Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Die wahre Geschichte für’s Herz…

 

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Hier eine Geschichte, so wie ich sie bekommen habe. Ich habe absichtlich nichts verändert:

Hallo Fossy,

dieser Tage hattest Du aufgefordert, wer Herz-Storys schreibt, möge Dir gerne was zusenden. Nun, ich weiß nicht ob die Geschichte für Dich in Frage kommt, und schreiben würde ich das auch nicht nennen, ich habe sie so erlebt, um 1965 herum, und kann es nur so schildern. Schreiben müsstest Du das dann?! ;-)

Ich war noch sehr klein, sechs Jahre alt, und wir waren nach Wilhelmsburg gezogen, wo ‚ 62 die schlimme Flut war. Wir bewohnten eine kleine 2,5 Zimmer Wohnung. Meine großen Brüder teilten sich das halbe Zimmer. Ich musste abends im Schlafzimmer meiner Eltern ins Bett und wurde spät abends oder nachts, wenn meine Eltern ins Bett wollten, rüber getragen ins Wohnzimmer, wo ich auf der Chouch den Rest meiner Nacht schlafen durfte.

Wann es sich zutrug weiß ich heute nicht mehr, dafür war ich noch zu klein, ich ging ja noch nicht einmal zur Schule, jedenfalls hatten wir erneut Hochwasser, so schlimm, dass wir evakuiert wurden. Mein Vater, der von Beruf Taxifahrer war, fuhr uns nach Barmbek zu meinen Großeltern. Dort durften wir alle unterkommen für die Nacht. Meine Mutter hatte schnell das Allernötigste gepackt, und dann waren wir auch schon in Barmbek. Ich wurde als erstes und sofort ins Bett meiner Großmutter gesteckt, weil es wohl schon spät am Abend war. An Schlaf war für mich allerdings nicht zu denken, denn ich war zum einen sehr aufgeregt, und zum anderen waren die Erwachsenen nicht gerade ruhig. Der Fernseher lief, man verfolgte das Hochwasser am Bildschirm, meine Brüder, damals schon 14 und 15 Jahre alt waren ebenfalls aufgeregt und laut, so dass ich kein Auge zubekommen hätte.

Da ich nicht schlafen konnte, malte ich mir aus, wie das Wasser in unsere Erdgeschosswohnung eindringen würde. Ein Zimmer hatte ich ja nicht, aber im Flur, gleich ein Stückchen hinter der Haustür, hatte ich ein kleines Schränkchen im Format eines handelsüblichen Kühlschranks. In dem verwahrte ich meine ganze Habe. Meine Oblaten, meine Murmeln, meine Stofftiere, meine Puppen und das Puppenzeug, meine Barbys, einfach alles was ein kleines Mädchen so um 1965 besaß!

Nun stellte ich mir vor, dass das Wasser natürlich zur Haustür herein kommen würde, und als allererstes auf meinen Spielzeugschrank treffen würde, und alles was ich besaß wäre zerstört. Ich war plötzlich ganz furchtbar in Sorge um meine Spielsachen! Da hörte ich in Wohnzimmer meiner Großeltern Gesprächsfetzen, denen ich entnehmen konnte, dass mein Vater noch einmal zurück fahren müsste, wenn die Straßen noch nicht gesperrt seien, er müsse unbedingt noch einmal in die Wohnung um diese und jene wichtigen Papiere zu holen, bevor sie den Fluten zum Opfer fielen. Da hielt mich nichts mehr in meinem Bett!

Ich rauschte raus auf den Flur und bat meinen Vater, der schon dabei war sich Schuhe und Mantel anzuziehen um dann das Haus zu verlassen in Richtung Wilhelmsburg, meinen Spielzeugschrank auf den Küchentisch zu heben, damit er nicht sofort den Fluten zum Opfer fiel. In dem Moment hagelte es Schimpfe für mich aus allen Richtungen! Meine Großeltern schimpften ich solle wieder ins Bett verschwinden. Meine Mutter schimpfte dass sie andere Sorgen hätten und ich solle verschwinden. Meine Brüder machten sich ganz wichtig und erklärten mir recht boshaft, dass nichts aber auch gar nichts so unwichtig sei wie meine Spielsachen, alle schimpften, auch mein Vater, einfach alle. So zog ich mich weinend in mein Bett zurück und schlief über das Weinen ein.

Am nächsten Morgen waren alle in der Küche versammelt. Unsere Wohnung war, wie es aussah, verschont geblieben. Wir frühstückten noch bei meinen Großeltern, verabschiedeten uns und fuhren in Papas Taxi nach Hause. Als die Haustüre aufgeschlossen wurde, und ich überglücklich in die Wohnung stürmte, weil meine Spielsachen trocken geblieben waren, bekam ich erst einmal einen Schock, denn meine Spielsachen waren nicht mehr im Flur. Das Schränkchen mit meinen Spielsachen stand in der Küche auf dem Küchentisch!

Heute, rückblickend, weiß ich natürlich, warum in Barmbek alle so böse auf mich waren, aber bis an mein Lebensende werde ich nicht vergessen, dass mein Vater meine Ängste und meinen Kummer so ernst genommen hat. Obgleich ich damals das Gefühl hatte, er hätte mir gar nicht richtig zu gehört, und obgleich ich auch erkennen konnte, dass er wirklich andere und dringlichere Sorgen hatte, hatte er doch zugehört, mich ernst genommen und wirklich dieses Schränkchen auf den Küchentisch gehoben.

Diese tiefe Verbundenheit und Liebe blieb zwischen uns bis an sein Lebensende und für mich noch weit darüber hinaus! Leider verstarb dieser wundervolle Mensch vor 14 Jahren, aber ich bin dankbar dass ich eine Zeit lang mit ihm leben durfte!

Iris Jentzsch

 

 

Liebe Freunde, liebe Besucher,

ist das nicht eine wunderbare Geschichte. Ich habe beim Lesen doch ein wenig schlucken müssen. Sie erinnerte mich an meine Eltern. Gut sie hätten nicht so reagiert, sondern egal wie emotionsgeladen die Situation war, versucht mir zu erklären warum manches nicht so einfach zu machen war oder aber wären nach den ersten schroffen Entgegnungen an mein Bett gekommen und hätten mich beruhigt. Aber bei meinen Eltern war es auch so, dass wir Kinder immer und in jeder Situation an erster Stelle kamen. Sie haben immer versucht sich in unsere Kinderseelen hinein zu versetzen, waren manches Mal vielleicht ein wenig zu Gluckenhaft. Doch trotz dieser Abschirmung vor Bösem, haben sie es geschafft uns als Eigenverantwortliche Menschen zu erziehen, so dass wir in unserem Leben immer alles selbst bestimmt haben. Dafür bin ich ihnen heute noch sehr dankbar.

Sicher, bei Iris ging es um die Existenz der gesamten Familie, ihr ganzes Hab und Gut – aber für die kleine Iris eben auch um "IHR Hab und Gut."

 

Ich wünsche Euch allen einen schönen relaxen Sonntag und einen Guten Start in die kommende Woche…

Herzliche Grüße Elke

 

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2 Antworten

  1. - Pusteblume

    Liebe Elke.eine sehr anrührende Geschichte, die einen echt schlucken läßt. Auch ich hatte/habe sehr liebe Eltern, bei denen ich immer an erster Stelle stand.Sie haben mir immer alles, soweit es machbar war, möglich gemacht, haben mir viele gute Dinge mit auf meinen Lebensweg gegeben. Wenn mein Papa noch leben würde, wäre er heute 97 Jahre alt, aber er starb und ich war gerade 30 Jahre alt. Meine Mutti lebt heutevölig demenzkrank im Pflegeheim. Du kennst meine Siutation, wie schwer mir dieser Weg gefallen ist.Erst heute habe ich sie wieder besucht und bin überglücklich wenn sie mich anlächelt und mir sagt:Ich hab dich lieb. Dann fließen bei mir immer die Tränen.Ich bin meinen Eltern auch unendlich dankbar für alles, was sie mir mitgegeben haben.Danke Elke, für den schönen, nachdenklichen Blog. Liebe Grüße, ich drück Dich und einen schönen Abend von Pubu

    28. Februar 2010 um 19:02

  2. Stefanie

    Das ist eine sehr schöne Geschichte Elke und regt wahrlich zum nachdenken an ich habe noch beide meiner Eltern und ich bin sehr froh und glücklich für jeden Tag den ich mit Ihnen erleben darf da wir alle auch ein super Verhältnis miteinander haben. Wir verbringen viel Zeit miteinander denn alles kann so wahnsinnig schnell vorbei sein…Danke das du diese schöne Geschichte mit uns geteilt hastLGStefanie

    28. Februar 2010 um 10:18

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