Tränen und Glück finden sich in der Stille…

…seit vergangenem Do… (KtgB)

 
 
 
 
 
 

 

… seit vergangenem Donnerstagnachmittag sitze ich vor meinem Lappy und bekomme nichts Gescheites auf’s ‚Papier‘ gebracht. Ich habe mir soviel von dem Tag versprochen und wurde wieder mal enttäuscht.

Mein Internist (ein Freund von mir) konnte mir (oh wie schön und aufregend) mitteilen, dass die ganze Infusionstherapie für die Katz war. Soll heißen, dass wir wohl auf meinen Blutzuckergehalt aufpassen sollten, weil leicht erhöht, aber nicht besorgniserregend, fast normal, und auf meine Bauspeicheldrüse, die wohl nicht akut entzündet, aber doch vernarbt ist. Bitteschön – was soll das? Das ist nichts Neues. Was vielleicht neu sein könnte, für Neueinsteiger, das gewisse Medikamenten-Cocktails die Bauchspeicheldrüse, die Leber, den Magen, das Herz und die Nieren angreifen und sogar auf das zentrale Nervensystem übergreifen können. Aber bitteschön, darunter leide ich doch schon seit dem ich „geheilt wurde“!

Ich mag nicht in Selbstmitleid zerfließen, aber manchmal laufen mir doch die Tränen und ich denke mir, warum habe ich nicht früher das Denken angefangen und mich für manche Therapien gesperrt – Ärzte sind keine Herrgötter!!!

Ich unterstelle keinem, dass er sowas einem Menschen, „einem Patienten“ bewusst antut, aber sie gehen nach Schema „F“ vor. Was irgendwann mal als „GUT“ befunden wurde wird einfach immer wieder angewandt, obwohl die Wissenschaft heute viel weiter ist.

Meiner Frauenärztin habe ich gesagt, dass die Antikrebstabletten (einfach nur Hormone, angeblich) mich blind machen (ich sollte sie 3 Jahre nehmen) und ich nicht gewillt bin sie weiter zu nehmen, und ich bekam sofort von ihr ein anderes  Präparat. Gut so, eine tolle Ärztin! Dachte ich zumindest!!!  Nun habe ich aber was Sachen besorgen, und darunter gehören auch meine Medikamente, so meine Schwierigkeiten. Ich könnte die Rezepte nur mit einem Taxi abholen und müsste mich für eine Minute Praxis total stylen und sehen, ob ich rein Lufttechnisch zu diesem Zeitpunkt auch in der Lage bin. Also bestelle ich alle Medikamente so, dass ich meine Tochter bitten kann die einzelnen Ärzte an einem Tag abzufahren und mir die Rezepte dort zu besorgen und bei der Apotheke abzuholen. So nun auch bei meiner Gynäkologin obwohl ich noch eine angebrochene Schachtel zu Hause hatte. Prompt ruft mich meine Tochter an und meinte man hätte zu ihr gesagt, das Medikament würde 700 Euro kosten und ich müsste doch noch welche zu Hause haben. Also, da bin ich doch an die Decke gegangen. Erstens glaube ich nicht, dass ein Hormonpräparat (30 Tabletten) 700 € kosten und zweitens ist es mir wurscht, dafür habe ich mein Leben lang eingezahlt, es steht mir als kranker Mensch zu. Sie schenken es mir ja nicht, ich habe mein Leben lang gearbeitet und fleißig eingezahlt und nun bin ich bei meinem Mann mitversichert… was soll das?

Ich habe dann ganz, ganz schnell (bevor meine Wut verfliegen konnte) die Praxis angerufen und mal so ganz „lieb“ gefragt, ob sie glauben, dass ich mit diesen Tabletten dealen würde, so eine große Nachfrage gäbe es dafür nicht und was das solle von Preisen zu reden, dass es mich nun wirklich nicht interessiert was das Medikament kostet. Es kam ein entschuldigendes Gestotter von wegen, ja ich hätte ja wohl noch so ca. 10 Tabletten und es sei halt so teuer und die Frau Dr. hätte nur ein gewisses Budget pro Monat und bla, bla, bla. Mit jedem Wort der Sprechstundenhilfe wuchs mein Zorn. Die Medikamente greifen meine gesamten Organe an, ich nehme sie nur sehr wiederwillig und muss mir so einen Mist anhören. Danke „NEIN“ nicht mit mir. Also ich weiter in Rage, sie unterbrochen und ihr gesagt; ‚ach wissen sie, lassen sie es, ich werde meine Krankenkasse anrufen und sie bitten mir ein Erlaubnisschein für mein Medikament auszustellen worin dann auch steht, dass ich ein neues Rezept anfordern kann auch wenn ich vielleicht noch 2 Tabletten zu hause habe, den ich ihnen dann ja vorlegen könnte‘. Von der anderen Seite kam dann kurz; ‚aber Frau…‘ mehr konnte sie nicht sagen weil ich gerade so schön in Fahrt war und mir einfach Luft machen musste und vor allen Dingen auch wollte und so schnitt ich der armen Frau das Wort ab und zeterte weiter in das Telefon; ‚aber gut zu wissen wie teuer es ist, vielleicht gibt es doch einen Markt dafür, dann könnte ich ja noch steinreich damit werden, müsste mich doch gleich mal informieren ob es nicht doch Abnahmequellen dafür geben würde‘.

Nun bekam ich keine Luft mehr und die MTA nutzte die Gelegenheit; ‚bitte Frau… ich schreibe es ihrem Gesundheitszustand zu, dass sie so aufbrausend sind, wäre ich an ihrer Stelle sicher auch, aber sie müssen uns auch verstehen, wir sind‘ weiter kam sie dann nicht mehr! Unfairerweise hatte ich mein Asthmaspray genommen und bekam wieder genug Luft auf die letzten Worte von ihr zu reagieren. ‚Wie bitte‘ sagte ich, sie haben doch jetzt nicht Gesundheitszustand gesagt? Sie sollten eigentlich wissen, dass ich durch all die Ärzte keinen Gesundheitszustand mehr habe – ich habe einen Krankheitszustand!!!

Ja, ich hatte mich so in meinen Zorn, in meine Hilflosigkeit hineingesteigert, dass ich mich kaum bremsen konnte. Ich fand mich selber unfair, denn die arme Frau konnte ja nun am allerwenigsten dafür und so lenkte ich ein wenig ein und sagte, dass ich sie um Gottes Willen nicht persönlich angreifen wollte, es aber für mich unbegreiflich wäre, wie man mir mit den Preisen der Medikamente die ich am liebsten gar nicht nehmen würde ankommen könnte.

Es ist jetzt fast eine Woche her, wo ich das Ergebnis meiner Infusionstherapie bekam (also kein Ergebnis) dazu dieses unliebsame Gespräch ein paar Tage früher und ich fühle mich Grottenschlecht damit. Immer wieder mache ich mir den Vorwurf nach der Chemotherapie nicht STOP gesagt zu haben, dann wäre ich jetzt wieder genauso gesund wie ich vor meiner Krebserkrankung war.

Aber bitte, wenn Ihr Neuerkrankte seid, nicht einfach alles ablehnen was nach der Chemotherapie kommt, es ist von Fall zu Fall verschieden, ob man die Bestrahlung und die darauf folgende Herzeptinbehandlung braucht. Es hat auch nur sehr selten jemand diese Folgeerkrankungen! Bei mir lag das alles auch etwas anders. Ich wurde Brusterhaltend operiert, weil mein Krebstumor noch verkapselt war – es gab keine Verästelungen, ich hatte keine Metastasen und meine Lymphknoten waren auch nicht befallen, wie ich später hörte hätte ich außer Kontrolluntersuchungen gar nichts gebraucht, weil durch die Operation wirklich alles entfernt wurde. Gut die Chemo würde ich immer wieder machen lassen, weil es einem doch eine gewisse Sicherheit gibt, aber mit meinem heutigen Wissen würde ich die Bestrahlung und die Herzeptinbehandlung strikt ablehnen, aber bitte, das gilt nur für meinen Fall. Lasst Euch durch den Arzt beraten, aber Hinterfragt alles was sie mit Euch machen wollen – geht zu einem zweiten Arzt und sprecht mit ihm über Eure Situation, nehmt Unterlagen der Operation mit und entscheidet dann erst.

Ich bin im Moment sehr unglücklich mit meiner Situation, muss ob ich will oder nicht manchmal weinen, weil ich in meiner Lebensqualität so unendlich eingeschränkt bin. Es gibt keine Besuche auf dem Friedhof bei meinen Eltern mehr, es gibt kein selbstständiges Einkaufen mehr, kein Kinobesuch nicht mal die Möglichkeit in einem Geschäft schräg gegenüber mal einige leichte Lebensmittel einzukaufen, kein Strassenfest, keine Hausarbeiten, kein Wetter in dem ich mich wohlfühlen kann. Nicht mal meine große Leidenschaft Auto zu fahren kann ich wahrnehmen. Meine Verbindung zur Außenwelt besteht in Arztbesuchen unter Aufsicht, mein Telefon, mein PC die Nachrichten im TV und den Erzählungen meines Mannes oder meiner Kinder.

Aber denkt jetzt bitte nicht ich sei dadurch verbittert, nein, dass bin ich nicht, denn das Leben ist nach wie vor schön, anders ja, eingeschränkt ja, aber es hat für mich andere Prioritäten bekommen und so schlecht geht es mir ja nun auch wieder nicht… ich kenne genug Menschen denen es schlechter geht und vor allen Dingen habe ich immer ein sehr schönes Leben gehabt, hatte liebevolle Eltern, eine behütete sehr schöne Kindheit. Brauchte nie hungern oder frieren, hatte immer meinen gut bezahlten Job, der mir dazu noch großen Spaß gemacht hat. Habe zwei wundervolle Kinder, einen Mann der alles für mich tun werden (obwohl so ein paar Macken hat er schon, aber das gehört dazu, das haben alle Männer sonst wären sie keine Männer J).

Jetzt bin ich froh endlich über den Donnerstag geschrieben zu haben, es ist mir dieses Mal irgendwie schwer gefallen, vielleicht weil ich emotional ein wenig angegriffen bin und mir auch noch den Luxus gegönnt habe mal ein paar Tränen zu weinen. Es gehört dazu, es reinigt die Seele und die Gedanken, bringt wieder Ordnung ins Leben, befreit und tut einfach gut. Weinen ist im Leben genauso wichtig wie Lachen und so lange es sich die Waage hält, sollte man ein glücklicher Mensch sein.

© by Elke/E.L. 2008

 

Herzliche Grüße Elke

 

 

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7 Antworten

  1. Göre

    Liebe Elke !
    Solche Momente wirst du leider immer wieder erfahren müssen und nicht jeder Tag wird gleich sein ,aber du hast schon soviel geschafft .
    Da läßt du dich doch nicht von so etwas unter kriegen unterkriegen ??? Oder ?
    Nee ,nee nischt mußt du dir gefallen lassen .
    Lasse es ruhig alles raus ,dann geht es dir besser und ,,Kopf hoch ,auch wenn der Hals dreckig ist ,,
    Sei lieb umarmt von Claudia
    PS : Wir sind hier für Dich da

    5. November 2008 um 09:44

  2. Paramhansa

    " Das Leben ist ein harter Kampf " und manche Mitmenschen erschweren es einem ganz besonders aber dann gibt es wieder welche, die mit einem Lächeln alles wieder gut machen. Ich lasse Dir ein liebes Lächeln da liebe Elke.
    Auch wenn der Donnerstag vorüber ist….Gott sei Dank auch!
    Vielen Dank für Dein liebes Lächeln und Sonntags Gruß! Ganz liebe Grüße-Prema

    11. Oktober 2008 um 20:15

  3. Ute

    Meine liebe Elke.Ich denke das das was du dieser Dame, die du so nett beschreibst, schon das rechte gesagt hast.Ich weiss wie du dich da gefühlt hast.Ich kenne das auch, ich sage dazu nur, es war richig so!Mach weiter, ich hoffe das es auch für dich eines Tages besser wird.Denn ohne dieses Hoffen gäbe es ja kein morgen, weder für dich noch für mich.Ich bin in Gedanken an deiner Seite und stütze dich ein stück auf deinem weg.Liebe grüsseUte

    10. Oktober 2008 um 00:24

  4. Tina

    Ach Elke, ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. Diese Ignoranz der Ärzte und Mitarbeiter, die kennt man ja …leider.Doch das hilft dir auch nicht. Trost kann ich nur hier über das Netz schicken..Halt die Ohren steif…sehr lapidar ausgedrückt..Ganz liebe GrüßeTina

    9. Oktober 2008 um 19:42

  5. Svenja

    …. hab micht schon bis herher durchgewuselt :-) …. Liebe Elke, ich staune immer wieder zu lesen, wie stark du doch bist! Erhalt dir das, auch wenn es sehr viel Kraft kostet und nicht immer leicht ist!

    9. Oktober 2008 um 15:38

  6. Kerstin

    Liebe Elke…
     
    man muss seinen Gedanken freien Lauf lassen und alles ist abhängig von unserer Tagesform…manchmal lacht man über die Dinge und dann heult man plötzlich über die Gleichen… mal nehmen wir alles leicht und dann ist es plötzlich schwer… aber genau das macht uns aus – dieses ständige hin und her; auf und ab…
     
    ich mag deine Blogs, weil sie lebendig sind…
     
    in diesem Sinn gglg von Kerstin

    9. Oktober 2008 um 09:18

  7. Sternchen

    Guten Morgen Liebe Elke, Du hast vieleicht für Deinen Geschmack für diesen Eintrag etwas länger gebraucht, doch
    ist in ihm alles so plastisch dargestelt, das man in der Lage ist die Dinge absolut nachzuvollziehen!
    Du bist eine emotionale , starke und glückliche Frau die ihre Tränen zur Reinigung der Seele weint um der Belastung Herr zu werden! Ich bin sehr froh Dir begenet zu sein und Dich meine Freundin nennen zu dürfen.
    Liebe Grüße Camina****

    9. Oktober 2008 um 07:22

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