Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Alptraum und Traum einer Nacht… (KtgB)

 

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… eine Nacht wie ich sie nie haben – nie erleben wollte. Eine Nacht in der meine ganze Verzweiflung meine Seele überfiel und mich in ein großes Loch fallen ließ. Übermüdet aber nicht in der Lage ein wenig Schlaf zu finden, weil mein Körper sich gegen den jetzigen Zustand auflehnte.

Das Zimmer drehte sich, drehte sich immer schneller und ich suchte nach einem Halt. Es nutzte nichts, dieses unheimliche Gefühl ließ nicht nach. Angst schnürte mir die Luft ab und ich dachte; ‚nun ist es soweit, nun ist das Ende da‘ .Mir wurde übel so wie ich es noch nie erlebt habe und ich musste mich aufrecht hinsetzen, hielt mich irgendwo krampfhaft fest um nicht gleich wieder umzufallen. Mein Herz raste, tat entsetzlich weh. Eine mehr als beklemmende Angst – Todesangst verspürte ich. Meine Hände zuckten wie in den letzten Schüben, jedoch heftiger, unkontrollierter mir zeigend wie sehr sich mein Zustand in den letzten Wochen verschlechtert hat. Alles ging so schleichend vor sich, dass ich es anfangs gar nicht bemerkte – oder wollte ich es nicht bemerken?  Es nicht wahrhaben.

Diese Nacht wurde es mir mit einer Ungnade bewusst, ich konnte es nicht mehr übersehen. Zitternd am ganzen Körper sah ich zu meinem Mann, würde er es bemerken, wenn ich jetzt in ein Koma fiel. Mein erster Gedanke war ihn zu wecken, mich von ihm beschützend in den Arm nehmen zu lassen, beruhigende Worte von ihm zu hören, einfach nicht alleine sein. Ich wollte nicht sterben, nicht alleine ohne eine Hand die meine hielt.

Ich habe mich gedanklich intensiv auf diesen Augenblick vorbereitet, der eines Tages kommen wird, aber es scheint in solch einem gefühlten Augenblick nichts als Hohn. Nein emotional kann man sich nicht vorbereiten, die Seele arbeitet anders als der Körper sie ist nicht beeinflussbar, man kann sie nicht schulen, man empfindet sie, man nimmt sie wahr.

Ich habe leise, fast unbewusst geweint, fühlte mich so allein gelassen von meinem Gott. Wo war er? Warum konnte er mir nicht in dieser Situation beistehen. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten, ich wollte mich irgendwie ablenken, aber dieses Mal gelang es mir nicht. Die ganze Szenerie brannte sich in mein Bewusstsein, meine Angst ließ sich nicht wegdenken, sie war da, eiskalt und hart ohne wenn und aber, ein Fakt den ich früher nie gedanklich durchgespielt habe, eine Entwicklung  die ich nicht im Traum für möglich gehalten hatte. Wie viel kann ein Mensch ertragen ohne verrückt zu werden?

Mich überkam der zwingende Gedanke ins Bad gehen zu müssen. Ich habe zwar so lange ich denken kann mich noch nie übergeben müssen, aber jetzt glaubte ich es tun zu müssen, aber ich konnte nein wollte nicht ins Bad. Wie oft habe ich gehört, dass Menschen vor einem Herzinfarkt die Toilette oder das Bad aufgesucht haben weil es ihnen übel wurde und dort zusammengesunken sind, sich im ungünstigsten Fall den Kopf am Waschbecken, Wanne oder Toilette aufschlagend. Nein so wollte ich nicht heute früh von meinem Sohn, der zuerst aus dem Haus musste, gefunden werden. Vielleicht sagte mir mein Unterbewusstsein auch; wenn du da nicht hingehst bekommst du auch keinen Herzinfarkt.

Nach einigen panischen Gedanken entschloss ich mich meine Morgenmedikamentation gleich zu nehmen und nicht bis zum Morgen zu warten. Eine wie es sich zeigte dumme Idee, denn ich hatte meinen Körper zu diesem Zeitpunkt nicht unter Kontrolle und so viel mir alles aus den Händen was mir wieder einmal die Hilflosigkeit bewusst machte der ich während eines Schubes ausgesetzt war. Nun weinte ich bewusst, wollte mich nicht mehr zusammenreißen, wollte meinem inneren Schmerz einfach aus meiner Seele weinen. Am liebsten hätte ich laut geschrien, aber das kann ich nicht, dafür bin ich nicht der Mensch. Wohl oder übel musste ich auch aufstehen um meine Medikamente zu finden, damit meine Katze sie nicht verschluckte – ich weiß nicht ob sie es ohne Schaden vertragen könnte sie zu schlucken. Es war die Hölle. Kein Gefühl in den Beinen, alles war taub und ich musste mich auf Möbeln aufstützend, eine Taschenlampe holen, damit ich auch die kleineren Medikamente finden konnte. Nachdem ich alles soweit geschafft hatte, wieder nach Luft schnappend auf meinem Bett saß kam die nächste Schwierigkeit; wie sollte ich mein Wasserglas ohne den Inhalt zu verschütten an meinen Mund bekommen, damit ich die Medikamente herunterschlucken konnte. Diese verdammten Zuckungen, warum kam denn immer alles auf einmal bei mir! Obwohl ich das Glas mit zwei Händen nahm und mich stark konzentrierte, verschüttete ich die Hälfte was mich wieder zum Weinen brachte. Ich hasse nichts so sehr wie Hilflosigkeit. Das ist kein Leben, so nicht – und immer wieder diese Angstgefühle…

Während ich auf die einsetzende Wirkung der Medikamente wartete gingen meine Gedanken in die Zukunft. Wie sollte es weitergehen, wird es denn nie besser werden, wird es sich noch weiter verschlimmern, werde ich vielleicht bald ein Pflegefall? NEIN, so will ich den Rest meines Lebens nicht verbringen, das wäre für mich kein würdiges Leben mehr nur noch ein existieren ohne Sinn und Zweck.

Die Medikamente scheinen heute nicht so richtig zu greifen, obwohl – eigentlich tun sie es ja nie. Langsam habe ich mich ein wenig beruhigt, wohl die Wirkung der 2 Beruhigungstabletten, die ich entgegen meiner sonstigen Überzeugung genommen habe… ich weiß es nicht – ich weiß es wirklich nicht.

Einmal würde ich gerne noch mal wie ein ganz normaler Mensch leben. Spazieren gehen, den Himmel dabei sehen, die Bäume neu entdecken wenn sie langsam anfangen ihre Blätter aus den Knospen zu entfalten. Einmal würde ich noch mal gerne das Grab meiner Eltern aufsuchen und ihnen die Blumen und die Kerze selber hinbringen. Einmal würde ich noch mal gerne meine Garderobe selber einkaufen können. Einmal würde ich gerne noch mal Freunde besuchen und unbeschwert mit ihnen lachen. Einmal würde ich noch mal gerne meinen Haushalt alleine machen können. Einmal würde ich noch mal gerne in Urlaub fahren. Einmal würde ich noch mal gerne die Einladung meiner Tochter zu einem Kinobesuch annehmen können. Einmal würde ich gerne einfach nur die banalen Sachen machen können, die für andere selbstverständlich sind, die ihnen auf den Geist gehen, die sie als Pflicht ansehen. Einmal würde ich gerne den anderen Menschen gegenüber stehen und sie nicht von meinem Fenster aus ansehen müssen.

ICH WÜRDE GERNE EINFACH NOCH MAL ‚NUR EIN STINKNORMALER  MENSCH SEIN‘.

© by Elke/E.L.

 

Herzliche Grüße Elke  

 

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8 Antworten

  1. Svenja

    Liebe Elke, Schwäche zulassen, ja, das sollte man gelegenheitlich. Aber es ist manchmal so verdammt schwer über seinen Schatten zu springen. Nicht wahr? Allerdings, wenn es gelingt, tut es so unendlich gut! Ich wünsche Dir viel Kraft und umarme dich mal virtuell aus der Ferne… Svenja :-*

    23. Januar 2009 um 20:09

  2. - Pusteblume

    Liebe Elke,haben erst soeben deinen Beitrag gelesen und bin sehr betroffen.Laß doch endlich mal deinen Frust raus, gegen deinen Verstand, der dir das verbietet. Indem du laut schreist, fluchst oder schimpfst, einfach die Wut über alles rausschreien. Sicher ist das leichter gesagt als getan, aber vielleicht hilft es dir. Und dann kann ich dir (wie meine Vorrednerinnen) nur sagen: nimm die Hilfe deiner Familie an….sie leiben dich doch mit all deinen Schwächen, Höhen und Tiefen. Auch wenn die Tiefen derzeit überwiegen. Laß es einafach zu!Sei ganz lieb gedrückt und und viele Grüße von Gabi

    22. Januar 2009 um 14:08

  3. Ute

    Liebe Elke.Ich weiß du bist stark, du weißt du bist stark, doch manchmal musst auch du Schwäche zulassen.Leider muß ich sagen.Ich wünsche für dich und deine Familie, das es dir doch bald mal besser geht.Damit du auch noch mal aus dem Haus gehen kannst.Damit du deinen Mann in den Arm nehmen kannst, so wie er dich immer in den Arm genommen hat.Ganz viel Kraft, Liebe und Hoffnung,sende ich dir.Ute

    20. Januar 2009 um 22:10

  4. .

    Liebe Elke,ich kenne dich nicht, aber ich bin froh, dass ich deine Zeilen hier lesen durfte. Sie schütteln an mir, und plötzlich schäme ich mich für meine \’Probleme\‘ bzw. was ich manchmal dafür halte…. Ich wünsche dir viel Kraft! Liebe Grüße,Katrin

    20. Januar 2009 um 14:10

  5. Kerstin

    Liebe Elke…ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen…ich denke auch, dass dieses Angstgefühl völlig normal ist… du hast noch soviel vor und du schaffst das auch…du kämpfst ganz unterbewusst für dein Leben, das macht dich stark – auch wenn du dies vllt grad nicht so empfinden kannst…du willst leben…das ist deine Kraft…fühl dich umarmt lg Grüße von mir zu dir…

    19. Januar 2009 um 23:40

  6. Sternchen

    Hallo liebes Mädchen, diese Angst ist nachvollziehbar und völlig normal, so wie Du ein total normaler Mensch bist.Ja in dieser Situation hast Du sogar Bärenkräfte mobilisiert. Es ist zu viel der Rücksichtnahme, nicht die Geborgenheilt zu nutzen,die Du im Arm deines Mannes empfunden hättest. Ich nehme Dich in den Arm , liebe Elke, las die Liebe Deiner Familie zu, sie gibt Kraft….Camina

    19. Januar 2009 um 22:33

  7. mam

    Elke, du bist ein ganz normaler Menschund dass du Angst hast, ist auch ganz normal …hätte wohl jeder in dieser Situationund dass du deinen Gott jetzt suchst ..glaub ich dir ….aber ich bin sicher, er ist auch bei dir..vll sind es auch deine Nerven, die dir da so einen Streich spielen. Ich denke, du darfst deinen Mann in so einer Situation ruhig wecken, damit der dich tröstetnicht nur du bist immer für alle da ….es sind auch alle für dich da…ich halt in Gedanken behutsam deine Hand ….du bist nicht allein Elke

    19. Januar 2009 um 15:31

  8. Andrea

    Aber Elke, du bist doch stinknormal =)nur die Hülle ist angeschlagen =(ich umarm dich ganz herzlich unddrücke die Daumen das es bald wieder etwas besser gehtLG Andrea

    19. Januar 2009 um 13:53

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