   D I C H    …. viel Kraft wünsche ich Dir …. LG Ursa

    12. September 2008 um 12:16

  5. Sternchen

    Guten Morgen Liebes, schön das Du entlich mit dem Arzt geredet hast und es grklärt ist das die depresive Phase
    ein nebenprodukt des Coctail ist. Alles wird gut!!
    Soweit ich es verstanden habe ist auch etwas auf hormoneller Ebene getan worden, das führt in vielen Fällen
    zu Depressionen…. Sei lieb gegrüßt Camina

    12. September 2008 um 09:00

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