Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Bin ich undankbar?… (KtgB)

 
 

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Bin ich undankbar?

Wie ich wohl schon mal mehr oder weniger beiläufig erwähnt habe, bin ich seit gestern Strohwitwe. Mein Mann ist für 4 Tage auf einer Schulung die zwar teuer, aber vollkommen unnütz und entgegen seinen Interessen steht. Für einen einzigen Rechner (nicht mal Großrechner!) in ganz Deutschland haben die Amerikaner eine Spezialtechniker Schulung in der Weltstadt München anberaumt, für einen einzigen Mann. Also da kann ich doch wohl mit Fug und Recht sagen; ‚Einen Speziallisten braucht das Land‘. Unsere Zukunft ist gesichert – Deutschland hat seinen Mann für diesen einen unspezifischen Rechner.

Nun wie dem auch sei, es bringt mir einige Tage in denen ich endlich mal wieder zeigen kann, wozu ich noch fähig bin, wo das Umtüddeln meiner Person im Großen und Ganzen wegfällt. Mein „Umtüddler“ zog gestern die Zeit immer weiter heraus ehe er denn letztendlich mit seinem Köfferchen bewaffnet sein Auto bestieg. Natürlich nicht ohne vorher meiner Tochter zu sagen; ‚Pass gut auf Deine Mutter auf‘. Ein Satz der es mir noch leichter machte ihm „Aufwiederseh‘n“ zu sagen. Danach drehte er sich zu mir um und meinte ich solle gut auf mich aufpassen und er hätte immer sein Handy an, ich könne ihn jeder Zeit erreichen, worauf ich etwas verstimmt sagte, warum ich auf mich aufpassen solle, den Auftrag hätte doch meine Tochter von ihm bekommen.

Natürlich ist mir klar, dass er das aus Sorge um mich sagte, aber es geht mir irgendwie gegen den Strich immer wie ein kleines Kind oder eine hilflose Person behandelt zu werden. ‚HALLO‘ – ich lebe noch, atme selbständig und gehe ganz alleine auf die Toilette. Wenn er zu Hause ist und ich mir einen Kaffee aus der Küche holen will, sagt er immer gleich; ‚setz dich wieder hin, warum sagst du denn nichts, ich hole ihn dir‘ und so geht es mit allem, was ich tun möchte. Erschwerend kommt hinzu, dass wir das Büro auch noch im Haus haben, so dass er fast 24 Stunden am Tag rund um die Uhr anwesend ist, wenn er keinenTermin hat.

Und genau das ist es worauf ich mich jetzt gefreut habe, mich mal wieder alleine zu betätigen, mir mal alleine meinen Kaffee holen, mal wieder zu kochen, ein wenig aufzuräumen usw. Es stimmt schon es fällt mir alles schwer und meine Luft und mein Kreislauf spielen nicht immer so mit, aber ich kann es mir doch einteilen. Ich brauche nicht unbedingt wie früher das Essen in 1 oder 1 ½ Stunden gekocht zu haben – jetzt brauche ich halt 3 Stunden, weil ich immer mal eine Pause einlegen muss, aber ich habe ein Aufgabe und komme mir nicht ganz so unnütz vor, was meiner Seele gut tut, was mich wieder aufbaut, was mich wieder zu einem Menschen werden lässt. Das alles fehlt mir und darüber kann ich mit meinem Mann nicht diskutieren, er will mir einfach Gutes tun. Nur im Endeffekt macht es mich immer hilfloser, meine Knochen immer müder, mich insgesamt fauler und bequemer, aber auch unglücklich und lässt mich mit meinem Schicksal hadern. Und Glücklich macht es mich auch nicht – ja ich bin undankbar!!!

Er meint es gut, er hatte in den letzten knapp 3 Jahren immer wieder Angst um mein Leben, weil er Kollegen hat deren Frauen an Brustkrebs gestorben sind bzw. an neuen Krebsherden, Metastasen oder Lymphknotenbefall – aber das alles ist doch in Ordnung bei mir, laut den Ärzten. Probleme bereiten mir jetzt mein Herz und meine Lunge, und die Gewichtsabnahme die meinen Körper geschwächt hat. Aber geschwächt sein heißt noch lange nicht das ich zu einem Pflegefall mutiert bin und mich überhaupt nicht mehr bewegen darf oder kann.

Wenn man seinen Körper nicht in Bewegung hält, baut er ab – und das wird zu einem Problem für mich!  Nur das kann ich ihm nicht klar machen. Er hat auch Kollegen an Krebs verloren und im Moment liegt einer seiner Kollegen mit Darmkrebs im Krankenhaus, hatte einen künstlichen Darmausgang bekommen, jedoch nach einem halben Jahr wurde alles wieder zurückverlegt. Jetzt ist er wieder im Krankenhaus, man hat Metastasen an Leber und Nieren festgestellt und er hat sehr starke Schmerzen im ganzen Bauchraum, weshalb mein Mann das wieder mit mir in Verbindung bringt, weil die Ärzte bei mir nicht abklären können, woher meine Schmerzen kommen. Er ist da eben hochsensibilisiert.

Es tut mir weh zu sehen wie sehr mein Mann leidet und versucht mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ich könnte alles von ihm haben, selbst wenn es etwas wäre das einfach nur teuer aber sinnlos wäre – und genau diese Reaktion macht mir immer wieder Angst und bringt mich dazu zu denken ob nicht doch irgendwas übersehen wurde. Nun alles in einem Satz gesagt, dass Umtüddeln tut mir nicht wirklich gut.

 Gestern lief alles wunderbar, nachdem er weg war und ich auf mich gestellt sein durfte. Wir hatten noch Gulasch von Sonntag (wir kochen Sonntags immer für 2 Tage) und ich machte Nudeln dazu, meine Tochter einen Salat und ich aß mit meinen Kindern zusammen gemütlich am Esstisch und wir unterhielten uns wunderbar. Zwischendurch meldete sich wohl mein Kreislauf mal unangenehm, aber es war nicht tragisch, niemand da der sofort Gefahr witterte. Nachdem wir gegessen hatten räumten meine Tochter und ich (mein Sohn ist ja Pascha) den Tisch ab. Meine Tochter ging dann in ihr Zimmer und ich räumte in Ruhe schön langsam, halt so wie ich konnte, die Spülmaschine ein und wischte über den Tisch, den Herd, die Arbeitsplatte und verpasste meiner dunkelbraunen Spüle eine Grundreinigung, klar alles mit Pausen und auch länger wie es früher ging, aber ich machte es und war glücklich dabei. Auch die Küchenfront schrubbte ich mal wieder, was wirklich Arbeit und auch ein wenig anstrengend war, aber es gab mir ein gutes Gefühl. Einige werden sich denken ‚meine Güte was ist denn da schon dabei‘ klar da war auch für mich nie etwas dabei, aber eben jetzt in meinem körperlichen Zustand ist es eine Leistung.

Zum ersten Mal seit Monaten konnte ich denn auch wieder durchschlafen wie ein kleines Murmeltier, musste allerdings zweimal wegen meinem Kater aufstehen. Gegen 24 Uhr wollte er raus und kam dann um 4 Uhr wieder, machte aber nicht das Theater was er macht wenn er weiß mein Mann ist da. Irgendwie weiß er einfach, dass es bei mir keinen Zweck hat herum zu jammern. J

Gerade hat mich mein Mann angerufen, er kann es einfach nicht lassen, wollte wissen ob alles in Ordnung ist und er würde heute Abend nochmal anrufen. Gestern hat er mich auch zweimal angerufen – er kann es einfach nicht lassen, sich Sorgen zu machen. Ich liebe diesen Mann über alles, freue mich über seine Liebe und seine Sorge, bin aber auch froh, dass ich jetzt mal ein paar Tage ICH sein kann und wieder der Chef im Hause bin.

Wenn ich mir das so überlege – nein, ich bin nicht undankbar – ich brauche einfach nur mal einen Urlaub vom Umsorgt werden. Ich liebe meinen Mann über alles, bin ihm auch für alles dankbar, fühle mich geborgen bei ihm und ich weiß, das ich mich immer auf ihn verlassen kann…

Manchmal möchte der Mensch das, was er nicht hat, und wenn es nur für wenige Tage oder Stunden wäre. Vielleicht oder bestimmt wünscht sich der Ein oder Andere so umtüddelt zu werden, wie ich es erlebe – weil er es zu wenig oder gar nicht bekommt, und das sollte natürlich auch nicht sein. So kann man nicht wirklich glücklich sein…

© by Elke/E.L.08

 

Herzliche Grüße Elke 

  

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7 Antworten

  1. Elisabeth

    Hallo liebe Elke,
    erst mal einen lieben Gruß von mir!!!!!!!
    Ich kann sehr wohl nachempfinden, wie Dir zu Mute ist. Aber undankbar würde ich das nicht nennen. Es ist wirklich schwer zu entscheiden, wieviel Hilfe jemand vertragen kann. Bei meinem Mann musste ich immer gut abwägen, was zu viel Hilfe ist. Er kam sich dann nutzlos vor. Dieses Gefühl wollte ich ihm aber nicht geben. Es war immer eine Art Gratwanderung. Dabei habe ich es immer gut gemeint – aber es war nicht immer gut.
    Denke immer daran, deinem Mann wird es scheinbar nicht anders gehen als mir ergangen ist. Er macht sich seine Entscheidungen bestimmt nicht leicht – und sehr viele Männer können halt darüber auch nicht reden.
    Freue Dich darüber, einen so liebenden Mann zu haben.
    Ich denk an Dich
    Eli

    15. Oktober 2008 um 22:14

  2. Paramhansa

    Klare Frage, klare Antwort: NEIN!!!

    14. Oktober 2008 um 22:35

  3. Kerstin

     
    Liebe Elke…
    versteh mich bitte nicht falsch,aber es ist herrlich diesen Blog zu lesen…ich kann es nur allzu gut nachempfinden…ich verstehe dich, weil es mir ähnlich erging und ich versteh deinen Mann,der einfach nur Angst hat,dass etwas passieren könnte…es ist eine Gradwanderung und das richtige Maß zu finden – was bestimmt nicht einfach ist – weil, gerade wenn 2 starke Charaktere aufeinandertreffen – wird es meist schwierig…es gab auch mal andere Zeiten…anfangs genießt man umsorgt zu sein, aber trotzdem möchte man irgendwann auch wieder selbständig entscheiden wollen, man möchte sich immer mehr zutrauen dürfen…an seine Grenzen kommen,um zu wissen,was kann ich schaffen…
    …letztlich schließt das eine das andere nicht aus…das schöne ist, du weißt was du an deinem Mann hast und er meint es einfach nur zu gut…
     
    drück dich gglg von Kerstin

    14. Oktober 2008 um 18:44

  4. Peter

    HALLO ELKE,ICH VERSTEHE DEINEN MANN SEHR GUT,ABER AUCH DICH!ICH WEISS VON MEINER BÄRBEL SIE HAT BIS ZUM SCHLUSS ALS SIE NICHTS MEHR TUN KONNTE NICHT EINMAL MEHR LAUFEN,ALLES SELBER GEMACHT WAS GING.ERST ALS SIE SO GUT WIE VÖLLIG HILFLOS WAR DURFTE ICH HELFEN,SIE WOLLTE SELBSTSTÄNDIG SEIN SO LANGE ES MÖGLICH WAR.ABER IHR 2 MACHT DAS BESTIMMT RICHTIGE!

    14. Oktober 2008 um 18:14

  5. Sternchen

    Hallo liebes, du bist doch ein sehr diplomatisches mädchen, druck die seite aus und mach ein schleifchen drum, leg es auf seinen schreibtisch!
    Vieleicht könnt ihr dann darüber offen reden, gell? liebe grüße Camina

    14. Oktober 2008 um 16:43

  6. Rainbow

     
    Hallo Elke,
     
    nein, undankbar bist Du nicht… Du hast halt auch nur Bedürfnisse und das richtige Maß an \’Umtüddeln\‘ muss Dein Mann wohl noch finden. Ihm ist bestimmt nicht klar, dass er Dich mit seinem \’Umsorgen\‘ einschränkt. Ich denke, er kann seine Hilflosigkeit vielleicht nicht anders ausdrücken? Denn er kann ja sonst nichts tun. Nicht einen Teil abnehmen.
     
    Schade dass Du darüber nicht mit ihm reden kannst. Er es nicht hören will, nicht verstehen…
     
    Ich wünsche Dir alles Gute…
     
    Liebe Grüße
    von
    Rainbow
     

    14. Oktober 2008 um 16:29

  7. guinevere

    liebe elke,
    ich kann so gut nachvollziehen wie es dir geht! ja es ist schön einen geliebten mann zu haben, der sich um einen sorgt, nur auf dauer erstickt man daran! ich saß ein halbes jahr im rollstuhl und wurde mit jedem tag mehr, der einher ging, betuddelt und umsorgt..ich fühlte mich wie ein unmündiges kind! als ich dann wieder anfing zu laufen, (mit krücken) wurde es noch schlimmer, alles wurde mir abgenommen, selbst ein glas wasser holen endete in diskussionen. mein kreislauf machte auch ab und an schlapp, was zur folge hatte, das vielleicht irgendwas runterfiel und zu bruch ging und neue diskussionen entstanden. ich brauchs dir wohl nicht erzählen…du weißt es ja..lächel!! 
    in meinem augen bist du nicht undankbar…du bist eben nur du, mit eigenem denken und handeln etc…
    laß es dir gut gehen…
    liebe grüße, marina 

    14. Oktober 2008 um 16:16

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