Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Die angedrohte Fortsetzung… (KtgB)

 
 

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11.6.09  Fortsetzung
 

Na ja, nun ist so eine Klinik ja nicht dazu gedacht, dass man es lustig findet, also gibt es auch mehr als unangenehme Sachen und da wir gerade (wir die Zimmerlinden) frisch zurecht gemacht waren, legte sich eine von uns in ihr frisch zurecht gezupftes Bett und wir, die 2 Drittelmehrheit setzten uns an den klitzekleinen Tisch (ein größerer hätte gar nicht hier in unser kleines Reich gepasst)  und versuchten bei einer Tasse Kaffee, den man den ganzen Tag auf dem Flur holen kann, heile Welt zu spielen und erzählten uns so den ein oder anderen Schwank aus unserem Leben. Ein Aufenthalt in einer Klinik steht und fällt mit den Zimmergenossinnen und ich hatte mal wieder sehr großes Glück mit meinen Beiden, sie sind einfach nett, nicht wehleidig und daran interessiert hier keine Trauerhallenstimmung aufkommen zu lassen. Doch auf einmal kam ein Röcheln und Jappsen von unserer Zimmergenossin. Sie saß schneeweiß im Gesicht, aufrecht im Bett und musste spucken. Wir klingelten nach der Schwester, die dann auch irgendwann erschien. Manchmal denke ich diese Klingeln schlagen erst mit Verzögerung an, denn ich habe noch nie erlebt, dass sofort Hilfe erschien. Gut, aber dann kam sie und nun ärgerte ich mich doch über den Satz; ‚Oh Frau… was haben wir denn da gemacht? An dieser Stelle eine mehr als dumme Frage, denn es war ja nicht zu übersehen, was wir gemacht hatten. Sie ging auch gleich wieder und kam mit einer Schwesternhelferin wieder, die sich um alles kümmern sollte. Das ist das Los der Schwesternhelferinnen/schülerinnen, sie sind für die Schmutzarbeit zuständig. Zu zweit wurde Ordnung gemacht, das Bett neu bezogen, die Patientin gewaschen und mit dem guten Rat, das nächste mal schnell eine Nierenschüssel vor zu halten, damit nicht mehr das ganze Bett in Mitleidenschaft gezogen würde, wieder ins Bett geleitet. Dann bekam sie noch zwei Pillen, die die Übelkeit unterbinden sollte. Na ja, sie haben gewirkt und unsere Zimmerlinde ist auch bald eingeschlafen, was in diesem Moment bestimmt das Beste für sie war. Wir die Zweidrittelmehrheit suchten dann mal die Besuchertoilette auf um eine Zigarette zu rauchen. Sowas dauert nicht lange, denn man zieht wie verrückt an der selbigen, weil es ja nicht auffallen soll, dass man nicht im Zimmer ist, und man auch nicht unbedingt dabei überrascht werden will. Die Quatschstimmung war uns auch vergangen und als wir ins Zimmer zurückkamen setzte ich mich alleine an den Tisch und holte den Lappy heraus. Und siehe da, ich hatte nette Mails im Postfach und konnte mit einer lieben Freundin ein wenig tippseln… es ist schön, wenn man in der Klinik nicht so ganz von der Außenwelt abgeschlossen ist. Ich weiß nicht wie lange ich getippselt habe, aber darüber kam die Schwester herein und sagte ob ich mich denn gar nicht fertig machen wollte. Fertig machen? Hatte ich irgendetwas verpasst? Sie lachte und meinte sie wolle ja niemanden vorgreifen, aber sie habe sowas läuten hören, das ich nach der Visite um 16 Uhr nach Hause dürfe. Na das war doch mal eine tolle Nachricht und innerlich machte ich 1.000 Luftsprünge… endlich nach Hause!!! Doch wurde ich gleich wieder gebremst, ja nach Hause schon, aber wieder auf Urlaub. Schade, aber besser als nichts. Schnell noch meiner Chatfreundin davon erzählen und dann ein paar Sachen zusammensuchen, die ich mitnehmen wollte. Eigentlich seltsam, ich hatte gar keinen Urlaub beantragt, weil ich dachte, so oft bekommt man keinen und nun wurde ich so einfach vor die Tür gesetzt. Irgendwann fragte ich denn doch mal nach wieso ich nach Hause dürfe, ob ich vielleicht zu anstrengend wäre und bekam die Antwort; ‚Ich denke mal, dass dies zu ihrer Therapiebehandlung gehört‘. Also will man mich hier Ausgehfit machen. Ich glaube nicht, dass das funktioniert, denn ich werde wie ich schon mal erwähnte mit dem Rolls Royce bis an den Wagen gefahren, steige ein, zu Hause aus und dort gehe ich die wenigen Stufen hoch in mein Reich. Als erstes lasse ich mich auf meine Sitzecke plumpsen schnappe nach Luft, mache Atemübungen, damit ich kein Spray nehmen muss und dann ist alles wie immer.

Na egal, in der Klinik ist alles egal, man liebt mich nicht, man will mich nicht, nur quälen will man mich und genau das tut man auch… lach… kommt mir doch irgendwie bekannt vor.

Eine sehr lange Zeit, wenn man auf die 16 Uhr Visite wartet und sie scheint wirklich aus Gummi zu sein so sehr wie sie sich hinauszieht… meine zwei Zimmerlinden schlafen, es ist schon seltsam, die meisten Menschen schlafen in Kliniken auch tagsüber oft und lange, etwas weshalb ich sie nur beneiden kann. Mir ist das nicht gegeben, ich schlafe nicht mehr und nicht weniger als zu Hause. Während ich so meinen Gedanken freien Lauf lasse kommt Schwester (mmhhh wie heißt sie noch gleich? Ich kann mir keine Namen merken) zu mir und sagt mir aus Rücksicht auf die anderen leise, ich solle doch eben mit ihr kommen und schiebt mir einen Rolls Royce vor die Füße. Nein, ich will nicht fragen, ich setze mich einfach und harre der Dinge die da kommen, sie machen einen Klinikaufenthalt wenigstens etwas spannend. Langsam Millimeter für Millimeter schiebt sie mich Richtung Tür, macht sie leise hinter uns zu und jeppp – nun flitzt sie mit mir über den langen Flur in einer Geschwindigkeit, die mir die Wangen hinter die Ohren zieht und das Gefühl des „Freien Falles“ in horizontaler Richtung gibt, also nicht nach unten sondern nach vorne. Mein Mund ist doppelt so breit wie im Normalfall und die Lippen strichschmal, so dass ich nicht mal einen Einwand machen kann. Vor den Aufzügen kommt es zu einer Notbremsung die mich bald nach vorne aus dem Rolls Royce wirft, denn es gibt keine Gurte an diesem Gefährt. Die Wangen schnallen zurück an ihren gewohnten Platz, die Lippen füllen sich wieder mit Blut und eigentlich könnte ich jetzt eine Bemerkung machen, wenn, ja wenn meine Denkzentrale nicht gelähmt wäre so dass sie sich keine Befehle geben lässt. Es ist toll, finde ich jetzt wirklich toll. Wie oft habe ich schon vor so einem Aufzug gestanden und gewartet, dass mal einer bei mir anhält, aber entweder sie standen auf irgendeiner dieser Etagen fest oder aber ich freute mich weil sie sich langsam Etage für Etage zu mir vorarbeiteten, auf jeder Etage natürlich einen Boxenstop machten, um letztendlich an meiner Etage ohne Stop vorbei zu rauschen – und diese Schwester steckte einfach einen Schlüssel in ein entsprechendes dafür vorgesehenes Loch einer Metallplatte und schon knallen die Türen auf.

Gut so, denn es ging um mich und meinen Überraschungstrip. Ich wusste immer noch nicht wohin des Weges, das einzige was mir klar war es ging um mich. Einmal weil ich in diesem Rolls Royce saß und zweitens weil ich meine Unterlagen auf den Knien liegen hatte. Endstation ist das Erdgeschoss, die Tür geht auf und ich befinde mich in der riesigen Eingangshalle. Auf mich prasseln das geschäftige Hin und Her, der Besucher, Ärzte und Patienten ein. Das Stimmengewirr, die Emotionen die zu spüren sind und die Ängste einiger Personen. Das ist Leben, na ja das Leben einer Klinik, aber besser als die ewige Ruhe in meinem Zimmer. Ich mag keine Ruhe, ich brauch Leben um mich herum um selber Leben zu können.

Gott sei Dank ist hier so viel los, dass die Schwester nicht wieder den Turbogang einschalten kann und so kann ich noch schnell einen Blick auf den Kiosk werfen – man, hätte mir die Schwester gesagt dass wir hier vorbeikommen hätte ich ein paar Euchen eingesteckt und ein wenig eingekauft. Nicht das ich was brauchen würde, aber es macht Spaß einzukaufen, zumindest mir. Wir sind zwar noch nicht am Ziel angekommen, aber ich weiß wohin es geht, zur Chirurgischen Ambulanz, denn etwas anderes gibt es hier nicht – nur ich weiß noch nicht warum ich hier hin muss. Unter den ambulant wartenden Patienten werde ich mal wieder abgestellt mit einem freundlichen‚ bis gleich Frau …‘ – und schon ist Schwester von und zu nach einem kurzen Gespräch mit der Frau an der Anmeldung weg.

Ich sehe mir die Leute ein wenig an, was soll ich sonst tun? Ich versuche in ihrem Gesicht zu lesen wie sie sich fühlen, weshalb sie hier sind. Na gut, weshalb sie hier sind kann man bei den meisten sowieso sehen, es sind alles kleinere Unfälle die eine Erstversorgung brauchen, doch jeder geht anders damit um, und das finde ich so interessant. Dann die blecherne Stimme einer Frau durch das Mikrofon; ‚Frau …, bitte gehen sie in Zimmer 2. Uppps gehen? In Zimmer Nr. 2? – Ok, ich stehe auf nimm meine Unterlagen in die Hand und will lostrippeln. Da schrillt mir die Stimme wieder aus dem Mikrofon entgegen, bitte mit Rollstuhl. Booooaaaaah, warum heißt es gehen, wenn ich rollen soll, die wissen nicht was sie wollen. Puterrot im Gesicht setze ich mich brav wieder in meinen Rolls Royce, lockere die Handbremse und will mich gerade Armkraftmäßig vorwärts bewegen, als ein junger Mann auf mich zu eilt und mich zu Zimmer 2 schiebt. Ein nettes Kerlchen, so ungefähr in dem Alter meines Sohnes, ein junger Mann, wo so mancher sagen würde er gehört der Generation an, die kein Mitgefühl kennen. Darüber habe ich aber schon mal etwas gesagt, ich sehe das ganz anders, jede Generation hat seine guten wie schlechten Menschen, das hat nichts mit der Generation als solches zu tun. Auf jeden Fall klopft er noch für mich öffnet mir die Tür und ehe ich mich richtig bedanken kann ist er schon weg. Ich rolle mich in einen leeren Behandlungsraum, na toll. Wobei leer nicht so zu deuten ist, das es ein kahler Raum ist, nein er ist Menschenleer und bleibt es auch für weitere 10 gefühlte Minuten ehe eine MTA, ich glaube so nennen sie sich, hereinkommt, mich anlächelt und sagt, gleich kommt Dr. Schneider zu ihnen, legen sie sich bitte schon mal auf die Liege und machen ihren Bauch frei. Aber hallo, jetzt frage ich doch mal vorsichtig nach, warum das ganze stattfindet und bekomme lachend gesagt hat sie noch keiner aufgeklärt? Nein hat mich keiner, wäre schön wenn du es tun würdest ohne mich lange auszufragen, ich bin unleidig, ich mag nicht mehr, ich fühle mich unwohl, will endlich wissen was das ganze soll. Sie hilft mir auf die Liege, als wenn ich das nicht alleine könnte und sagt, ‚ sie bekommen heute die Fäden gezogen‘. Upppps, jetzt fällt es mir auch wieder ein, ich hatte ja einen kleinen Eingriff – na gut, dann mal schön entspannen und warten bis der Arzt kommt.

Er kam, sah, handelte und weg war er. Ich um einige Fäden erleichtert und wieder hinausgeschoben. Nein, hier wollte ich nicht mehr warten um abgeholt zu werden, also die Muckis angespannt und Richtung Aufzüge. Geht doch – geht doch, wenn auch ein wenig anstrengend, aber es geht. Eins aber ist so sicher wie das Amen in der Kirche, den Rolls Royce vor mich herschiebend wäre Luftmäßig einfacher gewesen als diese Armarbeit, aber das durfte ich nicht, warum auch immer. Egal, ich bin angekommen so oder so und wartete geduldig auf einen der Fahrstühle, nein ich äußere mich nicht mehr zu den Fahrstühlen, weil es hat sich in der kurzen Zeit nichts geändert. Irgendwann kam ich auf jeden Fall auf Station 6 wieder an, gab meine Unterlagen ab und stellte fest, ich hatte mein Mittagsessen verpasst. Das Tablett stand zwar noch auf dem Tisch, aber das Essen war kalt und sah nicht wirklich lecker aus und vor allen Dingen war ich bald zu Hause und konnte dort essen worauf ich auch immer Lust hatte. Meine Zimmerlinden erzählten mir, dass die Visite ausfallen sollte, aber der Arzt nach mir gesucht hätte. Na toll, hier kann man verschwinden ohne das jemand wirklich weiß was abläuft – es war doch wohl von ihm angeordnet, dass ich runter sollte und er sucht mich im Zimmer. Hu hu, wo bin ich denn?

Auf einmal geht die Tür auf, Dotore tritt ein und meint; ‚Frau… sie machen mich nicht gerade glücklich‘. He he, ich bin auch nicht da um ihn glücklich zu machen und das sage ich ihm denn auch und er sagt wieder; ‚ja ja, sie haben immer das letzte Wort, dass kenne ich ja schon – und wie geht es uns?‘ Schon wieder das „uns“!!! Was soll ich dazu sagen? Na ja, klare Ansage meinerseits, sie sehen etwas blass aus, ich glaube ihnen geht es nicht so gut, mir geht es sehr gut. Meine Zimmerlinden lachen, Dotore auch, also alles im grünen Bereich. Nun bekomme ich offiziell die Genehmigung meinen Heimurlaub anzutreten, allerdings erst nachdem er meinen Bauch begutachtet hat und zufrieden wie ein Eselchen vor sich her nickt.

Ist das Leben nicht schön? Ich liebe es! Nun noch ein kleines Telefonat nach Hause zwecks abholen. Besetzt – es ist besetzt und ich entsetzt – wieso wartet niemand auf meinen Anruf??? Gut, dass wir nicht nur eine  Verbindung haben, also schnell auf dem anderen Apparat anrufen und schon fluppt es… Noch 10 Minuten und ich werde abgeholt…

IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN?!

© by Elke/E.L.2009

 

Herzliche Grüße Elke

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6 Antworten

  1. Sternchen

    Die Kurzgeschichte ist irre gut gelungen und reif für den Verleger, liebe Elke Du bist kaum zu übertreffen, ja Du lebst und wieee! ich wünsche Dir noch einen tollen Sonntag und drück Dich…. Grüßli Camina

    14. Juni 2009 um 10:37

  2. - Pusteblume

    —also, liebe Elke, Du könntest doch Romane schreiben…ehrlich…..so wie Du das alles hast rüberkommen lassen….schmunzel.Ich freue mich für Dich, dass Du bis auf weiteres Hafturlaub hast…..wie lange soll der noch sein?Sei lieb geknuddelt und ein schönes Wochenende von Pusteblume, Gabi P. oder seit neuestem auch Pubu….grins

    14. Juni 2009 um 10:13

  3. Elke

    Danke für Eure lieben Kommentare,lieber Pierre, ich glaube nicht wirklich dass Du Dir das vorstellen konntest, mein Gesicht war hinter meinem Hinterkopf eine Seite links die andere rechts und wenn man mir ins Gesicht sehen wollte, musste man schon hinter mir stehen… lach…liebe Gabi, wäre doch toll gewesen, wir zusammen in dem Gefährt, auch wenn es ja nur die Mittelklasse-Ausführung war aber durch die Verwchiebung der Masse hätten wir bequem nebeneinander hineingepasst :-)lieber Toni, das musst Du nicht mir sagen, das war die Schwester ganz allein, die so fahrlässig im Rolls Royce-Verkehr mit mir umgegangen ist :-)aber wie heisst es so schön – ich lebe noch, mein Gott ich lebe noch…

    14. Juni 2009 um 09:51

  4. Knuddel

    auch im Krankenhaus gibt es Geschwindigkeitsbegenzung…..10Km/Std. liebe grüße Toni

    14. Juni 2009 um 03:58

  5. Gabi

    Hallo liebe Elke……Du hast das hier so gut beschrieben, das ich schon dachte ich wäre mit Dir zusammen im Rolls Royce gefahren. Einfach Klasse!!!ggglg Gabi

    12. Juni 2009 um 14:33

  6. Pierre

    Liebe Elke,schöne Beschreibung die Fahrt mit Deinem Rolls Royce. Konnte mir auch den Wind in Deinem Gesicht vorstellen. Wünsche Dir einen schönen und angenehmen Klinikurlaub. Liebe Grüße Pierre

    12. Juni 2009 um 13:56

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