Tränen und Glück finden sich in der Stille…

Irgendwas bleibt…

 

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… dieser Text von Silbermond (Irgendwas bleibt…) gibt mein momentanes Seelenleben wieder, das Chaos meiner Gefühle, die Unsicherheit, den Wunsch nach Stabilität, den Wunsch endlich wieder ich zu sein, den Wunsch das sich mein Leben wieder ein wenig normalisiert.

Das eine habe ich noch nicht verarbeitet, noch nicht begriffen, dann bricht bereits das nächste herein, so geht es jetzt seit Jahren. Irgendwann muss doch mal Schluss sein – irgendwann die Talfahrt ein Ende haben und ein wenig Sonne in mein Leben kommen.

Nein das stimmt so auch wieder nicht, denn ich darf mich eigentlich nicht beklagen. Ich habe eine wunderbare Familie, einen Mann, zwei tolle Kinder 22 und 21 Jahre die studieren bzw. eine Lehre absolvieren und nie getrunken, geraucht oder gar Drogen genommen haben. Zu meiner großen Freude leben sie auch immer noch bei uns (mit Partner) und Geldsorgen kenne ich auch nicht. Man sollte meinen ich sei vom Glück bevorzugt, was auch im gewissen Sinne so ist, wenn da nicht durch Behandlungsfehler bei meiner Krebserkrankung vor 5 Jahren Organe wie Herz und Lunge stark geschädigt worden wären. Heute habe ich eine schwere COPD und meine linke Herzkammer muss viermal so oft ihre Arbeit verrichten wie die rechte. Um es ihr leichter zu machen muss ich trotz zu niedrigen Blutdruck noch Blutdruck senkende Mittel nehmen was ständige Schwindelanfälle nach sich zieht. Es sind jetzt fast 3 Jahre, dass ich nicht mehr aus meinen 4 Wänden herausgekommen bin, es sei denn mit dem Notarzt. Ob ich immer noch Krebsfrei bin weiß ich nicht weil ich 3 Jahre zu keiner Nachsorgeuntersuchung gekommen bin.

Endlich habe ich mich entschlossen mein Schicksal selber in die Hände zu nehmen, da werde ich mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod meiner 8 Jahre jüngeren Schwester konfrontiert. Das hat mich psychisch weit zurück geworfen. Es gibt Schmerzgrenzen für jeden Menschen meine ist sehr hoch, aber doch irgendwann erreicht.

Die Angst eventuell nicht an der Beerdigung meiner „Kleinen Schwester“ teilnehmen zu können hat mich fast wahnsinnig gemacht. Ich habe es aber geschafft.  Für längere Wege auf dem Friedhof habe ich mir einen Rolli geliehen und kurze Strecken gingen an der frischen Luft besser als ich zu hoffen gewagt hätte.  Nachdem meine Augen sich erst mal wieder an die Weite gewöhnt hatten, pendelte sich auch das Schwindelgefühl auf fast normal ein. Außerdem hatte mir mein Arzt ein starkes Medikament gegeben, dass mir vorgaukelte es sei alles ok. Egal wie auch immer ich habe es geschafft und es hat meiner Psyche gut getan, bei dem letzten irdischen Weg meiner Schwester dabei zu sein. Wäre es anders gewesen, hätte ich es mir nie verzeihen können.

Als eine für sich selber absolute Rollstuhl-Verneinerin wie mich, die eher ans Haus gefesselt sein wollte als sich jemals im normalen Leben damit fort zu bewegen, habe ich meine Meinung durch die Beerdigung doch ein wenig geändert. Eben habe ich die Verordnung für einen Rolli bekommen und werde ihn dann dazu nutzen mal wieder bei den Fachärzten meine längst überfälligen Nachsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen und wer weiß, vielleicht gibt es ja mittlerweile ein Medikament oder eine Behandlung die mir doch ein wenig Erleichterung verschafft.

Herzlichst Elke  

 

Silbermond

Irgendwas bleibt…

Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist
und alles Gute steht hier still.
Und dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.

Diese Welt ist schnell
und hat verlernt beständig zu sein.
Denn Versuchungen setzen ihre Frist.
Doch bitte schwör, dass wenn ich wieder komme,
alles noch beim Alten ist.

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt.
Und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit.
Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.

Gib mir was.. irgendwas, das bleibt.

Auch wenn die Welt den Verstand verliert,
das ‘Hier’ bleibt unberührt.
Nichts passiert ..

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt.
Und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit.
Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.

Gib mir was.. irgendwas, das bleibt.

 

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5 Antworten

  1. Elke

    Ja Harald, es wird Zeit dass langsam etwas Produktives geschieht. Es ist sehr anstrengend für mich, denn selbst mit dem Rolli brauche ich immer noch eine Person die mich schiebt, denn es spielt keine Rolle ob ich durch das gehen oder durch die Armbewegungen Erstickungsanfälle bekomme. Ich setze jetzt meine ganze Hoffnung in die Ärzte, die ich so wie ich den Rolli habe wieder mal aufsuchen kann. Danke für Deinen Kommentar… und ein schönes Wochenende…herzlich Elke

    15. Mai 2010 um 10:14

  2. Harald

    Liebe Elke,ich finde es gut, dass Du Dein Leben wieder in die Hand nimmst und endlich auch die (notwendigen) fälligen Nachuntersuchungen nachholst. Ich wünsche Dir, dass Du den Tod Deiner Schwester bald überwinden kannst und dass Du mit Deinem Rolli wieder ein Stück weit Normalität in Dein Leben bringen kannst. Draußen ist es so schön. Besonders jetzt wo alles blüht. Genieße Deine wiedergewonne Freiheit. Carpe diem – Nutze den Tag.Liebe Grüße und ein schönes WochenendeHarald

    15. Mai 2010 um 09:31

  3. Elke

    Liebe Camina, Du kennst mich doch – ich bin ein Stehauf-Männchen, aber alles hat Grenzen und ich muss sie bei mir erst wieder neu abstecken. Trauern werde ich noch lange, aber das Geschehene hat mich auch dazu gebracht im Kampf gegen meine Krankheit in die Offensive zu gehen und nicht die Tage so einfach an mir vorbei ziehen zu lassen… Mach Dir bitte keine Sorgen, ich bin ein unverbesserlicher Optimist und vielleicht auch ein wenig blauäugig und naiv…Liebe Kerstin, ja es gab immer mal wieder diese Erfolgsergebnisse, aber so schnell wie sie kamen sind sie auch wieder verschwunden. Ich denke mal dass es daran liegt, das man die Krankheit nicht stoppen kann, COPD verschlimmert sich immer weiter und wie ich mir angelesen habe senkt es die Lebenserwartung um 5-7 Jahre und wenn man wie ich raucht um einige Jahre mehr. (Wegen dem Rauchen werde ich auch nochmal sehr gut nachdenken müssen, denn Hypnose habe ich noch nicht ausprobiert und vielleicht wäre das etwas das bei mir denn doch noch nützt). Ich habe mich tatsächlich mit alledem arrangiert und Dank Internet und meiner Initiative auch keineswegs Langeweile gehabt, aber als ich jetzt auf der Beerdigung Menschen (außer meiner kleinen Familie) in "echt" gesehen habe und mal andere Stimmen gehört habe, da ist mein Kartenhaus zusmmen gefallen und mir wurde so richtig bewusst was ich verpasse. Das hat irgendwie in mir den Rebell aufgeweckt… Danke für Deinen lieben Kommentar…ich wünsche Euch ein schönes Wochenende… herzlichst Elke

    15. Mai 2010 um 04:04

  4. Kerstin

    …was ich hier lese erschüttert mich…vllt liegt es u.a. daran, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie es ist, nicht aus dem Haus gehen zu können… 3 Jahre sind eine verdammt lange Zeit…ich würde wahrscheinlich durchdrehen…du scheinst dich mit der Situation arangiert zu haben…trotzdem bin ich auch etwas verwundert…ich kann mich an Blogs erinnern, wo du beschrieben hast -beim Arzt gewesen zu sein, danach kleine Wege gegangen bist…und richtig stolz auf dich warst – kleine Schritte zurück ins "normale" Leben gemacht zu haben…u nun lese ich dies…erschüttert mich…ich hoffe für dich das du mit deinem Rolli zurück ins Leben findest…die nachfolgenden Blogs geben ein wenig Hoffnung…das du diesen (deinen) Weg gehst……ich denke du bist ne taffe Frau – trotz deiner Erkrankung, hast nen unwahrscheinlichen Kampfgeist und ein soziales Netz was dich auffängt, egal was passiert… vertrau dir selbst – u nicht auf das andere sagen…….das solls von mir gewesen sein, Elke…ich wünsch dir…alles was ich vorher schon geschrieben habe…viele Grüße Kerstin…

    14. Mai 2010 um 23:28

  5. Camy

    Liebe Elke Deine Worte erschüttern mich, obwohl ich ganz genau verstehe was Du sagst… Das mit dem Rolli ist eine gute Entscheidung, sie gibt Dir Bewegungsfreiheit und andere Perspektiven!!! Doch Deine Seele leidet zur Zeit, ich wünsche Dir von Herzen das Du Dich nicht zu tief in Deine Trauer vergräbst und der schlimme Schmerz bald milder wird, ich umarme Dich….Camina..

    14. Mai 2010 um 16:03

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