Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Kann denn Joggen Sünde sein?…

 

 

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Kann denn Joggen Sünde sein?

Gestern war es soweit,
ich wollte mir was Gutes tun. Mein aufgedunsener Körper schreit mal wieder nach Sport. Es ist ihm ein Bedürfnis wieder fit zu werden. Das ganze überflüssige Fett macht träge und sieht zudem noch total Scheiße aus. Die Frage stellte sich nur: Welchen Sport soll ich in der Sommerpause anfangen? Mannschaftssport? Da will mich garantiert keiner haben, so ungeschickt wie ich mich immer anstelle. Da mach ich mich doch nur lächerlich und zum Gespött der anderen. Kraftsport?
Nee, so ein Studio kostet doch einen Heidengeld. Das muss ja auch nicht sein. Außerdem sind da viel zu viele durchtrainierte Körper. Wenn ich da mit meinen Fettringen auflaufe, lachen sich die Cracks doch erst mal krumm. Radfahren? Ach herrje, mit meiner alten Schüssel macht das sowieso keinen Spaß. So ein uraltes 3-Gang-Damenrad mit Rücktrittbremse ist nicht gerade der Knaller. Der Drahtesel macht eh bald die Biege. Außerdem ist man da immer Stunden unterwegs. Ich will ja nicht verreisen, sondern nur ein wenig körperliche Ausdauer erlangen. Jogging? Nun, das könnte durchaus was sein. Ein paar Turnschuhe hab ich noch, und laufen kann ich völlig alleine, weit ab von allen Leuten, so lange ich es möchte. Ja, das ist es!

Also, streifte ich mir ein paar lockere Klamotten über, die Rennschlappen waren umgeschnallt und die Armbanduhr zur Kontrolle der Zeit angebunden. Es konnte losgehen! Aber halt! Wohin sollte ich eigentlich? Hm, die Frage ist erst mal, wie lange würde ich laufen? Nicht zu viel und nicht zu wenig. Es soll ja was bringen, aber mich nicht gleich umbringen! Halbe Stunde? Nun ja, sagen wir mal 45 Minuten. Das dürfte zu packen sein. Kleinigkeit! Pah, bin ja kein Weichei. Und die Route? Ach, da hab ich mich mal auf meinen Instinkt und auf mein Glück verlassen. Wird schon was Vernünftiges bei raus kommen. Los geht es!

1. Minute: Das läuft ja wie geschmiert! Alles paletti! Ich bin ja fitter als ich dachte. Mit leicht erhöhtem Tempo gehe ich die Sache motiviert an und meistere jeden Bürgersteig mit links. Das macht sogar riesigen Spaß. Ja, ich habe eine neue Lieblingssportart entdeckt. Jogging ist das Wahre!

2. Minute: Endlich an dem Waldweg angekommen. Diese dummen Baumwurzeln gehen mir schon auf die Nerven. Aber zum Glück bin ich aufmerksam und nehme die kleinen Hürden ohne mit der Wimper zu zucken. Auch der weiche Waldboden, macht mir zu meiner Überraschung überhaupt nicht mal ein bisschen zu schaffen. Ich kann stolz auf mich sein.

3. Minute: Ach, was eine herrliche Strecke. Den Hügel hinunter zu laufen ist einfach wunderbar. Eine wunderbare Aussicht hab ich hier. Ich liebe diesen naturverbundenen Sport, der meinem Körper gut tut. Ich glaub, ich könnte auf ewig so weiterlaufen.

4. Minute: Mist! Jetzt hab ich für einen Augenblick nicht regelmäßig geatmet. Seitenstechen quält mich! Aber das halte ich schon durch. Einfach wieder gleichmäßig durchatmen. Bloß nicht stoppen. Ich zieh die Sache jetzt durch! Auf Teufel komm raus!

5. Minute: Dieses Scheiß-Stechen in der Seite will einfach nicht verschwinden. Der Schweiß rinnt mir in die Augen. Puh, langsam wird es ganz schön anstrengend. Aber hey, das pack ich. Ein Blick auf die Uhr lässt mich allerdings erschauern. Erst 5 Minuten? Oh Mann, das kann ja heiter werden!

6.Minute: Mein T-Shirt ist schweißgetränkt! Die Waden brennen! Ich atme schwer! Seitenstechen quält mich immer noch, und diese saublöden Wurzeln auf dem Waldweg veranlassen mich eine 1a-Segelpartie hinzulegen. Voll auf die Fresse! Hochmotiviert rappel ich mich aber sogleich wieder auf, um die Route fortzusetzen.

7.Minute: Es kommt mir vor als wäre ich schon seit Stunden unterwegs. Ich beschließe umzukehren, um nicht allzu weit von meiner Couch daheim tot umzufallen. Ich bin tierisch geschlaucht, voll im roten Bereich, aber ich gebe noch lange nicht auf!

8. Minute: Ich gebe auf! Nur noch gehend keuche ich vor mich hin! Ich bin müde! Ich habe Durst! Durst verdammt noch mal! Hunger spüre ich zu allem Überfluss zusätzlich! Nach einigen Sekunden überkommt mich aber das Gefühl so schnell wie möglich wieder nach Hause kommen zu müssen. Also, trete ich wieder in gemächlichem Tempo, leicht trabend an

9. Minute: Ich laufe um eine Kurve und erblicke vor mir den Hügel, den ich zuvor locker hinunter gelaufen bin. Die Sau fordert mich heraus. Ich kann fühlen, wie er zu mir sagt: Komm doch! Du packst mich eh nicht, du kleine Fettgeschwulst! Komm! Na, komm! Putt, putt, putt! Ich kann es ganz genau hören. Und ich nehme die Herausforderung an! Ich werde es diesem verfluchten Stück aufgeschütteter Erde zeigen.
Ich bin hier der Chef

9 Minuten, 30 Sekunden: Uij-uij-uijh Tiffy! Dieser Hügel zieht sich elend lang. Ich spüre meine Beine nicht mehr. Nur noch Schmerzen! Ich kann nicht definieren woher sie kommen! Aber ich halte durch! Ich halte durch.

10. Minute: Ich kann nicht mehr! Ich bin völlig ausgepowert! Dieser Berg hat mir den allerletzten Rest gegeben. Mit einer hochroten Birne versuche ich gehend den restlichen Weg nach Hause hinter mich zu bringen. Nach Luft japsend probiere ich langsam wieder auf Normalherzschlag herunter zu kommen. Gar nicht so einfach!

11. Minute: Mittlerweile kann ich wieder klar denken und entdecke am Weges Rand eine kleine Bank auf die ich mich setzen muss – nicht will, ich muss – damit ich nicht zusammenklappe. Auf der ruhe ich mich kurz aus. Währenddessen fasse ich den Entschluss wieder los zu joggen. Neue Energie kommt auf!

12. Minute: Es hat genau 20 Sekunden gedauert, da hat mich wieder eine Baumwurzel niedergestreckt, weil ich zu schwach war die Beine ordentlich zu heben. Ich liege auf dem Waldweg und rühre mich nicht. Ich will sterben.

13. Minute: Ein 5 jähriges Kind kommt zufällig mit seinem Kinderrad des Weges und kümmert sich herzzerreißend um mich. Nach dem es mich auf seinen Gepäckträger gewuchtet hat, werde ich noch vollkommen schlaff bis zum Waldrand mitgenommen. Ich bin diesem Kind sooo dankbar.

14. Minute: Jeder einzelne Bordstein, für den ich die Beine höher als fünf Zentimeter heben muss, ist eine Qual. Ich verfluche alle Straßenplaner, die solch unbezwingbar hohen Bordsteine gebaut haben und alle Autos und Mütter mit Kinderwagen, die mich zwingen zwischen Straße und Gehweg zu wechseln. Die Welt ist ungerecht!

15. Minute: Ich stehe vor meiner Haustür und bekomme vor lauter zittriger Hände die Schlüssel kaum ins Schloss. Ich quäle mich die unendlich strapaziösen Treppen hoch bis in meine Wohnung. 10 verflucht hohe Stufen bis ins Erdgeschoss und noch mal 25 bis ins den ersten Stock! Mörderisch! Als ich in meiner Wohnung ankomme, stolpere ich über den Läufer im Flur, lege mich wieder der Länge nach hin und rühre mich nicht mehr!

Der nächste Tag: Ich wache am nächsten Morgen auf meinem Teppichboden liegend im Flur meiner Wohnung noch in meiner Sportkleidung auf. Die ganze Nacht habe ich dort verbracht – meine Freundin scheint mich einfach liegengelassen zu haben. Als ich mich aufrichten will, spüre ich meine Muskulatur! Ach du Scheiße, tut das weh! Ein irrsinniger Muskelkater plagt mich bis ins Mark! In abgehackten Schritten, weil ich mich kaum schmerzfrei bewegen kann, quäle ich mich in mein Bett. Ein paar Minuten später rappelt der Radiowecker. Eigentlich muss ich zur Arbeit, aber das kann ich mir jetzt nicht antun. Ab zum Onkel Doktor! Mein Hausarzt zieht ratlos die Schultern hoch, denn was soll er schon machen? Schmerzmittel, ich will mördermäßige Schmerzmittel! Geschissen auf das Betäubungsmittelgesetz! Endlich wieder auf meiner Couch angelangt, lacht mich eine frische Tüte Kartoffelchips pikant gewürzt mit Paprika an, die in Null-Komma-Nix – ! Happ-Schnapp-Schnapp! – in meinem Magen verschwunden ist. Essen kann ich völlig schmerzfrei. Auch zappen geht, dank der frisch aufgeladenen Fernbedienung ganz ohne Sorgen. Herrlich, wenn es einem gut geht!

Das Thema Fitness und den damit verbundenen anstrengenden Sport (vor allem dieses elende Joggen!) hab ich somit vollkommen abgehakt. Weg! Raus aus dem Hirn! Völliger Schwachsinn! Ich lebe ab heute nach dem Motto:

Ist die Figur erst ruiniert, frisst sich’s gänzlich ungeniert!

~von meinem Verteiler~

 

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  Herzliche Grüße Elke

 

 

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12 Antworten

  1. Erika

    Ja ,manchmal sind wenige Minuten eine Ewigkeit,hab das auch schon probiert,endete in einem ganz gemütlichen Spaziergang(,inoffiziell versteht sich),Liebe Grüße Erika

    8. März 2009 um 13:34

  2. Brigitte

    Das können sich nur Männer erlauben. Obwohl man sagt, die Männer wären neuerdings eitler wie die Frauen. Brigitte

    8. März 2009 um 13:13

  3. Elke

    Das glaube ich Dir dass Du fit warst/bist, denn Du hast es ja eingeholt und fährst jetzt mit Deinem tollen neuen Töff herum :-)…ich knuddel Dich mal lieb…

    8. März 2009 um 00:00

  4. Peter

    NEE EINFACH WEIL ICH WOLLTE UND GLAUB MIR ICH WAR FIT! ICH MUSSTE JA STÄNDIG HINTER MEINER KOHLE HERLAUFEN DA BRAUCHST KONDITION!

    7. März 2009 um 20:33

  5. Elke

    … aber nicht weil Geldeintreiber hinter Dir her waren? … :-)

    7. März 2009 um 20:18

  6. Peter

    FRÜHER BIN ICH 3 MAL DIE WOCHE 18 KM GELAUFEN(KEIN WITZ) HEUTE BEVORZUGE ICH HALLENHALMA!

    7. März 2009 um 16:44

  7. Elke

    Ja Sternchen, ich glaube mit dem hätte sogar ich mithalten können… lächel…schönes Wochenende, drück Dich lieb… Elke

    7. März 2009 um 00:57

  8. Sternchen

    ha, ha, ich sags ja immer Sport ist Mord und ausdauernd wird man halt nicht in 15 Minuten, herrlich….

    6. März 2009 um 22:27

  9. Elke

    leider musste ich hier einen Kommentar löschen, weil versucht wurde mein Kommentarraummit, wenn auch versteckten, Anspielungen als Schlammplatz zu nutzen… es ist das erste maldass ich dazu gezwungen bin und hoffe es ist auch das letzte Mal… nette Kommentare und auch konstruktive sind jederzeit willkommen auch von Dir… solange Du Dich hier wie ein Gast benimmst… respektiere bitte dass ich hier die Hausherrin bin und meine Seite und Besucher vor Anfeindungen schütze… lg…

    6. März 2009 um 13:30

  10. Tina

    Herrlich!!! Lachweg!! :-)

    6. März 2009 um 12:50

  11. Rosalinde

    *lachmichwech*…wieviel kalorien verbrennt man beim lachen???….*immernochlach*lg von linde

    6. März 2009 um 11:18

  12. mam

    also wenns nicht so traurig wär …..ich lach mich schief und krumm.Immer schön langsam angehn ….;-)

    6. März 2009 um 09:39

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